Einführung des Faches «Medien und Informatik» auf der Sekundarstufe I

Ein Zwischenbericht

Seit Anbeginn des Schuljahres wird im Kanton Schwyz auf der Oberstufe der Modullehrplan «Medien und Informatik» umgesetzt. Infolgedessen wird hier ein kurzer Überblick über bisherige Erkenntnisse zur Einführung des Faches «Medien und Informatik» auf der Sekundarstufe I gegeben. Der Erkenntnisbericht gibt die Erfahrungen unterschiedlicher Lehrpersonen des Bezirks wieder, die alle zurzeit das Fach auf der 1. Oberstufe unterrichten und die ich über Microsoft Forms zu ihren gemachten Erfahrungen befragt habe. Die folgenden Schilderungen sollen summarisch aufzeigen, wo wir als Schule zum heutigen Tage stehen. Es sind persönlich gefärbte Erfahrungen, die offen zur Diskussion stehen.

Vorwissen aus der Primarstufe

  • Das Vorwissen der Lernenden ist äusserst heterogen. Einzelne Lernende haben überhaupt keine Erfahrungen im Bereich Medien und Informatik gemacht, bei einem Grossteil beschränkt sich das Wissen auf Grundlagenkenntnisse.
  • Fundamentale Unterschiede zu vorhergehenden Jahrgängen sind (noch) keine festzustellen.
  • Insbesondere im Bereich «Medienbildung» ist jedoch zu beobachten, dass die Klassen bereits Vorwissen aus den unteren Jahrgangsstufen mitbringen (z.B. Netiquette, Gefahren Social Media, etc.).
  • Einzelne Schülerinnen und Schüler beherrschen das Tastaturschreiben bereits relativ gut. Anwendungskompetenzen im ECDL-Bereich sind insbesondere beim Umgang mit Microsoft PowerPoint erkennbar. Auch diese gilt es weiter zu schärfen.

Planung des Unterrichts

  • Die Jahresplanungen der sek eins hoefe und der PHSZ bieten gute Orientierungshilfen. Anpassungen müssen auf individueller Basis laufend gemacht werden.
  • Aufgrund von Absprachen zwischen Klassen- und Fachlehrpersonen wird von den Jahresplanungen abgewichen. Die Prioritäten in den einzelnen Klassen und Schulhäusern variieren stark.
  • Sukzessiv entsteht ein Fundus an Umsetzungsideen und konkreten Arbeitsmaterialien. Die Planung ist noch sehr zeitintensiv.

Anwendungskompetenzen

  • Eine fächerübergreifende Absprache zwischen den Lehrpersonen ist marginal vorhanden. Teilweise orientiert man sich hierbei an der Jahresplanung der sek eins hoefe, häufig werden spontane Wünsche im Lehrerzimmer oder auf bilateraler Ebene geäussert.
  • Es gibt grosse Unterschiede zwischen den Lehrpersonen bei der Integration von Technik in den Unterricht. Dies erschwert eine fächer- und stufenübergreifende Zusammenarbeit.
  • Es wird häufig auf eine konzeptionelle Einführung à la ECDL-Grundlagenkurse verzichtet. Anwendungen werden dann thematisiert und vertieft, wenn die Aufgaben es verlangen oder Schwierigkeiten auftauchen.
  • Die Lehrmittel bieten Anhaltspunkte für die Integration und Förderung von Anwendungskompetenzen aus dem M&I-Bereich.
  • Kooperative Lerntools (One Note, Microsoft Teams) vereinfachen die klassen- und oder fächerübergreifende Arbeit.

Unsicherheiten / Wünsche / Anregungen seitens der Lehrpersonen

  • Die Zusammenarbeit in Jahrgangsteams und Fachschaften wird geschätzt und ist zentral. Erfahrungen und vorhandene/erstellte Materialien werden ausgetauscht.
  • Der Wunsch nach einem Lehrmittel, welches die Basics klar, systematisch und verständlich vermittelt, wird deutlich.

Unterrichtsmaterialien

Viele Materialien werden selbst erstellt, zusammengesucht und/oder adaptiert. Die Praxisbeispiele aus der Weiterbildung der PHSZ erweisen sich als nützliche Orientierungshilfen und sind gut umsetzbar. Die Lernenden sprechen darauf an.

Die folgende Liste gibt eine kurze Übersicht über ausgewählte, bereits verwendete und von den Lehrpersonen als „empfehlenswert“ erachtete Unterrichtsmaterialien. Viele davon sind auch auf den beiden erwähnten Jahresplanungen verlinkt und an konkrete Themengebiete gekoppelt.

MaKeyMaKey Projektideen, Ozobot Projektideen, Informatik ohne Strom, Scratch Gruppenpuzzle & Projektideen, diverse Links aus der Jahresplanung der PHSZ

Informatik spielerisch lernen, Scratch, i-factory, MaKeyMakey

Das entsprechende Lehrmittel für die Oberstufe erscheint voraussichtlich im Frühjahr 2020.

Diverse Themenbereiche, Umsetzungsideen und Unterrichtsmaterialien

Suchfunktion 3. Zyklus, diverse Themenbereiche, Umsetzungsideen und Unterrichtsmaterialien

Medienbildung: Cybermobbing, Cybergrooming, Gamen, Online-Glücksspiele, Sexting, Social Media, Smartphones

Medienbildung: Datenschutz, Big Data, Profiling, mobiles Internet, Internet der Dinge, soziale Netzwerke, Recht am eigenen Bild, Passwortschutz und PC Sicherheit, Cybertreffen, Cybermobbing, Sexting, Gaming, Lehrer und Datenschutz

  • Easy4me (Anwendungskompetenzen, eher konzeptionelle Einführungen, ECDL)

Computergrundlagen, Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Datenbanken, Präsentationen, Online-Grundlagen, IT-Security, Bildbearbeitung, Online-Zusammenarbeit

  • Materialien und Links der Pädagogischen Hochschulen

PHLU, PH FHNW, PHSG

Pixilation «neighbours»

Pixilation «neighbours» Klasse S2a 2017/18

von Barbara Ramer (LP bildnerisches Gestalten)
Bezogen auf den Ausstellungsbesuch «Hallo, Nachbar» im Vögele Kulturzentrum beschäftigten sich die Lernenden im Bildnerischen Gestalten in verschiedenen Darstellungsmöglichkeiten mit der persönlichen Nachbarschaft. Die Urpixilation in der Ausstellung – «Neighbours» von Norman McLaren (Pionier u. Oscar im Animationsfilm 1953 – UNESCO Weltdokumentenerbe) – regte zur Storyboardentwicklung eigener Nachbarschaftsgeschichten an.

Stopmotion wird in Einzelbildern zBsp mit einer digitalen Fotokamera produziert. Für die Einzelbildaufnahmen wurden die Filmgebenden wichtigen Einstellungsgrössen (Totale Halbtotale Amerikanisch Brustbild Nah Detail) thematisiert und wichtiges hinsichtlich Licht, Schärfe und Distanz in der digitalen Fotografie gelernt.

Produziert wurde zuerst ein Sachtrick (Animation mit Gegenständen) um das Programm «Stopmotion ProEclipse» kennenzulernen. Dazu gehörte verdoppeln/schneiden von Bildern, verlängern, kürzen, umkehren von Sequenzen um eine interessante Rhythmisierung zu erreichen. Mit Hilfe dieser Kenntnis erarbeiteten die Lernenden die eigentliche Pixilation (verrückte Animation mit Personen) in Einzelbildaufnahmen zum Thema. Als Videodatei ausgegeben und ins Filmprogramm «Adobe Premiere Elements» importiert, wurde von den Lernenden die Animation in der Audio- und zweiter Videospur überarbeitet und mit Vor-, Abspann als eigenständigen Film ausgegeben.

„Meeting Neighbours“

 

„Nachbarstreit“

 

„Scary Bags“

Vom Bauernhof ins digitale Klassenzimmer

   

Vom 17. bis 20. September fanden an unserer Schule die diesjährigen Thementage statt. Gemäss unserem Jahresmotto «Leut(s)chen lebt» konnten sich die Schülerinnen und Schüler für unterschiedliche Projekte und Workshops einschreiben und von einem vielfältigen Angebot profitieren. Die klassen- und jahrgangsübergreifenden Gruppen tauchten für zweieinhalb Tage in eine für sie noch unbekannte Welt ein.

Unser Projekt «Leut(s)chen lebt – Wie lebt es sich auf dem Bauernhof?» schlug die Brücke zwischen Tradition und Moderne. Der Lamahof Sattel eignete sich bestens dazu, die Kluft zwischen Vorurteilen und Realität zu überwinden. Er zeigt ein modernes, alternatives Bild eines Bauernhofes und setzt optimale Voraussetzungen für nachhaltiges Lernen im Einklang mit der Natur. Von der Pflege und Betreuung der Lamas, über das Schleppen von Steinen und Geröll aus dem Bergsturzgebiet oder die Besichtigung eines einheimischen Krebsweihers, bis hin zum wohlverdienten Abendessen über dem Lagerfeuer und der Übernachtung im Tipizelt – die zwei Tage bestätigten einzelne Erwartungen beziehungsweise differenzierten diese oder räumten mit Vorurteilen gegenüber dem «klassischen Bauernhof» auf.

Auch bei der Konzeption der Thementage wollten wir den Bogen zwischen traditioneller Arbeit und moderner, digitaler Auswertung spannen. Während den beiden Tagen auf dem Hof erhielten die Lernenden den Auftrag, als Reporterinnen und Reporter Informationen über ein selbst gewähltes Thema zu sammeln und Fotos zu knipsen, Videos zu drehen, Interviews zu führen und Erlebnisberichte zu verfassen. Die Auswertung geschah anschliessend am Mittwochmorgen im Klassenzimmer.

Die Schülerinnen und Schüler erstellten mit Hilfe von Wix ihre eigenen Medienprodukte, indem sie ihre Erfahrungen auswerteten, strukturierten und digital auf der Webseite publizierten. Während ungefähr drei Lektionen alternierten intensive Schreibphasen mit Kurzsequenzen zur technischen Handhabung und medialen Präsentationsform. Inspiriert wurden wir unteranderem auch durch das von Bruno geleitete Projekt «Schulevents mit einem Weblog begleiten». Diesbezüglich teilen wir die im Blogbeitrag geschilderten Erfahrungen und Erkenntnisse im Hinblick auf den Gestaltungsprozess und blicken auf spannende Tage im realen und digitalen Lebensraum zurück.

Als besonders nützlich erwies sich in diesem Zusammenhang Microsoft Teams, das an unserer Schule flächendeckend eingeführt wurde. Der Upload von Fotos und Videos gestaltete sich unkompliziert, da sich die Lernenden die auf dem Smartphone gemachten Fotos und Videos in kleinen Chatgruppen oder über den Privatchat senden konnten und die Dateien so durch den cloudbasierten Charakter der Software auch gleich, ohne Qualitätsverlust durch Komprimierung, auf dem Tablet zur Verfügung standen. Auch die Microsoft One Drive-App könnte hier verwendet werden, um die datenintensiven Bilder und Videos direkt vom Smartphone mit dem Tablet zu verlinken. Ein detaillierter Artikel über die Einführung und Verwendung von Microsoft Teams folgt in absehbarer Zeit.

 

Den erstellten Weblog findet man unter: https://leutschen.wixsite.com/lamahof 

 

Drehbücher schreiben mit OneNote und Microsoft Word Online

Freitagmorgen, 14.09.2018, 08.12 Uhr

Ich sitze hinter meinem Schreibtisch und beobachte meine Klasse bei der Arbeit. In Kleingruppen schlüpfen meine Schülerinnen und Schüler in die Rolle eines Regisseurs. Sie müssen, angelehnt an das Kapitel «William Shakespeare» aus dem Lehrmittel Sprachstarken 9, ein Drehbuch zu einem selbstgewählten Leitmotiv verfassen. In einem weiteren Schritt ist dann die filmische Umsetzung des eigenen Drehbuchs geplant.

Die letzten Arbeiten stehen an, der Feinschliff. Der Text ist grösstenteils geschrieben. Über OneNote und Microsoft Word Online arbeiten die Jugendlichen gleichzeitig am Text. Alle sind aktiv an der Arbeit beteiligt. Die Jugendlichen spezialisieren sich auf ausgewählte Bereiche. Ein Junge arbeitet gemäss Vorgaben zur Textformatierung und Beispiel Drehbuch an der Textformatierung, ein Mädchen spezialisiert sich auf die Grammatik und Rechtschreibung, Online-Korrekturprogramme unterstützen sie bei ihrer Arbeit, und der leitende Regisseur gleicht den Text mit dem ausgehändigten Bewertungsraster ab. Gelegentlich versammeln sie sich vor einem Bildschirm und besprechen Schwierigkeiten und das weitere Vorgehen. Hie und da entstehen kurze, hitzige Diskussion, bevor man sich wieder individuell der Arbeit widmet. Ein Schüler meint, dass die gemeinsame Absprache und Aufgabenteilung zentral sind, sonst funktioniert das Ganze nicht. Zwei Minuten später höre ich nichts mehr, alle sind wieder in ihren Aufgabenbereichen vertieft.

Technische Probleme beeinflussen hie und da die Arbeit. Die Textformatierung, insbesondere die Arbeit mit Tabulatoren, funktioniert nur dann, wenn die Schülerinnen und Schüler eine Kopie des online-Dokuments herunterladen und offline bearbeiten. Auch Verzögerungen bei Ausformulierungen und bei der Textgestaltung treten auf. Genervte «Ahh..»’s wechseln sich ab mit konstruktiven Diskussionen rund um das Drehbuch. Ich selbst habe mich zurückgezogen, agiere als interessierter Beobachter und biete Hilfestellungen, wo ich kann und wo sie benötigt werden. Word-Grundlagenkenntnisse werden angewendet, da es integraler Bestandteil der Aufgabe ist. Häufig wird auch ausprobiert (trial & error) und gelegentlich wird meine Hilfe benötigt. Eine Schülerin schaut gerade ein Kurzvideo zur Arbeit mit Tabulatoren. Ich habe sie nicht darauf aufmerksam gemacht. Zuvor fragte sie kurz, ob das in Ordnung gehe. Natürlich geht das in Ordnung!

Ich selbst habe das Gefühl, dass alle Jugendlichen aktiv Texte «schaffen» und sich intensiv mit der Sprache und der formalen Textgestaltung auseinandersetzen. Der Anteil echter Lernzeit ist hoch und die Kooperation funktioniert, da diese digitale und kooperative Arbeitsform bereits häufiger aufgegriffen und thematisiert wurde. Irgendwie gefällt mir die Lektion, auch wenn ich selbst sehr gerne aktiv vor der Klasse stehe. Ich erlebe wieder einmal, wie bei diesem Beispiel die digitalen Möglichkeiten einen klaren Mehrwert generieren.

Auch die Drehbücher lassen sich sehen. Sie sind zumeist einheitlich gestaltet und sprachlich intensiv überarbeitet. Auch sehe ich als Lehrperson relativ deutlich, wo trotz sprachlicher Überarbeitung und Textformatierung nach wie vor Schwierigkeiten vorhanden sind und wo nicht nur die Lernenden, sondern auch Korrekturprogramme an ihre Grenzen stossen.

Das Projekt hinterlässt im Grossen und Ganzen einen stimmigen Gesamteindruck bei mir. Ein Beispieldrehbuch aus der 3. Realstufe und ein weiteres aus der 3. Sekundarstufe offerieren konkrete Einblick in die Arbeit und das Endprodukt.

Jahresplan 18/19 «Medien und Informatik» der Schule Leutschen

Planungshilfe MI Leutschen 1819Das neue Fach M+I bringt umfassende Neuerungen ins das bisherige Fach Informatik. Viele der bisherigen Inhalte – insbesondere die Anwendungskompetenzen der «Büroprogramme» – verteilen sich verbindlich auf verschiedene Fächer. Dafür werden eigentliche Informatik- (Grundlagenwissen, Programmieren…) und Medienthemen (Medienbeiträge verstehen, produzieren…) im Fach M+I angegangen. Die 1:1 Ausstattung für unsere Schülerinnen und Schüler mit Tablets resp. Convertibles, welche wir seit 2015 sukzessive eingeführt haben, bietet uns gute Möglichkeiten. Für den M+I-Unterricht steht uns zusätzlich ein Informatikzimmer zur Verfügung.

Um die verschiedenen Kompetenzen gezielt anzugehen, haben wir für unsere Schule Leutschen einen Jahresplan für das Fach M+I erstellt. Mitgeplant haben wir in dieser Planungshilfe auch die Anwendungskompetenzen. Für die Umsetzung des M+I Lehrplans fehlen noch eigentliche M+I Lehrmittel, welche die Planung in weiteren Jahren unterstützen könnten. Nebst entsprechenden Lehrmitteln, denken wir, dass aktuelle, dynamische Online-Unterrichtsressourcen auch in Zukunft wichtig bleiben werden. Weiter abgestützt haben wir uns bei der Planung auch auf die kantonale M+I Weiterbildung der PHSZ und den anregenden Austausch mit der PHSZ im Rahmen unserer Kooperation.

Wir stellen uns vor, dass wir Erfahrungen sammeln, wie wir mit unserer Planungshilfe an unserer Schule arbeiten können und entsprechende Anpassungen vornehmen. Nebst Angaben zu allgemeinen Unterrichtsressourcen beabsichtigen wir gezielte Materialhinweise zu einzelnen Themen sukzessive zu ergänzen. Gerne nehmen wir hier auch Anregungen von aussen entgegen oder können dies im Blog diskutieren.

Wir freuen uns, wenn unsere Planungshilfe auch anderen Schule dienen kann und sind natürlich an Austausch sehr interessiert.

Projektteam Schule Leutschen

 

Jahresplanung zum Download
Planungshilfe M+I Leutschen 1819

Planungshilfe M+I der PHSZ

Klassenlager ahoi – Klassenzeitung ade!

Projekt «Video-Blog»: Unser Lager am Rheinfall

Unser Klassenlager steht vor der Tür und damit auch die Frage, wie wir die gemeinsame Zeit in Neuhausen am Rheinfall nachhaltig in Erinnerung behalten können. Wir haben uns im Klassenrat gemeinsam dazu entschieden, anstatt der traditionellen Lagerzeitung «Vlog-Beiträge» zu erstellen.

Was ist ein «Vlog?»

Die Abkürzung «Vlog» steht für das Format eines Video-Blogs, also eine Reihe von periodisch erscheinenden Videobeiträgen aus der Ich-Perspektive zu unterschiedlichen Themen. Für unser Lager haben wir uns gegen eine periodische Veröffentlichung von Einzelerlebnissen und für eine episodische Zusammenfassung gemeinsamer Erlebnisse entschieden. Pro Lagertag erhält jeweils eine Gruppe den Auftrag, wichtige/schöne/prägende Ereignisse des Erlebten festzuhalten. Anschliessend werden die einzelnen Videos von der jeweiligen Gruppe zu einem Gesamtvideo in der Länge von 3-5 Minuten zusammengeschnitten. Als Endprodukt entsteht ein Lagerfilm, der einen Eindruck in die gemeinsamen Erlebnisse ermöglicht.

Weshalb «vloggen» wir?

Traditionsgemäss werden bei uns die gemeinsamen Erlebnisse aus dem Klassenlager verarbeitet, festgehalten und reflektiert. Bis anhin übernahm diese Rolle die klassische «Lagerzeitung» – eine schriftliche Zusammenfassung der gemachten Erfahrungen. Eine zeitgemässe und äusserst motivierende Alternative stellt dabei das Erstellen eines Vlogs dar.

Parallel und anwendungsorientiert greifen wir im Unterricht das Thema «Datenschutz und Recht am eigenen Bild» auf. In der Zeit von Social Media und Co. ist es wichtig, dass Jugendliche beim Umgang mit dem Erstellen, Bearbeiten und Verbreiten von persönlichen Daten sensibilisiert werden. Auch die sozialen und rechtlichen Aspekte werden thematisiert.

Zusätzlich ist das erstellte Video auch eine optimale Möglichkeit, dass Eltern und Bekannte konkrete Einblicke in den Schulalltag und ins Lagerleben erhalten können.

Vorgehen

Im Klassenrat einigten wir uns auf die formalen Vorgaben und definierten einstimmig die Regeln für das Erstellen der Videos. Die Eltern wurden über das Projekt schriftlich informiert und mussten aus Datenschutzgründen ihr Einverständnis für das «Vlog-Projekt» geben.

Die Schüler/innen werden nun während einem Tag die Ereignisse des Lagergeschehens dokumentieren und, falls gewünscht, später bearbeiten. Da wir im Unterricht bereits oft mit selbsterstellten Videos gearbeitet haben, brauchte es meinerseits keine zusätzliche Einführung zum Erstellen, Schneiden und Bearbeiten von Videos (vgl. z.B. «Videoprojekte im Fremdsprachenunterricht»). Die fünf erstellten Videos werden schliesslich von mir mit Hilfe von «Windows Live Movie Maker» zusammengeschnitten und zu einem Gesamtbeitrag zusammengefügt. An einer gemeinsamen «Abschlusszeremonie» wird das Endprodukt schliesslich eingeweiht und den Lernenden präsentiert. Die Schüler/innen erhalten anschliessend die Möglichkeit, das Video per USB-Stick als kleine Erinnerung mit nach Hause zu nehmen und der Familie zu zeigen.

Hier noch ein paar Infos zu den im Klassenrat definierten Vorgaben und Regeln:

Formale Vorgabe

  • Die Gesamtlänge des Videobeitrags beträgt 3-5 Minuten. Längere oder kürzere Videos werden nicht akzeptiert.
  • Die Videos dürfen geschnitten und mit zusätzlichen Effekten (z.B. Musik, Übergänge, etc.) bearbeitet werden.
  • Die Videos werden jeweils mit dem Smartphone einer Person erstellt.
  • Alle Videos müssen im Querformat gefilmt werden.
  • Das vollendete Video wird bis am 29. Juni 2018 der Lehrperson zur Verfügung gestellt. (Keine WhatsApp-Nachrichten, da das Video so komprimiert wird. Alternative: USB-Stick, Clouds, etc.)

Regeln zum Erstellen des Videos

  • Es wird niemand gefilmt, der nicht gefilmt werden möchte.
  • Niemand wird in peinlichen oder für die Person unangenehmen Situationen gefilmt.
  • Jede gefilmte Person hat den Anspruch, die gemachten Videoaufnahmen der Gruppen anzuschauen und bei Bedarf zu löschen (Absprache Lehrperson).
  • Das Filmen in den Zimmern, WC’s und ähnlichen Orten der intimen Privatsphäre ist untersagt.
  • Das Filmen in der öffentlichen Badeanstalt ist untersagt.
  • Ausschliesslich wichtige, gemeinsame und einprägsame Ereignisse werden gefilmt.

Beim Verstoss gegen oder bei einer Nichteinhaltung der oben aufgeführten Regeln werden disziplinarische und/oder rechtliche Massnahmen geltend gemacht.

Apprentissage numérique

Digitaler Fremdsprachenunterricht mit Lernplattformen

Während den vergangenen acht Wochen bin ich mit meiner Klasse im Französischunterricht intensiv in die Welt des digitalen Lernens mit Hilfe von unterschiedlichen Lernplattformen eingetaucht. Nach einer ersten Arbeitsphase ist es nun an der Zeit, ein Zwischenfazit zu ziehen.

Welche Lernplattformen gibt es für den Französischunterricht/Fremdsprachenunterricht?

Es ist nicht ganz einfach, eine Vielzahl von unterschiedlichen und qualitativ ansprechenden Lernplattformen oder Übungssoftwares für den Französischunterricht aufzuzählen. Neben den Lernplattformen, die sich bereits seit geraumer Zeit im Umlauf befinden und Einzug in den Schulalltag gefunden haben wie beispielsweise «Schularena», «Quizlet» oder «On s’entraine» habe ich auch kostenpflichtige Produkte von privaten Unternehmen getestet. Auf Anfrage gebe ich gerne Auskunft über die dabei gemachten Erfahrungen mit den getesteten Plattformen.

Qualitativ gute gratis e-Learning-Plattformen sind aus nachvollziehbaren Gründen nicht ganz einfach zu finden. Ich persönlich arbeite noch gerne mit «Bonjour-de-France». Mittlerweise gibt es eine Reihe von kostenpflichtigen Angeboten, die teils adaptiv und ansprechend/motivierend gestaltet sind. Eine gute Übersicht dazu gibt die Seite «Online-Sprachen-Lernen».

Wie sind solche Lernplattformen aufgebaut?

Neben den wenigen digitalen Lernplattformen, die auf den vorhandenen Lehrmitteln basieren, orientieren sich die meisten Lernplattformen am Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GeRS). In unterschiedlich gegliederten Unterrichtseinheiten werden meist grammatikalische und teils kommunikative Sprachkompetenzen erworben und gefördert. Die Lernenden können selbstständig nach ihren Interessen und nach ihrem eigenen Rhythmus an den Inhalten arbeiten. Häufig wird dabei zuerst die Theorie präsentiert, bevor Vertiefungs- und Überprüfungsaufgaben gelöst werden können (deduktive Herangehensweise). Die Lehrperson begleitet und unterstützt dabei die Schülerinnen und Schüler im Lernprozess. Bei vielen Lernplattformen gibt es erweiterte Nutzungsrechte für Lehrpersonen, um den Lernprozess der Schüler/innen im Überblick zu behalten.

Einige Vorteile von digitalen Lernplattformen

  • Anregende, motivierende Ergänzung zu den vorhandenen Lehrmitteln
  • Teils ansprechend animierte Videos inklusive Transkribt
  • Förderung der Selbstständigkeit und Selbstorganisation der Lernenden
  • Klare Struktur – häufig benutzerfreundliches und intuitives Layout
  • Transparente Lernzielorientierung (sehr unterschiedlich)
  • Direktes Feedback durch digitale Auswertung (ressourcenorientiertes Arbeiten)
  • Möglichkeiten zur Differenzierung nach Niveau, Interesse, Lerntyp, etc.
  • Wenig Papier
  • Smartphone-kompatible Websites (immer mehr im Umlauf)
  • Je nach Plattform teils erweiterte Nutzungsrechte für Lehrpersonen (Codes für Tests, Übersicht Leistungen und Aktivität der Lernenden, Transkribte, etc.)

Kritische Punkte

  • Als Lehrperson ist es schwierig, beim individualisierten Arbeiten den Überblick zu behalten. Hier bietet sich die Arbeit mit Lernjournalen und Erkenntnisberichten an.
  • Sprechsituationen und Sprechübungen müssen häufig ergänzt werden (der kommunikative Aspekt kommt eher zu kurz)
  • Binäres Auswertungssystem: Es gibt nur «richtig» oder «falsch», es gibt keine halben Punkte (z.B. «accent aigu» vergessen/Einzahl-Plural).
  • Die Lernenden müssen meist ihr eigenes Sprachniveau gut kennen, um gezielt niveaugerechte Aufgaben lösen zu können. Einzelne Lernenden werden hier überfordert sein (hier ist die Unterstützung durch die Lehrperson zentral).
  • Datenintensive Videos: Bei einer schlechten Internetverbindung laden einzelne Dateien nicht oder nur sehr langsam. (schulinterne Unterschiede)
  • Sprachenlernen ist hier teilweise Selbstzweck, was durchaus auch seine Berechtigung aufweist und keinesfalls nur negativ gewertet werden soll. Neueren Entwicklungen der Fremdsprachendidaktik wie dem Communicative Language Approach oder dem Task-Based-Learning (Apprentissage par tâches, acteurs sociaux) wird dabei allerdings wenig Rechnung getragen.
  • Viele Lernplattformen und gratis Übungssoftwares weisen keinen adaptiven Charakter auf (Anpassung an den aktuellen Sprachstand der Lernenden). Es bleibt abzuwarten, ob alternative Angebote wie «Lernpass» ähnliche und/oder erweiterte Möglichkeiten in Bezug auf digitales Lernen bieten.

Digitale Lernplattformen und Übungssoftwares – eine Alternative zum Lehrmittel?

Ja, meines Erachtens kann man sie als Alternative zu den aktuellen physischen Lehrmitteln betrachtet. Hier gilt es zu berücksichtigen, dass sich viele Programme primär am GeRS orientieren. Weiterführende Schulen orientieren sich indes noch stark an den kantonal empfohlenen und/oder teils vorgeschriebenen Lehrmitteln. Die Lernplattformen können somit gut als Ergänzung zu den bestehenden Lehrmitteln eingesetzt werden. Ausserdem bieten sie Möglichkeiten für förderorientierte und individualisierte Unterrichtsgefässe, welche nach dem Prinzip des selbstorganisierten Lernens (SOL) aufgebaut sind.

Meine Klasse hat grundsätzlich ein sehr positives Fazit zur Arbeit mit den digitalen Lernplattformen gezogen.

Exemplarische Aussagen einzelner Schülerinnen und Schüler

  • «Ein grosser Unterschied war, dass wir kaum Zeug brauchten. Sonst war es sehr mühsam mit den Büchern.»
  • «Die spielerischen Aufgaben waren cool. Die Theorie sollte noch auf Deutsch übersetzt werden.»
  • «Ich kann in meinem eigenen Tempo arbeiten.»
  • «Es macht viel mehr Spass am Tablet zu arbeiten, weil man selbstständiger sein muss.»
  • „Die Theorieaufgaben machen mir besonders viel Spass.»
  • «Ein Nachteil ist, dass es einen ganzen Punkt Abzug gibt, wenn man einen Fehler hat.»
  • «Es macht Spass. Man lernt nur elektronisch und nicht mit dem Buch/Heft.»
  • «Es hat ein bisschen viel Text und (fast) keine Videos.»
  • «Ich würde gerne weiterhin so arbeiten, weil meine Motivation mehr da ist und ich sehe meine Fortschritte an den Punkten.»
  • «Wenn ich etwas ändern könnte, würde ich mehr spielerische Aufgaben erstellen.»
  • «Ich bevorzuge Envol, weil es mehr mit der Klasse ist.»

Texte schaffen am Computer – Ein notwendiges Übel der Zeit?

Kürzlich war ich auf Besuch bei einem guten Freund, der zwar kein Lehrer ist, allerdings Germanistik studiert. Wir diskutierten, ja stritten uns darüber, ob das Schreiben von Aufsätzen am Computer «zum Zerfall der deutschen Sprache» (Zitat Kollege) beiträgt. Die Aussage war wohl nicht ganz ernst gemeint und in vielen Punkten waren wir einer Meinung, doch irgendwie hat mich die ganze Diskussion nicht losgelassen und auch später noch beschäftigt.

Ich selbst schreibe vieles von Hand. Im Studium haben wir gelernt, dass das handschriftliche Anfertigen von Notizen zu einer grösseren Verarbeitungstiefe führt. Dabei besteht ein direkter Zusammenhang zwischen dem Umformulieren und Restrukturieren von fremden Ideen und der bewussten inhaltlichen Verarbeitung beim Schreibprozess. Klingt ja durchaus einleuchtend, macht Sinn…und schliesslich bin ich ja auch so aufgewachsen: In der Schule hatten wir keine Tablets oder ein schickes Smartboard; der Stift war unser einziger Feind (ähh Freund). Gerne geschrieben habe ich nämlich nie, das hat sich heute geändert.

Deutschlehrpersonen können ein Lied von der teils mühseligen Korrektur von Texten nach formalen Kriterien singen. Von vielen Seiten höre ich aus meinem Berufsfeld und aus meinem Bekanntenkreis, „dass die heutige Jugend keinen anständigen Satz mehr schreiben kann. Die Jugendlichen kleben ja nur noch an ihren Bildschirmen, ein gutes Buch dient selten dem Zeitvertreib.“  Nun gut, als Deutschlehrer muss ich ja irgendwie Stellung beziehen… Die Behauptungen mögen zum Teil ja berechtigt sein, dennoch haben sie viele Ursachen und stehen meines Erachtens in keinem direkten Zusammenhang zur Digitalisierung.

Als Reallehrperson stelle ich fest, dass ein Grossteil meiner Klasse Probleme mit der Grammatik und Rechtschreibung hat. Die Korrektur und Überarbeitung von Texten gestaltet sich schwierig, das Blatt wird in rote Farbe getunkt und die Frustration steigt – auf beiden Seiten. Irgendwie kommt mir das bekannt vor aus meiner Schulzeit…

Spätestens seit der Einführung des LP21 steht nun fest, dass auch im Deutschunterricht Anwendungskompetenzen aus dem Bereich „Medien und Informatik“ gefördert werden sollen. Dazu gehört auch die Arbeit mit Textverarbeitungsprogrammen. Dies führt bei einigen meiner Kolleginnen und Kollegen zu Unmut: Im Deutschunterricht steht nun noch weniger Zeit zur eigentlichen Arbeit an der Sprache zur Verfügung! Ganz nüchtern betrachtet durchaus korrekt, doch meines Erachtens kann die Zeit auch intensiver genutzt werden.

Bei einem Grossteil meiner Aufsätze machen sich meine Schülerinnen und Schüler die Korrekturfunktion von Word zu Nutze. Die handlungsorientierte Einführung braucht Zeit, lohnt sich jedoch. Des Weiteren habe ich mit ihnen verschiedene online-Rechtschreibhilfen angeschaut und thematisiert, wie beispielsweise «LanguageTool» oder die online Rechtschreibprüfung von Duden. Die Schülerinnen und Schüler werden dadurch auf ihre sprachlichen Schwierigkeiten  aufmerksam gemacht und sensibilisiert, ausserdem erhalten sie umgehend Vorschläge, Alternativen und Theorieerklärungen zu den gemachten Fehlern. Seither gibt es weniger schnippende Finger im Raum, die Schüler/innen können sich selber helfen.

Hinzu kommt, dass ich als Lehrperson Texte auf Word schneller überarbeiten und differenziertere Hilfestellungen anbieten kann. Die Korrekturfunktion von Word ermöglicht es mir, einzelne Textausschnitte hervorzuheben und mit kurzen Kommentaren zu versehen (vgl. Beispiel Schüleraufsatz). Der ursprüngliche Text bleibt bestehen und die Lernenden erhalten die Möglichkeit, den Text unter Berücksichtigung meiner Hilfestellungen und Anregungen zu überarbeiten.

Des Weiteren ist bekannt, dass der Schreibprozess keineswegs linear ist. Textabschnitte werden gestrichen, verändert oder hinzugefügt. An der Sprache wird «gearbeitet», ein Text wird «geschaffen». Bei einem von Hand geschriebenen Text (lineare Ausführung, nicht-linearer Prozess) führt das a.) wie bei mir zu einem visuellen Chaos, b.) zu einer Schreibblockade oder c.) zu Schreibhemmungen, die wiederum dazu führen, dass der Text, trotz vielleicht prickelnder Ideen, so belassen wird, wie er eben gerade niedergeschrieben wurde. Viele meiner Schülerinnen und Schüler teilen mir mit, dass sie lieber am Computer schreiben, da es für sie so leichter ist, Ideen auszuformulieren und Texte zu bearbeiten.

Kann man also die Provokation meines Kumpels umdrehen und behaupten, dass der Computer die deutsche Sprache rettet? Naja, nicht wirklich… Fehler wiederholen sich weiterhin, sodass mir die Haare zu Berge stehen, die Ideenfindungsphase gestaltet sich nach wie vor schwierig, Grammatik- und Rechtschreibfehler liegen trotz Korrekturprogrammen und Rechtschreibhilfen an der Tagesordnung.

Fazit: Texte schaffen ist und bleibt harte Arbeit; ist anspruchsvoll, mühsam, zeitweilen kreativ und erfüllend, häufig aber auch frustrierend. Das Medium ändert, die Schwierigkeiten bleiben bestehen, aber neue Möglichkeiten zeigen sich.

Vor zwei Wochen musste ich einer Schülerin ihr Bewerbungsschreiben für die Schnupperlehre ausdrucken. Einzelne Fehler gab es zwar noch, dennoch war das Schreiben sowohl inhaltlich als auch sprachlich ansprechend verfasst. Als ich sie darauf ansprach, hat mich ihre Antwort gefreut: «Deutsch ist eigentlich nicht so mein Ding. Leider können mir meine Eltern nicht helfen, deshalb bin ich froh, dass mir wenigstens mein Tablet ein bisschen hilft.»

Die Schnupperlehre hat sie schliesslich gekriegt.

Transmedia Storytelling – Medienorientierter Literaturunterricht

Im Rahmen meiner Masterarbeit setzte ich mich mit dem aufkommenden Phänomen des transmedialen Erzählens auseinander und gestaltete dazu eine Projektwoche auf der Sekundarstufe I/II. Das Konzept bietet zahlreiche Möglichkeiten in den Bereichen Medienbildung, Spracherwerb und überfachlicher Kompetenzerwerb.

Was ist Transmedia Storytelling?

Bei Transmedia Storytelling entfaltet sich eine Geschichte über mehrere Medienkanäle, wobei jedes Medium eine in sich abgeschlossene Welt darstellt. Bezogen auf den Unterricht bedeutet das, dass Schülerinnen und Schüler vom passiven Konsum einer Erzählung zur aktiven Partizipation und Mitgestaltung angeregt werden. Durch Social Media können Lernende beispielsweise Hintergrundinformationen über einzelne Protagonisten in Erfahrung bringen oder sogar aktiv und interaktiv mit den Hauptfiguren einer Erzählung in Verbindung treten.

Wie kann ich mir eine solche Geschichte vorstellen?

Die Möglichkeiten sind vielfältig. In meiner Geschichte lernten die Jugendlichen die Protagonistin Jenny Smith über ihre Blog-Beiträge und über ihr Twitter-Profil kennen. Ausserdem liess sie der Klasse im Voraus Briefe zukommen und kündigte ihren Besuch im Rahmen eines Austauschprojekts per Video-Botschaft an. Anschliessend nahmen sie mit der fiktiven Person Kontakt auf, indem sie eine Skype-Unterhaltung mit ihr führten. Eine Studienkollegin von mir übernahm Jennys Rolle. Am nächsten Tag verschwand Jenny, ohne eine Nachricht zu hinterlassen. Ihre Mutter nahm per E-Mail Kontakt mit der Schule auf, mit der Bitte, Jenny so schnell wie möglich zu finden. Die Schülerinnen und Schüler begaben sich anschliessend auf eine literarische Schnitzeljagd, auf welcher sie über Social-Media, durch Skype-Unterhaltungen, Briefe, E-Mails und reale Gegenstände weitere Hinweise über Jennys Aufenthaltsort herausfanden (Temporal Dimension). Durch den synchronen und asynchronen Informationsaustausch mit weiteren Protagonisten verschwammen die Grenzen zwischen Fiktion und Realität um besonders tiefe und eindrückliche literarische Erfahrungen zu sammeln (Storyworld).

Was sind die Vorteile von Transmedia Storytelling?

Transmedia Storytelling basiert auf den Grundsätzen des sozial-konstruktivistischen und konnektivistischen Lernens. Sprachenlernen wird zum kommunikativen Prozess.

  • Die Lernenden werden als Digital Natives in ihrer unmittelbaren Lebenswelt angesprochen.
  • Die Sprache ist das notwendige Mittel zur Kontaktaufnahme mit Protagonisten. Produktive und rezeptive Sprachkompetenzen werden simultan gefördert.
  • Kompetenzorientierter Spracherwerb
  • Metakognitive Prozesse spielen eine entscheidende Rolle und werden vielseitig gefördert.
  • Soziales und kollaboratives Lernen sind notwendig (Überfachliche Kompetenzen). Die durch die unterschiedlichen medialen Zugänge erschaffenen Teilwelten sind zu gross, um von einer einzigen Person verstanden zu werden. Kollektive Intelligenz ist zentral.
  • Digitale Partizipation und ein reflektierter und anwendungsorientierter Umgang mit unterschiedlichen digitalen und analogen Medienkanälen (Briefe, Twitter, Facebook, Videos, Skype, E-Mails, reale Gegenstände, Karten, Zeitungsberichte, Flyer, etc.) sind von entscheidender Bedeutung.

Der TED-Talk von Elaine Raybourn gewährt weitere spannende Eindrücke in die Arbeit mit transmedialen Geschichten im Unterricht.

Gibt es Nachteile?

Das Erschaffen einer transmedialen Geschichte ist enorm zeitaufwändig. Die digitalen Spuren beziehungsweise die digitalen Identitäten der fiktiven Protagonisten müssen allesamt erstellt und generiert werden. Im Rahmen einer Masterarbeit ist dieser Aufwand möglich, im Schulalltag nicht. Anwendbare und zur Anpassung freigegebene Formate müssten den Lehrpersonen zum unkomplizierten und ressourcenorientierten Einsatz zur Verfügung gestellt werden. Dennoch eignet es sich, Elemente des Transmedialen Erzählens auch in den täglichen Sprach- und Literaturunterricht zu integrieren.

Rückmeldungen zur Projektwoche und zu Transmedia Storytelling

Summarize your experiences of the project week in 1-2 sentences.

  • „I’ve learned a lot about social media and I also liked that we had to speak English the whole time.“
  • „The project week was very interesting and funny. I liked to skype with other persons from different countries (A/N: protagonists).“
  • „It was one of the best things I’ve ever done!“
  • „It was a very interesting week. I’ve learned a lot more!“
  • „It was very interesting. It was funny, but also a little bit strict.“
  • „I had a great time, I’m very glad that I took this because this was a chance you don’t get often. My compliment to this great idea!!!“
  • „It was very interesting. It was a fantastic idea. I would do it again.“
  • „I liked this week very much and I would do this again, if I could. It was a nice experience and I have another opinion about literature now.“
  • „There were nice experiences. In general, it was very nice.“
  • „Very interesting week with modern media, new opinion of the project week.“
  • „The project week was awesome!

Konkretes Beispiel aus der Praxis

Weitverbreitetes Beispiel (v.a. USA, Austalien) für Transmedia Storytelling im Unterricht, Virtual-Reality-Elemente, erstelltes und zur Verfügung stehendes Unterrichtsmaterial, im Jahr 2012 von der American Association of School Librarians (AASL) als eine der besten Webseiten zum Unterrichten und Lernen ausgezeichnet

 

Videoprojekte im Fremdsprachenunterricht

Ich bin der festen Überzeugung, dass das Ziel eines jeden Fremdsprachenunterrichts die Förderung von grundlegenden kommunikativen Sprachfertigkeiten sein sollte. Die mündliche Kommunikation (produktiv wie auch rezeptiv) liegt mir dabei besonders am Herzen. Ein handlungs- und produktionsorientierter Ansatz eröffnet den Schülerinnen und Schülern Möglichkeiten, sich individualisiert nach ihrem derzeitigen Sprachstand weiterzuentwickeln.

Das Projekt

Ausgehend von den Lehrmitteln «New Inspiration 2» und «Envol 7» gestalten die Lernenden ihr eigenes Videoprojekt, welches zentrale Inhalte der behandelten Unterrichtseinheit aufgreift. Nachdem die dazu notwendigen grammatikalischen Strukturen und das grundlegende Vokabular erarbeitet wurden, erhielten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, diese Sprachstrukturen in einer (halb-)authentischen Kommunikationssituation zu festigen und zu vertiefen. Die Lernenden wurden durch einen Mündlich Prüfung Videos U7 unterstützt, wobei die Handlungsanweisungen stets Platz für Kreativität und individuelle Umsetzungsmöglichkeiten liessen.

Zeitlicher Rahmen

Den Lernenden wurde zur Planung und Realisierung der Videoprojekte zwischen drei und fünf Lektionen zur Verfügung gestellt. Dieser zeitliche Rahmen erwies sich bereits bei mehreren Videoprojekten als optimale Grundlage für eine sauber strukturierte und sprachlich fundierte Auseinandersetzung mit dem Projekt. Vielfach wurden die Videos selbst dann in der Freizeit an speziellen Orten und Schauplätzen gedreht.

Hilfestellungen

  • Der Leitfaden

Der Leitfaden verweist explizit nochmals auf behandelte Theorieseiten im Lehrmittel, die bei der Planung hilfreich sein könnten. Des Weiteren schafft er Transparenz bezüglich den Leistungserwartungen und verleiht den Videos eine einheitliche Struktur mit Möglichkeiten zur Individualisierung.

  • Die Lehrperson

Da die Schülerinnen und Schüler während des Projektes sehr selbstständig arbeiten, hat die Lehrperson die Möglichkeit, die einzelnen Gruppen binnendifferenziert zu unterstützen.

  • Das Tablet

Die meisten Lernenden schreiben die schriftliche Version des gesprochenen Textes auf dem Tablet nieder. Auch hier zeigt sich der individuelle Zugang zu bereits bekannten Softwareprogrammen oder technischen Unterstützungsmöglichkeiten: Während einige Gruppen gemeinsam auf Microsoft OneNote am Text schreiben, verwenden andere Microsoft Word mit der integrierten Sprachkorrekturfunktion. Wiederum andere Gruppen verwenden Apps/Internetseiten wie leo.org oder linguee.de zur sprachlichen Unterstützung. Auch die Aussprachefunktion von leo.org wird von den Lernenden häufig verwendet.

Da es bei den ersten Versuchen noch vermehrt vorkam, dass einzelne Gruppen Google-Translate als neuen besten Freund entdeckten, stellte ich den Lernenden nach einer gewissen Zeit den DeepL-Translator vor. Dabei thematisierten wir die Tücken und sprachlichen Grenzen eines solchen Übersetzungsprogrammes, allerdings auch das Lernpotenzial hinsichtlich Wortschatzarbeit, Verwendung von Synonymen und Erwerb von sprachlichen Grundstrukturen. Dabei gefällt mir persönlich besonders, dass der DeepL-Translator auch alternative Sprachvarianten aufzeigt und dass jedes übersetzte Wort angeklickt werden kann, damit einem zahlreiche, meist kontextrelevante, Synonyme empfohlen werden. Grundsätzlich teile ich den Lernenden jedoch stets mit, dass sie in erster Linie mit ihren vorhanden sprachlichen Kompetenzen arbeiten sollen und dass ich nichts erwarte oder voraussetze, was wir nicht auch bereits im Unterricht behandelt haben.

  • Das Smartphone

Die Schülerinnen und Schüler benutzten das Smartphone in erster Linie für die Videoaufnahmen. Mit Apps wie VivaVideo, VideoCutter oder VideoShow haben einige Gruppen ihre Videos mit zusätzlichen Effekten aufgemotzt. Da wir die Apps während des Unterrichts nie thematisiert haben, habe ich den Gruppen freigestellt, ihre Videos zusätzlich zu bearbeiten. Obwohl die zusätzliche Bearbeitung mit einem zeitlichen Zusatzaufwand verbunden war und keineswegs bewertungsrelevant war, entschieden sich viele Lernende dazu, diese Zusatzarbeit freiwillig zu leisten.

Positive Aspekte der Videoprojekte

  • Freude und Individualisierung beim Fremdsprachenerwerb
  • Förderung von überfachlichen Kompetenzen wie Selbstständigkeit, Eigenständigkeit, Kooperations- und Problemlösefähigkeit
  • Möglichkeiten eines interdisziplinären Ansatzes mit weiteren Fachbereichen (z.B. Medien- und Informatik, Geschichte, Lebenskunde, etc.)
  • Die Videoprojekte mindern Hemmungen bei der mündlichen Kommunikation im Fremdsprachenunterricht; besonders im Fach Französisch, da die Lernenden die Möglichkeit haben, sich selbst anhand der gedrehten Videos zu analysieren, zu reflektieren und zu verbessern, falls sie mit dem Endprodukt nicht zufrieden sind.
  • Eine hohe Motivation und Kreativität seitens der Lernenden im Umgang mit Fremdsprachen
  • Ein persönlicher Zugang zur Sprache (emotionale, motivationale und volitive Faktoren)
  • Hohe Schüleraktivität: Fremdsprache als Verständigungssprache auch während der Planung und Realisierung der Videos
  • Erwerb, Festigung und Vertiefung von sprachlichen Strukturen
  • Kennenlernen von kulturellen Eigenheiten der Zielsprache je nach Videoprojekt und Schwerpunkt

Mögliche Stolpersteine

  • Blindes Vertrauen in Sprachassistenten und Übersetzungsprogramme wie Google Translate oder DeepL
  • Grösse der Videodatei beim Verschicken – USB-Stick, Komprimierung evtl. thematisieren oder Arbeit mit einer Cloud
  • Aufwendige Nachbearbeitung der Videos – auch wenn sie freiwillig ist, viele Gruppen haben hier sehr viel Zeit investiert

Eindrücke gefällig?

Hier ein kleiner Auszug aus einem längeren Video meiner 2. Realklasse 🙂