(Einführungs-) Erfahrungen mit Lernpass plus an der Sek eins Höfe


Für das Schuljahr 2019/20 suchte der Kanton Schwyz für ein Pilotjahr zwei Schulen des 3. Zyklus (7. – 9. Klasse), welche Lernpass plus testen. Geplant ist die Einführung von Lernpass plus und Stellwerk 2.0 für alle Oberstufen des Kantons Schwyz auf das Schuljahr 2020/21. Gerne nimmt die Sek eins Höfe die Gelegenheit wahr, schon in diesem Schuljahr mit Lernpass plus zu arbeiten und Pilotschule für die Einführung von Lernpass plus zu sein. Für weitere Informationen zu Lernpass plus siehe auch https://lernpassplus.ch/

 

Das bisherige Fazit gleich zu Beginn
Lernpass plus kann …

+ liefert Hinweise auf das individuelle Kompetenzniveau
+ stellt individuelle Förderaufgaben zusammen
+ Lehrperson kann eigene Übungsserien zusammenstellen
+ unterstützt kompetenzorientierte, stofforientierte Übungsphasen und das eigenständige Lernen
+ ermöglicht/unterstützt Lehrpersonen bei der Individualisierung und in der Rolle als Lernbegleiter
+ Planungstool bieten interessante Möglichkeiten
+ ermöglicht ortsunabhängiges Lernen
+ lässt sich relativ einfach administrieren
+ Standortbestimmung (Stellwerk) ist Bestandteil

+/- fokussiert auf Stufenkompetenzen (Jahreskompetenzen), d.h. die SuS bekommen auch Aufgaben aus noch nicht besprochenen Themengebieten
+/- blosses Testen und Aufgabenserien garantieren nicht automatisch nachhaltige Kompetenzerreichung und gute Lernprozesse. Kontinuierliche Unterstützung durch ein adaptives Lernsystem kann gute Unterstützung für das eigenständige, individuelle Lernen bieten. Die Lernprozesse und die Kompetenzerreichung müssen kritisch beobachtet werden.
+/- Solche Lernsysteme generieren heikle, individualisierte Daten, welche äusserst sorgfältig gespeichert werden müssen (Big Data …)

– Orientierungstests sind wertvoll, beanspruchen aber (zu) viel Unterrichtszeit und bedingen einer guten Planung und entsprechender Absprachen
– für die Erstellung eigener Aufgabenserien sollten die Filtermöglichkeiten besser sein
– direkte Hilfemöglichkeiten, Tutorials zu den Lerninhalten stehen nicht zur Verfügung
– Lernpass plus ist noch im Aufbau und muss weiterentwickelt werden. Die bis jetzt vorgesehen Entwicklungsbereiche sind zwar im Aufbau, angekündet, aber eben z. T. noch nicht verfügbar. In der Weiterentwicklung liegen auch Chancen. Ob «kantonale» Lernsysteme nicht von Lernsystem von grossen Verlagen oder Konzernen überholt und abgelöst werden, ist vielleicht auch noch eine offene Frage.

! Eine gute Einführung für die Lehrpersonen und die Schulleitung ist sehr zu empfehlen. Nebst den technischen Möglichkeiten geht es auch darum, die Lernphilosophie zu verstehen, welche hinter Lernpass plus steht. Konkrete Hinweise zum pädagogischen Einsatz sind erforderlich. Diese müssen mehr als die Planung der Orientierungstest umfassen. Es ist zu hoffen, dass der Kanton entsprechende Massnahmen unterstützt.

 

Bisherige Erfahrungen an der Sek eins Höfe

Vorbereitende Admin-Arbeiten
geben Arbeit, klappen aber gut: Schule anmelden (Schulleitung), erfassen der Klassen (Schulleitung), erfassen der Lehrpersonen (Schulleitung), erstellen der Importlisten für die Klassen (Schulleitung oder Lehrpersonen), importieren der SuS in die Klassen (Schulleitung oder Lehrpersonen), Lizenzen zuteilen und die Lehrpersonen-Logins verschicken (Schulleitung), Teamtecher hinzufügen (Lehrpersonen) – siehe auch gut gemachte Anleitungen auf Lernpass plus.

Um das Lernfördersystem gewinnbringend einzusetzen, ist es notwendig, das Lern-Verständnis, welches hinter Lernpass plus steckt zu verstehen. Um einen guten Start zu haben, organisierten wir eine Einführung mit einer Referentin des Verlags, welche an einer Schulkonferenz allen Lehrpersonen eine Einführung zum Lernverständnis und zu den Möglichkeiten von Lernpass plus gab. Obwohl man auf der Website von Lernpass plus auch Informationen findet ist, ist eine solche Einführung sehr zu empfehlen. Ich erachte es als ungünstig, dass die Lehrpersonen die Logins bekommen und dann einfach einmal ausprobieren resp. sich alle selber dazu informieren. Frustrierende Erlebnisse und nicht ideale Einsätze von Lernpass plus wären so fast vorprogrammiert. Aus meiner Sicht wurde die informative und motivierende Einführungsveranstaltung geschätzt.

Lernpass plus im Einsatz in den einzelnen Fachbereichen

Allgemein / Erste Schritte
Für das technische Handling stellt Lernpass plus auf der Website unter der Rubrik «Schulung und Dokumente» Unterlagen und einen E-Learning-Kurs mit anschaulichen Videos zur Verfügung. https://lernpassplus.ch/schulung-und-dokumente/
Gut eingearbeitete Lehrpersonen könnten den SuS zum Kennenlernen selber generierte Aufgabensets zur Verfügung stellen. Ein pragmatischer Weg kann auch sein, gerade mit einem Orientierungstest zu starten und das System anschliessend für alle SuS individuelle Aufgabensets generieren zu lassen.

Orientierungstests – Planung ist wichtig
In der Mathematik stehen drei Bereiche («Zahl und Variable», «Form und Raum», Grössen, Funktionen, Daten und Zufall»), im Deutsch, Englisch und Französisch ebenfalls je drei Bereiche («Hören, «Lesen», «Sprache im Fokus») als Stufenorientierungstest zur Verfügung. Die Orientierungstest sind zum Start, als Zwischenkontrollen vorgesehen. Die Orientierungstests müssen in der Schule durchgeführt und können unterbrochen werden. Sie dauern häufig mehr als eine Lektion. Würde man so betrachtet in jedem Fach alle Bereiche zur Orientierung und Adaptierung dreimal im Jahr testen, so würde dies mindestens 36 Lektionen Orientierungstest machen bedeuten, was vermutlich klar zu viel ist. Daher sind eine Planung und eine zeitliche Absprache auch zwischen den Fachbereichen angezeigt.

Stellwerk (Standortbestimmung)
Die bekannten und obligatorischen Stellwerk-Tests für das 8. und 9. Schuljahr sind in Lernpass plus integriert und müssen zusätzlich durchgeführt werden.

Erfahrung aus den Fachbereichen Deutsch und Mathematik

Englisch, Französisch und Natur und Technik
Lernpass plus ist eine dynamische Lernplattform und wird kontinuierlich weiterentwickelt. Die Förderaufgaben in den Fremdsprachen Englisch und Französisch sowie in Natur und Technik stehen momentan noch nicht zur Verfügung. In den Fremdsprachen können die Orientierungstest aber bereits durchgeführt und so der Lernstand erhoben werden. Es ist sehr zu hoffen – und aus momentaner Sicht sieht es gut aus – dass Lernpass plus langfristig weiterentwickelt wird.

Deutsch
Für die Lehrperson ist es einfach und mit wenigen Klicks möglich, die Orientierungstests für die SuS zur Verfügung zu stellen. Wie erwähnt, ist eine gezielte Planung der Bereiche und der Frequenz sinnvoll. Die Orientierungstests werden zu Beginn und am besten mit der ganzen Klasse durchgeführt. Später sind auch individuelle oder klassenweise Orientierungsüberprüfungen denkbar. Die Tests können unterbrochen werden. Sie dauern häufig mehr als 45 Minuten und sind für die SuS anstrengend. Als Ergebnis erhalten die SuS je nach Einstellung Punkte oder eine Kompetenzstufe, welche auch in Worten ausgeführt wird. Die Ergebnisse wurden von unseren Lehrpersonen, im Rahmen gesehen, durchaus als aussagekräftig eingestuft.
Aufgrund der Testresultate stellt das System adaptiv individuelle Aufgabenserien zur Förderung zusammen. Die Übungsserien können je nach Einstellungen wiederholt werden oder das System generiert die nächste Übungsserie. Zur gezielteren Übung können Lehrpersonen für die ganze Klasse oder beliebige SuS selber mittels Schnellauswahl oder manueller Auswahl Aufgabenserien zusammen- und bereitstellen. Dies bedeutet in der Vorbereitung für die Lehrperson Mehraufwand, dafür können noch gezielter Förderaufgaben zusammengestellt werden. Bei der Zusammenstellung wären noch differenziertere Filtermöglichkeiten – siehe Ausführungen zum Fach Mathematik – mehr als praktisch. Bis jetzt haben an unserer Schule wenige Lehrpersonen Aufgaben im Bereich Deutsch selber zusammengestellt. Vermutlich können die Förderaufgaben im Sprachbereich einfacher genutzt werden, auch wenn der Inhalt zu Beginn des Schuljahres noch nicht besprochen wurde.
Insgesamt arbeiten sowohl SuS als auch recht viele Lehrpersonen soweit einmal gerne und regelmässig – z.B. wöchentlich 1-2 Lektionen mit den Orientierungstests und den individuell automatisch zusammengestellten Aufgaben und nützen diese Arbeitsweise auch für individuelles Coaching. Stichwort Lehrperson als Lernbegleiter.

Mathematik
Grundsätzlich gelten die für das Fach Deutsch gemachten Ausführungen auch für die Mathematik. Eine Schwierigkeit – insbesondere für das 7. Schuljahr ist – dass die Orientierungstests jeweils alle Kompetenzen des ganzen Schuljahres testen und auch entsprechende Förderserien zusammenstellen. So ist es für die Schülerinnen z. T. recht schwierig bis frustrierend, wenn sie häufig Aufgaben aus Themengebieten bekommen, welche sie noch nie besprochen haben und auch kaum lösen können. Für SuS ist so bei Förderaufgaben manchmal gar nicht so einfach zu erkennen, ob sie eine Aufgabe können sollten oder ob die Aufgabe ein neues Themengebiet betrifft und wie sie mit dieser Aufgabe in diesem Fall verfahren sollen.

Planungstools
Den SuS und den Lehrpersonen steht ein interessantes, interaktives, elektronisches Lernjournal zur Verfügung. Sind der Stundenplan und die Fächer der Schule hinterlegt (Administration) können die SuS zum Beispiel dies zum Planen von Selbstlernsequenzen gut einsetzen. Auch sind einfache Reflexionsmöglichkeiten vorhanden und die Lehrperson kann sich mit den einzelnen SuS elektronisch austauschen.
Förderaufgaben – Lernen mit Lernpass plus
Bei Lernpass plus steht weniger die direkte Unterstützung der aktuellen Lektionsreihe (der aktuellen Kompetenzen) im Vordergrund. Für eine solche Förderung müssen die Lehrpersonen eher selber Aufgaben aus dem Aufgabenpool zusammenstellen (Schnellauswahl oder manuelle Auswahl). Dies wurde bei uns bisher noch wenig genutzt. Vielleicht fehlt die Routine dazu, es ist (noch) zu zeitaufwändig oder gezieltere Filtermöglichkeiten, welche diese Arbeit unterstützen würden, sind zu wenig vorhanden.

Die adaptiv, automatisch und individuell zusammengestellten Aufgabenserien haben die individuellen Kompetenzen der SuS im Jahresüberblick (Inhalte des ganzen Schuljahres) im Fokus. Wie erwähnt, führt dies dazu, dass SuS immer wieder und im Verlaufe des Schuljahres mit immer weniger Aufgaben konfrontiert werden, welche noch nicht thematisiert wurden. Dies hat verschiedene Effekte. SuS können sich vielleicht schon im Voraus erfolgreich mit Aufgaben beschäftigen, bringen sich selber etwas bei, sind verunsichert bis frustriert. Regelmässig eingesetzt sollte dies auch dazu führen, dass die SuS sich vertiefter, umfassender und individueller mit den persönlichen Kompetenzen auseinandersetzen. Ob testen und Aufgabenserien lösen mit wenig Erklärungs- und Hilfemöglichkeiten auch nachhaltig die gewünschten Kompetenzen fördern, gilt es kritisch zu beobachten. Auch kann sich bei einigen SuS ein gewisser Ermüdungseffekt einstellen. So denken wir, dass der Lernprozess trotz Unterstützung des adaptiven Lernsystem gut begleitet und unterstützt werden muss. Sicher werden die einführenden und grundlegenden Lerninhalte nach wie vor in anderen Unterrichtssetting erarbeitet. Für die individuelle Repetition und Vertiefung von Kompetenzen kann Lernpass plus gute Dienste leisten. Auch ermöglicht es Lehrpersonen während diesen Unterrichtsphasen in der Rolle als Lernbegleiter und Lerncoach SuS individuell zu begleiten. Gerade in der Kombination mit anderen eigenverantwortlichen, individuellen Unterrichtssettings (SOL, Lernateliers …) kann Lernpass plus zusätzlich interessant sein.

Anwendungskompetenzen Fachbereich Deutsch – Verknüpfung mit dem Lehrmittel „Sprachstarken 8“

Fortsetzung:

Ausgehend von der Planungshilfe der Sek Eins Höfe und dem Lehrmittel „Sprachstarken 8“ habe ich ein Brainstorming mit dem Schwerpunkt „Integration der Anwendungskompetenzen im Fachbereich Deutsch“ durchgeführt und meine Erkenntnisse und Ideen auf der unten beigefügten Übersicht festgehalten. Die Übersicht zum Lehrmittel „Sprachstarken 9“ folgt.

Die Übersicht ist weder komplett noch soll sie als Imperativ verstanden werden. Einzelne Ideen wurden bereits konkret durchgeführt, andere sind lediglich angedacht. Doch vielleicht gibt sie der einen oder anderen Lehrperson einen hilfreichen Input zur Integration der Anwendungskompetenzen.

Natürlich bin ich froh über konkrete Ergänzungen, Tipps, Erfahrungsberichte oder weitere Umsetzungsideen von anderen Deutschlehrpersonen… 😉

Übersicht Anwendungskompetenzen + Sprachstarken 8

Übersicht Anwendungskompetenzen + Sprachstarken 7

Anwendungskompetenzen Fachbereich Deutsch – Verknüpfung mit dem Lehrmittel „Sprachstarken 7“

Bei der Planung und Gestaltung des Unterrichts orientiere ich mich am zur Verfügung stehenden Lehrmittel und erweitere das Angebot durch eigene Umsetzungsideen. Persönlich fehlen mir teilweise ergänzende oder weiterführende Umsetzungsideen, gerade auch wenn es darum geht, die Anwendungskompetenzen aus dem Modullehrplan „Medien und Informatik“ zu berücksichtigen.

Ausgehend von der Planungshilfe der Sek Eins Höfe und dem Lehrmittel „Sprachstarken 7“ habe ich ein Brainstorming mit dem Schwerpunkt „Integration der Anwendungskompetenzen im Fachbereich Deutsch“ durchgeführt und meine Erkenntnisse und Ideen auf der unten beigefügten Übersicht festgehalten. Die Übersicht zu den Lehrmitteln „Sprachstarken 8“ und „Sprachstarken 9“ folgt zeitnah.

Die Übersicht ist weder komplett noch soll sie als Imperativ verstanden werden. Einzelne Ideen wurden bereits konkret durchgeführt, andere sind lediglich angedacht. Doch vielleicht gibt sie der einen oder anderen Lehrperson einen hilfreichen Input zur Integration der Anwendungskompetenzen.

Natürlich bin ich froh über konkrete Ergänzungen, Tipps, Erfahrungsberichte oder weitere Umsetzungsideen von anderen Deutschlehrpersonen…

Übersicht Anwendungskompetenzen + Sprachstarken 7

Sekpro2-Klasse im angewandten Projektunterricht im HSRlab – (Auch) In der Wirtschaft sind Computer allgegenwärtig und selbstverständlich.

Die Sekpro2-Klasse der Schule Riedmatt entwickelte an einem eintägigen Workshop im HSRlab (Hochschule Rapperswil) einen Kunststoffbecher. Die Jugendlichen arbeiteten in fünf Projektgruppen als ForscherInnen, TechnikerInnen, FinanzexpertInnen oder Kommunikationsfachpersonen in Zusammenarbeit mit der Technik-Hochschule Rapperswil in einer «realen» Industrieumgebung am Design, der Herstellung und der Vermarktung eines Industrieproduktes.

Die Schülerinnen und Schüler konnten während dieses Projekttages vielfältige Erlebnisse den Bereichen Technische Hochschule, Technik, Industrie und Vermarktung machen. Dabei war auch der Genderaspekt nicht unwichtig. Als Klassenprojekt konzipiert, zeigte sich nicht überraschend, dass sowohl Knaben und Mädchen gleich interessiert und engagiert, begeistert an der Arbeit waren. Nebenbei waren Computer als Hilfsmittel in allen Projektgruppen allgegenwärtig. So wurden mit selbstverständlicher Computerunterstützung Arbeitsdokumente hergestellt, Berechnungen ausgeführt, Recherche betrieben, Präsentationen hergestellt, Filme geschnitten. Produziert wurde der Kunststoffbecher von einer computergesteuerten Spritzgussmaschine.

Bei diesem Projekt standen einiges an Aufwand, auch Kosten, sowie die Zusammenarbeit mit dem HSRlab dahinter. Ein Beispiel von MINT-Projekten, welche sich lohnen und in ähnlicher Art auch von anderen Hochschulen oder Firmen (Techniktage …) zum Teil auch gratis angeboten werden. Bei solchen Projekten erleben Schüler – und wichtig auch Schülerinnen – anregend und motivierend wie Technik, Naturwissenschaften und Computer in der Wirtschaft eingesetzt und genutzt werden.

Nachfolgend der Newseintrag aus der Website unserer Schule mit Bildern und Videos.

https://www.sekeinshoefe.ch/de/news/2019/606-hsrlab

 

Audacity – Alternativen zu Online-Konvertern?

Halloween steht bevor und erneut wagten wir uns an das Erstellen von Gruselhörspielen. Auch dieses Jahr entstanden unheilvolle und furchteinflössende Klänge, welche wir an unserer Gruselnacht bei Kerzenschein und Pizza einweihten.

Insbesondere bei der Vorbereitung für die Arbeit mit Audacity habe ich dieses Jahr Anpassungen vornehmen müssen. Die aktuelle Version 2.3.2 unterscheidet sich nur minim von den Vorgängerversionen und das Handling des Online-Tonstudios ist noch intuitiver als zuvor. Dennoch mussten die Unterrichtsmaterialien dementsprechend aktualisiert und angepasst werden.

Ebenfalls thematisierten wir, ob, in welchem Rahmen und weshalb man Audiodateien von YouTube extrahieren und für eigene Projekte benutzen kann. Bei der anschliessenden Umsetzung musste ich feststellen, dass viele Online-Konverter Downloadlimiten festgesetzt haben und dass die Anzahl an unschönen Pop-ups zugenommen hat. Infolgedessen war die Arbeit mit unterstützenden Hintergrundgeräuschen dieses Mal komplizierter als ursprünglich angenommen.

Während einzelne Gruppen die Geräusche selbst nachstellten und mit dem Smartphone akustisch festhielten, wichen andere auf die von mir vorgeschlagene Alternative von digitalen Geräuschedatenbanken aus. Auch hier stellten sich jedoch Hürden, wie beispielsweise die limitierte Downloadanzahl oder das zusätzliche Registrieren auf den entsprechenden Webseiten. Allerdings ergaben sich auch spannende Diskussionen zu den Lizenzen der einzelnen Dateien. Bei den Gesprächen offenbarte sich mir, welch grosses Novum das Vorhandensein von und der Umgang mit Lizenzen, sowohl bei Bild- als auch Audiodatein, für die Lernenden darstellt. Ein spannender Anknüpfungspunkt für den Medien- und Informatikunterricht…
Als Converter-Alternative eigneten sich die Datenbanken jedoch gut und die Suche verlief meist schnell und effizient, sofern die Suchbegriffe auf Englisch verfasst waren.

Ich blicke erneut auf ein vielfältiges und spannendes Projekt zurück, wobei ich weiterhin auf der Suche nach Optimierungsmöglichkeiten im Bereich der Vertonung und akustischen Bearbeitung bin.

Spicken bei digitalen Sprachprüfungen: Richtige Einstellungen zu Beginn des Schuljahres

Wer digitale Sprachprüfungen mit Microsoft Forms oder anderen Tools macht, hat vielleicht auch schon die Erfahrung gemacht, dass Lernende überdurchschnittlich gut abschneiden. Das kann einen einfachen Grund haben: Sie spicken mit der Bing-Übersetzung.

Dieses standartmässige Add-On erlaubt es Lernenden per einfachen Rechtsklick auf ein Wort dieses von oder in eine beliebige Sprache zu übersetzen. Diese Möglichkeit wird von Lernenden gerne genutzt, da sie innert Sekunden,ohne das Öffnen einer zusätzlichen Seite funktioniert und so von der Lehrperson oft unbemerkt bleibt. Auch der Prüfungsmodus von Microsoft Forms deaktiviert das Add-On nicht!

Im Anhang findet Ihr eine Kurzanleitung wie Ihr mittels Einstellungen an den Schülertablets das Problem umgehen könnt. Es empfiehlt sich diese Einstellung direkt zu Beginn des Schuljahres selber an den Schülertablets vorzunehmen. Am besten ohne die Lernenden darüber zu informieren.

Ich habe auch unsere Informatik-Firma auf die Problematik aufmerksam gemacht. Idealerweise würde diese nämlich die Verwendung von Add-Ons im Internetexplorer standartmässig deaktivieren.

Habt Ihr bereits selber ähnliche Erfahrungen gemacht? Würdet Ihr gerne mehr über das Erstellen von digitalen Prüfungen mit Forms erfahren? Dann lasst doch einen Kommentar zurück!

Leut(s)chen im Flugmodus!

In der Woche vom 11. – 16. Juni 2019 fand auch dieses Jahr die Flimmerpause statt. Unser Schulhaus hat das erste Mal vollumfänglich am Projekt teilgenommen. Wir versuchten bewusst, auf ausgewählte Bildschirmmedien (Fernseher, Computer, Tablet, Handy) zu verzichten und schafften Raum für neue Ideen, wie wir unsere gemeinsame Zeit gestalten können. Wir setzten uns individuelle Ziele, versuchten diese zu erreichen und reflektierten dabei unser eigenes Konsumverhalten.

Wir blicken auf eine erkenntnisreiche und kreative Woche zurück! Da wir das Projekt erstmals auf der Oberstufe durchgeführt haben, waren einige Anpassungen nötig. Nachfolgend werden einige Überlegungen und Erfahrungen zusammengefasst und Umsetzungsideen skizziert.

Prinzip der Freiwilligkeit

Die Teilnahme beruhte grösstenteils auf Freiwilligkeit, sowohl seitens der Lernenden als auch seitens der Lehrpersonen. Es ging uns in erster Linie darum, dass sich die Lernenden selber herausfordern und einen kritischen und reflektierten Umgang mit den Medien entwickeln. Gewisse Lehrpersonen arbeiteten weiter auch während des Unterrichts in dosierter Form mit Bildschirmmedien, beispielsweise im Rahmen der Lehrstellensuche oder wichtiger Recherchearbeiten. Andere wiederum griffen zum verstaubten Hellraum-Projektor vergangener Tage oder verzichteten sogar ganz auf Bildschirmmedien. Die Lernenden setzten sich selbst individuelle Ziele, welche sichtbar im Eingangsbereich des Schulhauses aufgehängt wurden. So reichte die Bandbreite der Ziele von «Ich versuche nicht mehr als drei Stunden pro Tag auf YouTube zu sein» bis hin zu «Ich benutze mein Handy während der ganzen Woche kein einziges Mal».

Auch wurde das Schulhaus umgestaltet und dekoriert, um die geeignete Atmosphäre für die Flimmerpause zu schaffen. Lediglich während den Pausen galt seitens der Schule ein offizielles Handyverbot, wobei die «Smombies» auch hier Zuflucht auf den «Empfangsinseln» finden konnten.

Materialien und Vorbereitung

Glücklicherweise war unser Team ausnahmslos bei der Flimmerpause dabei. Man unterstützte sich gegenseitig bei der Umsetzung und verfolgte dasselbe Ziel.

Als verbindliche Vorbereitung führten alle Klassen während der Woche vor der Flimmerpause das Flimmerpause-Tagebuch. Bei der Erstellung des Tagebuchs orientierten wir uns stark an den Materialien von der Flimmerpause-Homepage. Einzelne Klassen vertieften sich vorbereitend weiter in der Thematik. Hierbei wurde vor allem auch mit den Materialien von Freelance gearbeitet.

Während der Flimmerpause-Woche reflektierten wir täglich den eigenen Medienkonsum und die individuell gesteckten Ziele. Der zeitliche Umfang und die Art und Weise der Umsetzung waren den Lehrpersonen selbst überlassen. Die Schülerinnen und Schüler forderten sich klassenintern mit den Challenges von Handysektor.de heraus und sammelten Punkte. Dieser kompetitive Austausch eignete sich ideal zum täglichen Morgenritual und fand grossen Anklang bei den Lernenden. Während den ersten fünf bis zehn Minuten des Tages forderten sich die Schüler/innen mit Challenges gegenseitig heraus!

Im Anschluss an die Projektwoche verfassten die Schüler/innen einen Erlebnisbericht (vgl. Flimmerpause-Tagebuch) und reflektierten die gemachten Erfahrungen. Schliesslich wurde den Lernenden ein individuelles Diplom zur Teilnahmebestätigung ausgehändigt.

Joker als Lebensretter

Während der Flimmerpause standen allen Teilnehmenden vier Joker zur Verfügung (vgl. Flimmerpause-Tagebuch). Diese konnten eingesetzt werden, wenn man sein persönliches Ziel einmal nicht erreichen konnte oder eine Challenge ablehnte. Es versteht sich von selbst, dass bei vielen Lernenden die Joker ausnahmslos aufgebraucht wurden.

Pausengestaltung deluxe – Auch wir Lehrpersonen nehmen uns an der Nase!

Häufig stellen wir im Schulalltag fest, dass die Lernenden, sobald sie draussen in der Pause sind, zum Handy greifen und sich für den Rest der Pause nur noch marginal bewegen. Und wenn ich ehrlich bin, gibt es auch bei mir solche Pausen… Doch nicht während dieser Woche!

Die Pausen wurden aktiv durch die AG «Flimmerpause» gestaltet. Einzelne Lehrpersonen leisteten ihren persönlichen Beitrag zur Pausengestaltung, indem sie selbst Spiele und Aktivitäten initiierten oder an Pausenaktivitäten der Schüler/innen teilnahmen. Es wurde gemeinsam gelacht und gesungen, «Asuuuge!» hiess es beim Rundlauf im Minutentakt, hitzige Fussballduelle wurden ausgetragen, Diabolo und UNO feierten ein Revival, der Kreativität wurde freien Lauf gelassen und die Badminton-Shuttles pfiffen durch die Lüfte.

Der Pausenplatz lebte, die Empfangsinseln wurden im Verlauf der Woche immer weniger aufgesucht. Wir konnten ganz im Sinne unseres Jahresmottos überzeugt festhalten: «Leut(s)chen lebt!»

Ich denke, ich gehe nicht zu weit, wenn ich behaupte, dass wir alle, sowohl Schüler/innen als auch Lehrpersonen, wertvolle Erfahrungen gemacht haben, die wir auch zukünftig (wieder) vermehrt im Alltag umsetzen können.

Auf zur Flimmerpause 2020!

Abstecher ins Museum für Kommunikation

A: «Sie, hier gehe ich sicher wieder einmal hin!»
B:
«Das klingt aber anders, als noch vor drei Wochen..»
A: «Ja, irgendwie war das ja auch kein ‘richtiges’ Museum.»

Bei der Organisation des Klassenlagers fühle ich mich stets dazu verpflichtet, auch kulturelle Lernmöglichkeiten zu schaffen. Diese Überzeugung stösst bei meinen Lernenden selten auf Glücksgefühle. Dennoch hielt ich auch dieses Jahr an meinem Grundsatz fest. «Ab ins Museum», hiess es für meine Klasse!

Ich wusste, diese Aussage würde auf ernüchternde Seufzer stossen – meine Erwartungen wurden bestätigt. Die Freude über den angekündigten Museumsbesuch war verhalten, aus Höflichkeit und Respekt verzichtete meine Klasse auf niederschmetternde Kommentare. Angesehen hat man ihnen die Begeisterung dennoch…
Doch ausnahmsweise gab mir meine Sturheit recht: Das Museum für Kommunikation vermochte zu begeistern!

In der Tat war der Museumsbesuch auch für mich eine neue Erfahrung. Auf drei Stockwerken wird das Thema Kommunikation veranschaulicht und «greifbar» gemacht. Medienkompetenz als wichtige Kulturtechnik des digitalen Zeitalters wird grossgeschrieben. Persönlich, individualisiert, handlungsorientiert, haptisch, digital und äusserst interaktiv werden auch verschiedene Aspekte aus dem Modullehrplan Medien und Informatik abgedeckt.

Insbesondere die folgenden Themenbereiche regten meine Lernenden zur Auseinandersetzung und spielerischen Reflexion an:

  • Big Data: Wo landen meine Daten und was weiss «Big Brother»?
  • Recht und Recherche im Internet: Was darf ich und wo sind die rechtlichen Grenzen im digitalen Raum? Wie zeige ich Zivilcourage im Netz?
  • Always On! Wie viel Medienkonsum ist gut für mich? Eine Standortbestimmung.
  • Der Blick hinter die Kulissen: Wie funktionieren Suchmaschinen? Wie viel Geld verdient man mit YouTube? Von wem werden meine favorisierten YouTuber bezahlt?
  • Generation Selbstinszenierung: Was ist fake und was entspricht der Wirklichkeit? Wie stelle ich mich im digitalen Raum dar?

Vorbereitend vertieften wir einzelne Themen aus dem Bereich Medienbildung im Lebenskundeunterricht, zwingend notwendig war dies jedoch nicht. Das Museum für Kommunikation ist informativ und die Inhalte lassen sich intuitiv-entdeckerisch erschliessen. Auch auf dem LP21 abgestützte Workshop-Angebote werden angeboten, die darauf abzielen, fächerübergreifende Lernprozesse zu initiieren. Sicherlich eine Idee für eine nächste Exkursion.

Fazit: In der Bundeshauptstadt gibt es mehr zu sehen, als der Bärengraben und das Parlamentsgebäude! Wir blicken auf einen rundum gelungenen Besuch zurück.

 

Actionbound – Die digitale Schnitzeljagd

Schnitzeljagden sind bei Schulklassen ziemlich beliebt. Deshalb ist es bei mir Tradition, dass am ersten Tag einer Lagerwoche immer das Erkunden des Lagerortes anhand einer «Schnitzeljagd» auf dem Programm steht.

Ziel dabei ist es, nicht nur Sehenswürdigkeiten des Dorfes oder der Stadt zu finden, sondern auch Orte aufzuspüren, welche wir im Verlaufe der Woche noch besuchen werden.

Die ersten Schnitzeljagden (Bern, Neuchâtel) habe ich noch mühsam auf Papier vorbereitet: Bilder wurden vor dem Lager ausgedruckt und laminiert. Ein Fragebogen auf Papier ebenfalls. Die Schülerinnen und Schüler mussten dann während der Erkundung das ganze Material mitschleppen, auf Papier ausfüllen und ich als Lehrperson durfte dann am ersten Tag alle Antworten noch korrigieren, um die Sieger zu bestimmen.

Als ich dann begann, die Lernplattform «Moodle» in meinen Unterricht zu integrieren, lernte ich mit «Moodle» ein Tool kennen, mit dem die Schülerinnen und Schüler die Fragen mit dem Handy beantworten konnten. Für mich und die Klasse war das eine «revolutionäre» Weiterentwicklung. Das mühsame Ausdrucken, Laminieren und Korrigieren war nun endlich Geschichte.

Vor etwa drei Jahren bin ich per Zufall im Internet auf die App «Actionbound» gestossen. Mit ihr gibt es noch mehr Möglichkeiten und die Jagd kann attraktiver und abwechslungsreicher gestaltet werden als mit der Lernplattform «Moodle». Von nun an kreiere ich die «Schnitzeljagden» mit der «Actionbound-App».

Im letzten Jahr hat es sich sogar von der Zeit her ergeben, dass ich einen Bound durch die Triennale „Bad Ragartz“ (http://www.badragartz.ch/) in Bad Ragaz erstellt habe. Dort durfte die Klasse spannende Rätsel über verschiedenste Kunstwerke lösen.

Was ist «Actionbound»?

Mit «Actionbound» lassen sich spannende Schatzsuchen für Mobilgeräte herstellen. Dabei erstellt man die «Bounds» in einem Internetbrowser auf der Webseite https://de.actionbound.com und spielt die «Schitzeljagd» dann in der App mit dem Smartphone (oder Tablet). Die App kann kostenlos heruntergeladen werden. Dabei können verschiedene «Aufgabentypen» gestellt werden (hier eine Auwahl):

    • Abschnitt: Mit Abschnitten kannst du deine «Rally» strukturieren.
    • Information: Ein Info-Bildschirm kann Texte und Medien enthalten.
    • Quiz: Wer die richtige Antwort auf eine Frage findet, erhält Punkte. Als Antwortmöglichkeiten hat man die Auswahl zwischen Lösungseingabe (Wort oder Zahl), Multiple Choice, Zahl schätzen, Liste sortieren.
    • Aufgabe: Mit der Option «Aufgabe» können den Spielerinnen und Spielern kreative Aufgaben gestellt werden, bei denen es weder richtig noch falsch gibt. Als Antwortmöglichkeiten hat man die Auswahl zwischen Text schreiben, Bild / Ton oder Video hochladen oder keine Antwort.
    • Ort finden: Lasse die Spieler eine GPS-Koordinate aufsuchen.
    • QR-Code scannen: Wer den Code scannt, erhält Punkte oder kommt weiter.
    • Umfrage: Erstelle eine Umfrage unter den Spielern deiner «Rally».

Um einen Einblick in die App zu kriegen, hier der Trailer / Erklärvideo von der offiziellen Seite:

Warum «Actionbound»?

Mit der App «Actionbound» können auf relative einfache Art, jedoch trotzdem sehr zeitaufwändig, Schnitzeljagden erstellt werden. Die Ergebnisse sind schnell abrufbar und übersichtlich. Zudem kann die Schnitzeljagd von den Teilnehmenden bewertet werden. Was auch ein grosser Vorteil der App ist: die zu spielenden Bounds können zuvor heruntergeladen und anschliessend offline gespielt werden.

Mehr Infos über die App und über Einsatzmöglichkeiten der App findet man im Guide: https://de.actionbound.com/eduguide

Mit «Actionbound» das Schulhaus spielerisch erkunden (1. OS)

Im Zusammenhang mit der Einführungswoche an der sekeinshöfe (Tabletabgabe, Einführung in die App «Teams», etc..) bin ich auf die Idee gekommen, das Erkunden des Schulhauses ebenfalls auf digitale Weise bereitzustellen. Die Schülerinnen  und Schüler lernen bei diesem Bound nicht nur das Schulhaus (auf spielerische Art) kennen, sondern machen sich zudem schon einmal mit der Schulhausordnung vertraut. Auch sich mit andern Gruppen zu messen und möglichst viele Punkte zu sammeln machte den Jugendlichen Spass.

Durchführung

Die Schnitzeljagd wurde in Absprache mit den Sportlehrpersonen in einer Doppelstunde im Fach Sport durchgeführt. Da viel Bewegung im und ausserhalb des Schulhauses gefordert wird, finde ich dies passend, muss aber nicht zwingend sein.

Die Gruppen (ca. 4er Gruppen) waren dabei etwa eine Lektion unterwegs. Da die Gruppen jeweils gestaffelt starteten, war eine Doppelstunde notwendig.

Auswertung

Die Jugendlichen fanden es sehr «cool» und es machte ihnen Spass. Links eine Übersicht der Auswertung.

 

Einblick

Wie hat die Schnitzeljagd denn so ausgesehen? Scanne diesen Code mit der Actionbound-App und du erhältst Einblick in die Schulhaus-Erkundung.

 

 

 

Kooperative Lernformen: Etherpad und das schriftliche Argumentieren

Die schriftliche Argumentation ist für viele meiner Jugendlichen die Königsdisziplin des Deutschunterrichts. Es fällt ihnen schwer, ihre Gedanken strukturiert und überzeugend auf Papier zu bringen. Bei mündlichen Diskussionen hingegen sprudeln die Lernenden nur so von kreativen und (zugegebenermassen nur teilweise) sachlichen Argumenten. Besonders dann, wenn einer meiner Entscheide auf Unverständnis stösst…
Dennoch, hier ist Potential vorhanden!

Als Vorbereitung auf die summative Lernkontrolle der schriftlichen Argumentation habe ich mich dazu entschieden, den dialogischen Charakter der mündlichen Argumentation beizubehalten und in schriftlicher Form aufzugreifen. Das Resultat war interessant.

Zu Beginn der Lektion repetierten wir nochmals kurz den Aufbau eines dreigliedrigen Arguments. Wir starteten mit mündlichen Diskussionen zu aktuellen Themen aus der Erfahrungswelt der Jugendlichen. Anschliessend stellte ich den Lernenden das anonyme Rollenspiel auf Etherpad vor. Alle Jugendlichen schlüpften in die Rolle einer Person und mussten aus dieser Perspektive für ihren Standpunkt argumentieren. Während der Schreibphase herrschte dann absolutes Sprechverbot. Nur schriftlich durfte kommuniziert, diskutiert und argumentiert werden. Die Rollen wurden erst am Ende der Lektion aufgelöst und reflektiert.

Selten habe ich eine solch ruhige und konzentrierte Lektion erlebt. Vereinzeltes Kichern war das einzige, das ich während 20 Minuten zu hören kriegte. Die Lernenden tippten wie wild auf ihrer Tastatur herum und waren bestrebt, ihre Meinung zu äussern.

Insgesamt eine gelungene Lektion, aber Vorsicht:

  • Die Texte können auf Etherpad zeitlich synchron bearbeitet werden. Dies bedeutet auch, dass die Lernenden gegenseitig ihre Texte löschen und bearbeiten können.
    Gut zu wissen: Auch diesen Umstand kann man als Lehrperson thematisieren. Mit dem Timeslider können auch gelöschte Inhalte wieder sichtbar gemacht werden. Die Lehrperson hat jederzeit Zugriff auf alle Etherpads. Stichwort: Verantwortungsvoller Umgang im Netz – das Internet vergisst nie!
  • Die Gefahr besteht auch hier, dass schnell Abstand genommen wird von der strukturierten Argumentation. Es muss darauf geachtet werden, dass der Meinungsaustausch formal und sprachlich nicht zu stark in die Mündlichkeit abdriftet.
    Hier kann man die grundlegenden Unterschiede zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit zum Thema machen.
  • Bei Etherpad handelt es sich nicht um eine Textverarbeitungssoftware, sondern um einen webbasierten Texteditor zur kollaborativen Bearbeitung von Texten. Grammatik und Rechtschreibung stehen nicht im Fokus, sondern die inhaltliche Argumentation. Sprachformales rückt bei dieser Diskussionsform in den Hintergrund.

Viel Spass beim Ausprobieren mit der Klasse!