QR-Codes im Unterricht

Inspiriert durch eine TED-Präsentation der amerikanischen Pädagogin Karen Mensing wurde ich auf das edukative Potential von QR-Codes aufmerksam. Die folgenden Notizen stellen Überlegungen dar, wie man QR-Codes im Unterricht effizient einsetzen kann.

Was sind QR-Codes?

QR-Codes sind zweidimensionale Codes, die in verschiedensten Alltags- und Arbeitsdimensionen zur Anwendung kommen. Ob in der Navigation, als mobile Visitenkarte auf dem Swisspass oder als digitaler Einkaufszettel, QR-Codes ermöglichen eine schnelle Speicherung und Verbreitung von Informationen. «QR» steht für «Quick Response», eine «schnelle Antwort», die wir auch im Unterrichtsalltag nutzen können.

Wie entziffere ich die Informationen auf QR-Codes?

Ganz einfach: App herunterladen und QR-Code scannen. Ich persönlich arbeite mit «Blitz QR Scanner» auf Android. Mittlerweile gibt es unzählige Apps, die diese Dienste anbieten. Die meisten Apps sind kostenlos und funktionieren einwandfrei.

Wie erstelle ich einen QR-Code?

Hier offenbart sich grosses Potenzial für uns Lehrpersonen. QR-Codes können wir nicht nur passiv konsumieren, sondern selbst aktiv erstellen und mit Informationen und Inhalten füllen. Mittlerweile gibt es zahlreiche kostenlose Anbieter, die einen äusserst intuitiven und selbsterklärenden Zugang ermöglichen. Eine Auswahl:

Vorteile von QR-Codes im Unterricht

Insbesondere für das selbstgesteuerte und binnendifferenzierte Arbeiten eignen sich QR-Codes optimal. Der Heterogenität der Klasse kann man durch Arbeitsaufträge und zusätzlichen Informationen in diversen Bereichen wie dem Arbeitstempo, dem Schwierigkeitsgrad, den Interessen und Neigungen, den Zugängen oder dem bevorzugten Lernstil Rechnung tragen. Auch der motivationale Faktor darf nicht ausser Acht gelassen werden: Inhalte hinter QR-Codes müssen nicht direkt offenbart werden, sondern können auch als kleine «Überraschung» versteckt bleiben.

Was muss ich beachten?

Eine Voraussetzung für den Einsatz von QR-Codes ist natürlich ein funktionierender Internetzugang und das Vorhandensein von digitalen Verarbeitungsgeräten wie Tablets oder Smartphones. Dabei bilden eine funktionierende Kamera und die Möglichkeit, Apps selber herunterzuladen, die Gelingensbedingungen. Besonders datenintensive QR-Codes wie YouTube-Videos erfordern eine gute Internetverbindung. Textlastige Dokumente hingegen können einfacher abgerufen und von den Geräten schneller verarbeitet und gelesen werden.

Einsatzmöglichkeiten von QR-Codes im Unterricht?

Die Einsatzmöglichkeiten sind zahlreich und der Kreativität sind (beinahe) keine Grenzen gesetzt. Zurzeit setzte ich die QR-Codes als Vertiefungsmöglichkeit für besonders schnelle Lernende ein. Sobald ein Auftrag erledigt wurde, können sich die Lernenden mit Hilfe der QR-Codes themenrelevantes Zusatzwissen erarbeiten. In Geschichte (Imperialismus) habe ich beispielsweise die QR-Codes mit Lernvideos von «TheSimpleClub» gefüllt, welche die Grundzüge der Epoche nochmals aufgreifen, erläutern und vertiefen. Weiter Möglichkeiten zur Nutzung im Unterricht wären beispielsweise:

  • Weiterführende und vertiefende Materialien für schnelle Schüler/innen
  • Lösungsvorschläge oder Tipps/Lernhilfen über QR-Codes zur Verfügung stellen
  • Zusatzinformationen auf Webseiten oder Videos verlinken
  • Auf Arbeitsblättern mit Hilfe von QR-Codes die Lösungen zur Verfügung stellen
  • Eine digitale Werkstatt oder Planarbeit nur mit Hilfe von QR-Codes
  • Die Lernenden selbst Plakate oder Präsentationen mit QR-Codes erstellen lassen.
  • Schnitzeljagden oder weitere spannende und spielerische Ideen der Informationsbeschaffung

Interesse geweckt?

Ich selbst befinde mich noch ziemlich am Anfang im Umgang mit und in der Nutzung von QR-Codes. Vielleicht habt ihr bereits spannende Erfahrungen gemacht oder gar selbst Projekte durchgeführt? Ich würde mich über weitere Ideen und Inspirationen freuen!

Parkour / Freerunning: Filmen im Sportunterricht

Der Lehrplan 21 fordert im Bereich Bewegung und Sport, dass die Schülerinnen und Schüler eine Folge von Hindernissen ökonomisch überwinden und das Überwinden von Hindernissen variabel gestalten können. Umgesetzt wurden dies mit der Trendsportart Parkour / Freerunning. In einer vier bis fünf wöchigen Unterrichtseinheit wurde das Thema mit den Schülerinnen und Schülern intensiv behandelt.

Die Überlegung war nun, dass die Prüfung nicht ein einzelnes Vorzeigen vor der Klasse ist, sondern dass eine digitale Alternative gewählt wird. Die Schülerinnen und Schüler sollten sich somit gegenseitig selber Filmen, damit ihr ‚perfekter‘ Run am Schluss abgegeben und bewertet werden konnte. Die Vorgaben betreffend der Anzahl Sprünge und Geräte sowie der Zeit von maximal einer Minute kamen von mir. Die SuS waren jedoch frei in der Wahl, ob sie den Run in einem einzigen Take filmen wollten, oder ob sie die einzelnen Hindernisse am Schluss zu einem Lauf zusammenschneiden.

Vorab informieren und Erlaubnisse einholen
Filmen im Sportunterricht kann ein heikles Thema sein – muss es aber nicht. Mein Vorhaben wurde deswegen von Anfang an offen kommuniziert. Die Eltern wurden mit einem Info-Brief informiert und mussten ihre Zustimmung zum Filmen geben. Bei lediglich zwei Eltern waren anfangs noch Bedenken vorhanden, welche aber mit einem aufklärenden Telefongespräch beseitigt werden konnten. Für das Filmen gab es natürlich auch verbindliche Regeln. So durfte man nur mit dem eigenen Gerät gefilmt werden.

Obwohl alle Schülerinnen und Schüler über ein Tablet verfügen, wurde als Kamera ausschliesslich das eigene Smartphone gewählt. Die Überlegung der Kinder war, dass sie die Videoclips gleich mit einer App (von welchen es etliche gibt) auf dem Smartphone zusammenschneiden können. Vom MovieMaker oder iMovie auf dem Computer machten nur wenige gebrauch.

Regeln zum Filmen
Bevor jedoch gefilmt werden konnte, ging ich mit den Schülerinnen und Schülern die Regeln durch. So wurden folgende Bedingungen aufgestellt:

  • Niemand darf ohne sein Einverständnis gefilmt werden.
  • Nur mit eigenem Gerät darf man gefilmt werden.
  • Fürs Veröffentlichen (YouTube, Instagram, etc.) braucht’s eine weitere Einverständniserklärung.

Bewertung des Videos
Ich wollte vermeiden, dass ich mit meinen Vorgaben die Kinder zu sehr einschränke. Aus diesem Grund habe ich das Kriterien-Raster relativ offen gelassen. Folgende Anforderungen habe ich jedoch gestellt:

  • Mind. 4 unterschiedliche Geräte
  • Mind. 5 unterschiedliche «Sprünge»
  • Max. 1 Minute Film
  • Film darf geschnitten sein
  • Abgabe: 1 einzige Video-Datei

Extra Punkte gab es für:

  • Viel Variation
  • Hohe Schwierigkeitsgrade
  • Flüssiger Ablauf auf Video

Auswertung Feedback-Fragebogen
Um die Meinung der Schülerinnen und Schüler zu dieser alternativen Prüfung und zur Unterrichtseinheit einzuholen, wurde ein Feedback-Fragebogen verteilt. Die Ergebnisse sind die Folgenden:

  • Die Anzahl Lektionen mit 8-10 Stunden wurde als gerade genug gewertet.
  • Das Filmen als Prüfungsmodus wurde als gut bezeichnet.
  • Die Unterrichtseinheit bekam als Note eine 5,2.
  • Positiv empfunden wurde:
    + das freie Üben
    + selbstständiges Auswählen
    + Arbeiten in Gruppen
    + für jeden was dabei
    + Wandsalto lernen
  • Negativ empfunden wurde:
    – zum Teil langes Anstehen
    – es hatte ein paar langweilige Posten
    – lange das Gleiche

Impressionen
Eine kleine Auswahl von den Parkour-Läufen gibt es hier:

 

Lernkontrollen (Umfragen) mit Microsoft „Forms“ (Office 365)

 


Mit «Forms» – einem App aus dem Office 365-Paket – lassen sich sehr einfach Umfragen, Quiz oder Lernzielkontrollen erstellen, welche online verschickt, durchgeführt und ausgewertet werden können. Zwar bietet «Forms» nicht sehr viele Möglichkeiten, dafür ist sehr einfach damit zu arbeiten.

Lernzielkontrollen (Quiz)
Im Fach Informatik habe ich mit Hilfe der Unterlagen, welche Urs Frischherz auf Zebis zur Verfügung stellt (https://www.zebis.ch/unterrichtsmaterial/computer-grundlagen-56-klasse), Computergrundlagen erarbeitet. Zur Lernzielüberprüfung der ersten vier Arbeitsblätter habe ich einen kleinen Online-Test mit Forms hergestellt.
Dabei lässt «Forms – Quiz» nur eingeschränkte Fragemöglichkeiten zu. So kann man zwischen «Auswahl-», «Text-» und «Reihenfolge-» Fragen auswählen. So lassen sich kaum Lernkontrollen erstellen, welche detaillierte, komplexe Antworten erfordern. Der Vorteil liegt aber darin, dass ein Link zur papierlosen, farbigen Lernkontrolle einfach verschickt oder der Link auf einer Plattform abgelegt werden kann. Mittels Einstellungen lässt sich steuern, ob die Lernkontrolle nur während eines bestimmten Zeitfensters, unter Angabe der Namen, mehrmals oder einmalig gemacht werden kann. Die Auswertung erhält der Schüler oder die Schülerin sofort nach dem «Abschicken» des Formulars. Als Lehrpersonen kann man sich die Ergebnisse gesamthaft ausgewertet anzeigen lassen. Genauso zeigt die Auswertung auch die Antworten der einzelnen Schülerinnen und Schüler namentlich an. Die namentliche Auswertung funktioniert aber nur, wenn die Schule als Organisation mit Office 365 arbeitet.

Die Lernkontrolle lässt sich einfach mit anderen Personen teilen. Sofern diese Personen auch über ein Microsoftkonto verfügen, kann der Quiz importiert werden und steht unter der eigenen «Form-Kachel» zur Verfügung und kann angepasst werden.

Link zur Lernkontrolle «Computergrundlagen»
https://forms.office.com/Pages/ResponsePage.aspx?id=KUtHR_X9o0mqHDOY4Xtyi-ntayBnWIdKgPzkvEo8h2RUOU5YSTdaU1ZWVEhJSzNFWDJNRlRZR0NSTy4u

Link zum Duplizieren der Lernkontrolle «Computergrundlagen»
https://forms.office.com/Pages/ShareFormPage.aspx?id=KUtHR_X9o0mqHDOY4Xtyi-ntayBnWIdKgPzkvEo8h2RUOU5YSTdaU1ZWVEhJSzNFWDJNRlRZR0NSTy4u&sharetoken=E0Qv3BpvKcZd6jQ0sWsv

Umfragen
Mit Forms lassen sich genauso leicht Umfragen erstellen, verschicken und auswerten.

Fazit
Sofern man sich als Schule Microsoft verschrieben hat, kann «Forms» für schnelle Lernzielkontrollen oder Umfragen recht einfach und motivierend eingesetzt werden. In einer Fachschaftsgruppe liessen sich solche Lernzielkontrollen sehr einfach teilen und adaptieren.

Bruno Stürmlin, Januar 2018

Schulevents mit einem Weblog begleiten (WordPress)

Thementage «Keep Calm & SMILE» der Schule Leutschen

Vom 18. – 20. Dez. 2018 führten wir an unserer Schule zu unserem Jahresmotto «Keep Calm & SMILE» Thementage durch. Dabei konnten die Schülerinnen und Schüler ihr persönliches SMILE in Form von fünf Workshops zusammenstellen.
Mit einer kleinen heterogenen Mediengruppe von 6 Schülerinnen aus verschiedenen Stufen und Niveaus wurden die Thementage resp. die einzelnen Workshops medial begleitet. Sämtliche Berichte, Bilder und Videos sind auf einer eigens aufgebauten WordPress Blog-Website täglich fast im Live-Stream publiziert worden und sind nach wie vor unter

https://leutschenprojekte.wordpress.com/

einzusehen. So konnten unsere Schülerinnen und Schüler, deren Eltern und natürlich alle anderen interessierten Personen unsere Thementage täglich mitverfolgen oder auch heute noch die Berichte und Videos zu den Workshops nachlesen oder betrachten. Der Weblog hat guten Anklang gefunden, informiert und Freude gemacht.

 

Ausführungen zum Prozess

Vorbereitung – WordPress kennenlernen und einrichten
Persönlich ist mir der Umgang mit Webseiten und einem Content-Management-System recht geläufig. Aber auch ohne solche Vorkenntnisse kann man sich mit einer gewissen Affinität mittels Video-Tutorials recht gut in WordPress einarbeiten. Für unseren Weblog habe ich ein WordPresskonto eröffnet, ein geeignetes Design ausgewählt und den Weblog mit einer entsprechenden Struktur (Design, Seiten, Beiträge, Schlagwörter, Autorenrechte zuteilen…) eingerichtet. Ich denke, dass an den meisten Schulen sich Lehrpersonen finden, die interessiert sind und WordPress entsprechend einrichten und eine Gruppe anleiten könnten. WordPress ist gratis. Möchte man im Weblog aber auch Videos zur Verfügung stellen braucht es ein Premium-Account für CHF 96.-/Jahr.

Beiträge erstellen
Unsere Mediengruppe verfügte über keine besonderen Vorkenntnisse. Als einzige Schülerinnen und Schüler wechselten sie den Workshop nicht und haben die zweieinhalb Tage in der Mediengruppe gearbeitet, was auch die notwendige Konstanz gab. Nach einer kurzen Einführung zu unserer Medienarbeit besuchten die Jugendlichen in Zweiergruppen die Workshops, machten Bilder, Interviews, Notizen und auch Videoaufnahmen mit dem eigenen Handy. Anschliessend wurden die Berichte im Redaktionszimmer erstellt und hochgeladen. Dabei musste der Mediengruppe keine langen technischen Erklärungen abgegeben werden. Mit etwas Unterstützung im Rücken lernten sie sehr schnell, wie sie Medien auf WordPress hochladen und Beiträge erstellen konnten. Die technische Arbeit mit der Gruppe verlief sehr unproblematisch. Videos wurden gerade auf ihren Handys geschnitten und vertont. Diese Fertigkeiten brachten zwei Schülerinnen schon mit. Via Handy und WhatsApp oder OneDrive wurden die Bilder auf die Computer verschoben. Auf Notebooks der Schule haben die Schülerinnen und Schüler die Berichte erstellt. Die Mitglieder der Mediengruppe besassen Autorenrechte auf unserer WordPressseite und so konnten alle die Beiträge selber erstellen und veröffentlichen. Mit meinem Administratorenrechte hatte ich überall Zugriff und konnte so z.T. noch kleinere Korrekturen vornehmen oder Schlagwörter definieren.

Fazit
Einen Schulevent so zu dokumentieren oder ein laufendes Schuljournal mit einer Schülergruppe als Weblog mit WordPress zu führen, ist eine spannende, gut funktionierende Sache. Die Jugendlichen lernen einiges in Sachen Medienarbeit und verbessern Ihre Informatikkenntnisse. Für die Schule ist es eine spannende Gelegenheit nach aussen zu treten und Informationen über die Schulgemeinschaft hinaus zu verbreiten. WordPress bietet auch gute Statistikinformationen so, dass sich Aufrufe und Anzahl Besucher gut nachvollziehen lassen. Was nicht speziell anvisiert und auch fast nicht genutzt wurde, ist die Eigenheit eines Weblogs, dass man Beiträge kommentieren könnte und so der Weblog noch interaktiver wäre. Vielleicht wäre es lohnend, dies bei einem weiteren Vorhaben stärker in den Fokus zu nehmen. Das ganze Projekt hat wie die anderen Workshop aber viel Spass gemacht!

Bruno Stürmlin, Januar 2018

Unsere Nutzungsregeln zu Tablets, Handys & Co.

Mit der Digitalisierung kommen immer mehr elektronische Geräte in der Schule zum Einsatz resp. die Schülerinnen und Schüler nehmen ihre Smartphones täglich mit in die Schule. Dies ermöglicht neue spannende Chancen für den Unterricht und die Schulcommunity, birgt aber auch Gefahren und Problempunkte.
So ist es wohl unerlässlich, dass für die Benützung dieser Geräte und der IT-Infrastruktur einer Schule Regelungen und Hinweise von verschiedenen Stellen erarbeitet werden. Unserer Ansicht nach können dabei rigorose Verbote wohl kaum im Vordergrund stehen und zielführend sein. Vielmehr sollen die Möglichkeiten, welche die Digitalisierung bietet, sinnvoll integriert werden und die Jugendlichen einen kompetenten, verantwortungsbewussten Umgang lernen können. Es liegt vermutlich in der Sache und im Wandel, dass bei der Diskussion um solche Themen unterschiedliche Einstellungen und Verständnisse aufeinander prallen und auch diskutiert werden sollen.
Als Schule haben wir versucht, unter Einbezug der Betroffenen einsichtige, einfache Regeln und Merkblätter zu erarbeiten. Wichtig scheint uns, dass die Schülerinnen und Schüler möglichst miteinbezogen werden, damit sie sich einbringen und die Regeln verstehen können.
An unserer Schule gibt die unerlaubte Nutzung von Handys und Tablets & Co. selten Anlass für grosse Störungen. Hingegen sind wir auch schon mit unglücklichen «Mobbing-Geschichten» unter Schülern auf sozialen Netzwerken konfrontiert gewesen, was aufzeigt, wie wichtig es ist, auch an solchen Kompetenzen mit den Jugendlichen zu arbeiten. Und natürlich schätzen es alle sehr, wenn die Technik einwandfrei funktioniert!

Alles der Reihe nach
Nachfolgend ein kleiner Überblick von schweizweit geltenden Gesetzen bis zur Hausordnung oder klasseninternen Abmachungen. Dabei sollen Themen fokussiert werden, bei welchen die Jugendlichen unmittelbar betroffen und vielleicht auch eingebunden sind.

Gesetzliche Regelungen
In unseren unterschiedlichen, meist eidgenössischen Gesetzbüchern sind viele wichtige Themen geregelt, welche eine Grundlage bilden. Es ist sinnvoll, dass die Mitglieder einer Schule der Aufgabe und Funktion adäquate Grundkenntnisse darüber verfügen. So sei hier auf Themen des Daten- und Persönlichkeitsschutzes und der Strafgesetze hingewiesen. Der Kanton Schwyz hat so z. B. in Zusammenarbeit mit Unter- und Obwalden ein «Merkblatt für den Datenschutz an Schulen» herausgegeben, welches auch als Leitfaden für unsere Schule gilt. Zu den gesetzlichen Vorgaben haben wir keine weiteren Dokumente erstellt. Einzelne Punkte erscheinen aber in der einen oder anderen Form in unseren Papieren.
-> Merkblatt für den Datenschutz an Schulen KT SZ

Übergeordnete schulinterne Hinweise und Regelungen
Übergeordnet zu den Hausordnungen geben wir ein Reglement zur Benützung unserer Informatiksysteme ab. Darin wird auf verschiedene Themen wie Sorgfaltspflicht, Mail, Internet, Datenspeicherung, Missbrauch… eingegangen. Ebenfalls holen wir bei den Eltern mittels eines Schreibens das Einverständnis zur Veröffentlichen von Bildern im Internet ein. An der sek ein höfe arbeiten wir mit einer persönlichen 1:1 Ausstattung mit Tablets. Zur Nutzung dieser persönlichen Geräte haben wir ein entsprechendes Dokument erarbeitet.
-> Reglement zur Benützung der Informatikmittel der sek eins höfe
-> Schreiben «Veröffentlichung von Bildern im Internet»
-> Reglement zum persönlichen Tablet

Hausordnung und Klasseninterne Abmachungen
In unser Hausordnung haben wir die Nutzung der schuleigenen und privaten Geräte in den Schulzimmern, im Schulhaus und auf dem Schulgelände thematisiert und Regeln aufgestellt. Dabei ist es uns ein Anliegen, einfache, einsichtige und einhaltbare Regelungen zu haben, welche aber auch einen kompetenten Umgang mit den vorhandenen Geräten ermöglichen. Um Schülerinnen und Schüler hier einbeziehen und sensibilisieren zu können, haben wir den Umgang mit diesen Geräten in den Klassen thematisiert und die Jugendlichen aufgefordert, selbst Regeln zu formulieren. Diese Überlegungen wurden anschliessend mit der bestehenden Regelung verglichen und diskutiert. Vorschläge der Schülerinnen und Schüler wurden an einer Teamsitzung offen diskutiert. Erfreulich dabei war, dass sich die Regeln, welche die Klassen entwickelten, weitgehend mit den geltenden Regeln deckten. Im übernächsten Abschnitt sind noch weitere Ausführungen zu diesem Prozess aufgelistet. Zusätzlich zu den Regelungen in der Hausordnung ist es Lehrpersonen auch frei, eigene klasseninterne Abmachungen zu treffen, sofern diese die übergeordneten Abmachungen respektieren.
-> Aus der Hausordnung der Schule Leutschen, sek eins höfe

Kompetenter Umgang mit elektronischen Geräten und Medien
Natürlich besteht eine Schule nicht vor allem aus Regeln und Abmachungen. Unser Ziel ist es, Schülerinnen auf dem Weg zu mündigen, kompetenten, verantwortungsbewussten Nutzerinnen und Nutzern von digitalen Medien zu begleiten. Gemäss Lehrplan 21 werden viele Themen in den Bereichen «Medien und Informatik» (siehe LP 21 KT SZ M&I
http://sz.lehrplan.ch/index.php?code=b|10|0|1 ) und weiteren Fächern verortet. Zusätzlich planen wir, anlässlich der Abgabe der Tablets an die Schülerinnen und Schüler zu Beginn der 1. OS, mit Modulen, Thementagen oder gar einer Themenwoche einige Gesichtspunkte im Umgang mit dem Tablet, dem Internet und den sozialen Medien zu bearbeiten. Zusätzlich bietet der Schulalltag und der Unterricht viele Gelegenheiten um wichtige Themen spontan oder gezielt anzugehen. So hat der der Sportlehrer z. B. beim Auftrag die Parcourübung als Film zur Beurteilung abzugeben gerade Datenschutzgesichtspunkte thematisiert und integriert.

Einbezug der Schülerinnen und Schüler
Wie erwähnt, haben wir Nutzungsregeln mit unseren Klassen diskutiert. Dabei stellte sich heraus, dass unsere geltenden Regeln den Ansichten der Jugendlichen zum grossen Teil entsprechen. Von Klassen oder Einzelpersonen wurden auch weitergehende Ideen oder Diskussionspunkte erwähnt und sind nachfolgend in einer Auswahl widergegeben. Dabei sind auch durchaus anregende Ideen zu finden. So ist es überlegenswert, Hausaufgaben auf dem Handy einzutragen, so könnten gerade dritte Oberstufenklassen das Führen einer elektronischen Agenda einüben und lernen sich nicht immer sofort vom Handy ablenken zu lassen. Auch könnte Musikeinsatz in gewissen Situationen angedacht werden…

Meinungen von Schülerinnen und Schülern zu …Nutzung im Schulhaus
Handynutzung sollten im ganzen Schulhaus immer erlaubt sein, Ausnahme bleibt das Klassenzimmer.
Fotografieren und ev. auch Filmen auf dem Schulhausplatz sollte im Einverständnis möglich sein.
Im Aufenthaltsraum sollte über Mittag auch laute Musik erlaubt sein. Aber das Einverständnis der anderen soll eingeholt werden. Generell sollte die Nutzung im Aufenthaltsraum völlig frei sein.
…Präsentation von Produkten
Im Unterricht erstellte Medienprodukte sollten nur im Einverständnis vor der ganzen Klasse präsentiert werden.
…Handynutzung im Unterricht
Handy sollte im Unterricht teilweise frei eingesetzt werden können. Bei gewissen Situationen ist dies schneller, einfacher als das Tablet. Inhalte können auch schneller geteilt werden.
Darstellungen und Hausaufgaben sollten fotografiert werden können.
Musikhören sollte bei Stillarbeiten erlaubt sein.
Hausaufgaben sollten elektronisch mit dem Handy notiert werden können.
…Kommunikation
Klassenchat (WhatsApp-Gruppe) wird geschätzt. Sinnvollerweise eine Gruppe mit und eine ohne Lehrperson. Regeln für den Klassenchat sollen besprochen werden.
…Klasseninterne Regelungen
Klasseninterne Regelungen sollen möglich sein.
…Tablet
Tablet muss immer aufgeladen zur Schule mitgenommen werden.
…Missbrauch
Wenn jemand unerlaubt Aufnahmen veröffentlich, soll das Opfer mit CHF 50.- entschädigt werden.
Unerlaubtes Fotografieren soll einen Eintrag geben. Beim zweiten Mal soll man «Fötzeln» gehen.

Erwähnte Dokumente im Überblick
-> Aus der Hausordnung der Schule Leutschen, sek eins höfe
-> Reglement zur Benützung der Informatikmittel der sek eins höfe
-> Schreiben «Veröffentlichung von Bildern im Internet»
-> Reglement zum persönlichen Tablet
-> Merkblatt für den Datenschutz an Schulen KT SZ

Bruno Stürmlin, Januar 2018

 

Gruselnacht bei Kerzenschein – Mein eigenes Hörspiel

Beispiel Hörspiel: Das geheimnisumwobene Kloster (Samuel & Lukas)

Gruselgeschichten fesseln uns, sorgen für Gänsehaut, lassen die Haare zu Berge stehen und faszinieren uns seit jeher. Ausserdem sind sie auf textueller und struktureller Ebene anspruchsvoll. Eine gute Gruselgeschichte erzeugt Spannung, schafft eine Atmosphäre, die zum Eintauchen einlädt, zeichnet sich aus durch passenden Wortschatz, einen unwiderstehlichen roten Faden und eine gekonnte Leserführung.

Motiviert durch die Kooperation mit der PHSZ entschied ich mich dazu, das Projekt «Gruselgeschichte» noch einen Schritt weiterzutreiben. Nachdem die Gruselgeschichten erarbeitet und geschrieben wurden, wurden die Geschichten als Hörspiel aufbereitet und vertont. Dabei arbeiteten wir mit dem Gratis-Tonstudio «Audacity», bei dem mehrere Tonspuren übereinandergelegt und bearbeitet werden können. So hatten die Schüler/innen die Möglichkeit, den selbstgeschriebenen Text packend, angeleitet durch Kriterien, vorzulesen und anschliessend mit Hintergrundgeräuschen wie knarrenden Dielen, raschelnden Zweigen oder seltsamen Fusstritten in der Ferne aufzupeppen. Die Arbeit am Text war intensiv, kreativ, die Lernenden motiviert.

Lediglich die Arbeit mit Audacity war zu Beginn eine Herausforderung. Nachdem alle Schüler/innen das Programm auf ihrem Tablet heruntergeladen und installiert hatten, machte ich eine Einführung ins Programm. Auch stellte ich ein persönliches Nachschlagewerk in der Form einer Broschüre zusammen, welches den Lernenden die Grundfunktionen von Audacity näherbrachte. Das Kennenlernen des Programms und die Auseinandersetzung damit waren für viele Lernende eine wirkliche Herausforderung, einige waren überfordert. Auch war das Projekt zeitintensiv, insbesondere die Arbeit mit dem Tonstudio. Dadurch dass die Lernenden mit Hilfe der Broschüre selbstständig arbeiten konnten, hatte ich allerdings die Möglichkeit, auf vorhandene Fragen und Schwierigkeiten individuell einzugehen. Hier war das Vorwissen der Lernenden unterschiedlicher wie es nicht sein könnte. Einzelne Schüler/innen benutzten auch privat mit Audacity verwandte Programme und hatten keine Schwierigkeiten mit der Bearbeitung mehrerer Tonspuren. Andere begannen bei Null und mussten schrittweise an Audacity herangeführt werden. Dennoch: Das digitale Tonstudio ist äusserst benutzerfreundlich und die Grundfunktionen können relativ schnell erlernt und ausgeschöpft werden. Integrativ thematisierten wir dabei auch, ob, in welchem Rahmen und weshalb man Audiodateien von YouTube extrahieren und für eigene Projekte benutzen kann.

Schliesslich reüssierten alle Lernenden mit der Vertonung ihrer eigenen Gruselgeschichte. An einer kalten und nebligen Novembernacht versammelten sich die Klassen bei Kerzenschein und diabolischen Klängen um die erstellten Hörspiele einzuweihen. Edgar Allen Poes Klassiker «The Tell-Tale Heart» bildete den Auftakt, bevor die Schülerkreationen ihre Wirkung entfalteten. Gemeinsam lauschte man den nervenaufreibenden Produktionen, kicherte über kleinere Versprecher und genoss den gemeinsamen Abend beim gemütlichen Beisammensein. Der Höhepunkt bildete schliesslich eine CD mit den Hörspielen aller Lernenden. Ein Abend, der in bester Erinnerung bleiben und durch die CD hoffentlich noch lange weiterleben und nachhallen wird.

Marc Helbling, November 2017

Streiten im Deutschunterricht – Pädagogisch begründet :-)

Als wir neulich die direkte Rede im Unterricht thematisierten und mir wieder einmal auffiel, wie sehr das Wort «sagen» geliebt wird und wie wenig sprachliche Varietät vorhanden ist, entschied ich mich dazu, die redeeinleitenden Verben verstärkt zu thematisieren.

Das Leben ist spannend, abwechslungsreich und voller Emotionen. Dies soll auch durch unsere Sprache widergegeben werden. Nachdem wir uns vertieft mit verschiedenen redeeinleitenden Verben und deren Synonymen auseinandergesetzt haben, stiess ich die Schüler/innen ins kalte Wasser. «Handy hervor – wir streiten jetzt», hiess es meinerseits. Unsichere Blicke, freudiges Grinsen.

Ich bat die Lernenden, sich im Schulhaus zu verteilen und gab eine Streitsituation mit offenem Ende vor. Die Schüler/innen sollten das spontane Streitgespräch gleichzeitig mit dem Voice-Recorder ihres Smartphones während genau einer Minute aufzeichnen. Anschliessend versammelten wir uns wieder im Klassenzimmer und die Lernenden hörten sich mit ihren Kopfhörern nochmals beim Streiten zu. Anschliessend schrieben sie das Gespräch nieder, individuell, und übten so die Zeichensetzung bei der direkten Rede und den abwechslungsreichen Gebrauch von passenden redeeinleitenden Verben. Grammatikunterricht war plötzlich interessant, der Anteil echter Lernzeit hoch.

Besonders interessant war anschliessend der Vergleich der geschriebenen Texte. Welche redeeinleitenden Verben wurden von welchen Lernenden benutzt und wie wurden Emotionen wahrgenommen und anschliessend sprachlich wiedergegeben. So kam es vor, dass eine Schülerin die direkte Rede mit dem Verb «quasseln» und eine andere Schülerin dieselbe Situation mit dem Verb «zurechtweisen» einleitete.

 

Marc Helbling, November 2017

Etherpad – Freies Schreiben im Fremdsprachenunterricht

Etherpad im Französischunterricht

Während einer Lektion pro Woche steht bei uns auf der Sekundarstufe im Französischunterricht „Begabungs- und Begabtenförderung“ auf dem Programm. Dabei handelt es sich um ein Zeitgefäss, welches den Lernenden in Kleingruppen individuelle und interessengeleitete Zugänge zur Sprache bieten soll.

Perspektivenwechsel war also gefragt! Die einzig richtige Schlussfolgerung hinsichtlich der Lektionsplanung war meines Erachtens, dass ich die Schüler/innen selbst entscheiden oder zumindest mitbestimmen lasse, an welchen Themenbereichen sie arbeiten möchten. Die Zugrichtung war klar: freies Sprechen, freies Schreiben und Wortschatzübungen. Inspiriert durch die Weiterbildungswoche „Medien und Informatik“ an der PHSZ, entschied ich mich dazu, im Bereich „freies Schreiben“ Etherpad auszuprobieren.

In einem ersten Schritt erarbeiteten sich die Schüler/innen in einem Repetitionsauftrag den grundlegenden Wortschatz zur Unité 2 mit Hilfe von Quizlet. Anschliessend thematisierten wir gemeinsam gängige Satzstrukturen und Ausdrucksmöglichkeiten im Französischunterricht. Danach stiess ich die Schüler/innen ins kalte Wasser.

Auf Etherpad sollten sie nun in Kleingruppen eine Geschichte schreiben und sich dabei am Vokabular der Unité 2 und an den besprochenen Satzstrukturen orientieren. Schön zu beobachten war, dass ausnahmslos alle Schüler/innen an der Geschichte teilnahmen, ihren Beitrag leisteten, sich gegenseitig kontrollierten und korrigierten. Die synchrone Kommunikation erlaubte es den Lernenden, gegenseitig von einander zu profitieren und gleich Stellung zu beziehen. Nicht selten kam es vor, dass einzelne Schüler/innen intrinsisch motiviert im Internet nach weiteren Worten, Satzstellungen oder Ausdrücken suchten.

Von der Lektion konnten alle Lernenden profitieren, Französisch (und dann erst freies Schreiben AUF FRANZÖSISCH!) machte Spass!

Auszug Etherpad 1

Auszug Etherpad 2

Marc Helbling, September 2017

PenPals-Project

 Kulturelles Lernen im Fremdsprachenunterricht oder «von der Liebe zu Donuts»

Fremdsprachenerwerb ist für mich im besten Fall gleichzusetzen mit kulturellem Lernen. Weshalb lernen die Schüler/innen denn eine Fremdsprache? Um Lehrpersonen innerhalb des Klassenzimmers zu beeindrucken? Um zukünftige Arbeitgeber mit offiziell anerkannten Diplomen zu beeindrucken? Naja, vielleicht ja auch…aber das Erlernen einer Fremdsprache soll in erster Linie den Lernenden die Möglichkeit bieten, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und den eigenen Erfahrungshorizont zu erweitern.

Letzte Woche habe ich mit meiner Klasse am Projekt «World Explorers» von PenPalSchools gestartet. Über einen Zeitraum von sechs Wochen kommunizieren und interagieren meine Schüler/innen nun mit anderen Jugendlichen aus allen Kontinenten. Eine wöchentliche Einstiegslektion bietet nebst einer inhaltlichen Gesprächsgrundlage weitere sprachliche Hilfestellungen wie neues Vokabular oder sprachstrukturelle Hilfen (z.B. Wie formuliere ich eine Frage?).

Penpal Schools wird bereits von über 15’000 Lehrpersonen in 144 Ländern verwendet. Für die ersten 5 Lehrpersonen pro Schulhaus ist das Programm derzeit noch kostenlos. Die Seite eignet sich um authentisches Fremdsprachenlernen in der direkten Interaktion mit anderen Lernenden zu fördern. Die Partnerschulen werden geprüft und sind vertrauenswürdig. Aus kulturellen Gründen werden allen Lernenden vier weitere Penpals des gleichen Alters und Geschlechts zugeordnet. Auch haben die Penpals eine vergleichbare Sprachkompetenz. Als Lehrperson steht mir ein Dashboard zur Verfügung, auf welchem ich die asynchronen Chatverläufe meiner Klasse lesen, überprüfen, kommentieren und bewerten kann.

Die Schüler/innen freuten sich enorm darauf, das Lehrmittel einmal beiseite zu legen und über die digitale Welt in andere Kulturen einzutauchen. Nun arbeiten wir jeweils montags mit PenPalSchools und trainieren damit unsere Lesekompetenzen, verfeinern unsere sprachliche Ausdrucksfähigkeit, erwerben neues Vokabular, lernen, was es heisst, sich im Internet darzustellen und was das Leben auf anderen Erdteilen zu bieten hat.

Dabei werden sowohl kulturelle Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten erkannt. So stellte einer meiner Schüler mit Freude fest, dass auch in Amerika (wer hätte es gedacht?) Donuts auf dem Tagesprogramm stehen…

Ob vor oder nach dem Zähneputzen – wie bei meinem Schüler – ist dabei offengeblieben :-)…

 

Marc Helbling, Oktober 2017

Lernfilm Geschichte

Weg von schleppenden Leitprogrammen hin zu ansprechenden Lernfilmen

                    

Seit ich mich dazu entschied, das Fach „Geschichte und politische Bildung“ zu unterrichten, kaut mir meine Freundin das Ohr ab.

„Politik ist wichtig. Jugendliche müssen zu politischem Handeln aktiviert und inspiriert werden. Sie müssen verstehen, wie unser Staat aufgebaut ist und wie er in seinen Grundzügen funktioniert.“ Naja, was soll ich dem entgegnen? Natürlich unterstütze ich diese Auffassung, doch bisher ist es mir ehrlich gesagt nicht gelungen, wirklich nachhaltige politische Bildung zu betreiben.

Als ich mich an die Jahresplanung für das neue Schuljahr machte und dabei auf die Infobroschüre und das Leitprogramm des Bundes „Der Bund kurz erklärt“ stiess, war mir klar, dass ich dieses Mal einen anderen Weg einschlagen musste. Die Texte und das Leitprogramm sind gut, teilweise komplex, informativ und präzise. Doch die eigenständige Auseinandersetzung anhand eines Leitprogramms schien mir nicht der richtige Weg zu sein, die Thematik zu erarbeiten, zumal gemäss meiner eigenen Erfahrung, Lernende mit der Informationsfülle/Informationsflut der Broschüre häufig überfordert sind. Inspiriert durch ein Projekt von Patrik Bernhard, Lehrperson der Projektschule Goldau, entschied ich mich dazu, die Thematik anhand von Lernfilmen zu erarbeiten und so ein digitales Klassenzimmer einzurichten.

Die Broschüre „Der Bund kurz erklärt“ bildete dabei weiterhin die inhaltliche Grundlage für die Erarbeitung der Thematik. Die einzelnen Themenbereiche sind grösstenteils inhaltlich unabhängig voneinander, vereinzelt mussten gewisse Begriffe als Grundlage erklärt werden. Interessengeleitet entschieden sich die Lernenden in Kleingruppen für ein Unterkapitel aus der Broschüre und bearbeiteten die entsprechenden Seiten dazu im Leitprogramm. Sie wurden Experten für ihre Thematik, lasen, recherchierten, übersetzten schwierige Begriffe, fassten zusammen und ordneten ihr erworbenes Wissen in einer Strukturskizze.

Nachdem den Lernenden Beispiele von Lernfilmen aufgezeigt und deren typische Merkmale herausgemeisselt wurden, ging es an die Erarbeitung des Drehbuchs (weiterführende Materialien). Die Gruppen mussten nun erneut den informativen Grundlagentext aus der Broschüre herunterbrechen, vereinfachen, strukturieren und sinnvoll aufbereiten, immer mit der Idee im Hinterkopf, dass das Hauptziel des Filmes ist, Lernenden, welche keine Experten in der Thematik sind, den Sachverhalt möglichst konkret und pointiert zu vermitteln. Persönliche Standortgespräche mit jeder Gruppe halfen mir dabei, den Lernenden weitere Tipps zu geben oder noch vorhandene Unklarheiten bezüglich Inhalt oder Strukturierung zu klären.

Nachdem das Drehbuch auf dem Tablet geschrieben und überarbeitet wurde, widmeten sich die Schüler/innen der gestalterischen Arbeit. Illustrationen und Bilder zur Visualisierung wurden gesucht, gesammelt, ausgedruckt und ausgeschnitten. Anschliessend ging es an die Filmaufnahmen. Natürlich waren bei allen Gruppen mehrere Takes vonnöten. Die Kameraeinstellung musste angepasst, Versprecher ausgemerzt und die Visualisierungen auf den Sprechertext angepasst werden. Gefilmt wurde nach individueller Präferenz teils mit dem Tablet, teils mit dem Smartphone. Die Smartphone-Gruppen begründeten ihren Entscheid dadurch, dass sie anschliessend den Lernfilm noch schneiden und weiterbearbeiten möchten und sie die dazu notwendigen Apps bereits auf dem Handy haben.

Anschliessend wurden die Lernfilme auf dem schulinternen Portal den Gruppen zur Verfügung gestellt. Die Gruppen hatten nun die Möglichkeit, ihr Wissen mit Hilfe der übrigen Lernfilme zu erweitern, bei Bedarf bei den Expertengruppen nachzufragen und so verschiedene Themenbereiche der Schweizer Politik und des Bundes kennenzulernen. Auch hatten die Gruppen den Auftrag, die Lernfilme ihrer Mitschüler/innen kriterienorientiert zu beurteilen und ein ehrliches Feedback zu schreiben. So wurde ein digitales Klassenzimmer geschaffen, in welchem sich die Schüler/innen in ihrem eigenen Tempo bereits vorstrukturierte und heruntergebrochene Themeninhalte erarbeiten konnten.

Aus Gründen der inhaltlichen Qualitätssicherung entschied ich mich dazu, sowohl die individuellen Produkte in Form von Lernfilmen als auch den Lernzuwachs anhand der übrigen Expertenvideos zu bewerten. Die Kriterien zur Bewertung des eigenen Lernfilms wurden den Lernenden bereits früh transparent gemacht und boten so eine hilfreiche Unterstützung und Orientierung. Anschliessend erstellte ich auf der Grundlage der Videos Lernziele zu jedem Lernfilm, welche abschliessend mit einer summativen Lernkontrolle überprüft wurden. Es wurde nicht geprüft, was nicht in den Lernfilmen vorgekommen ist. Hier werde ich mir das nächste Mal Gedanken dazu machen, wie die Lernenden selbst optimal dazu angeleitet werden können, Lernziele für ihre eigenen Videos zu formulieren.

Zwischenzeitlich fragte ich mich, ob es der Aufwand und all die Bemühungen wert waren und ob der Lernertrag den zeitlichen Aufwand rechtfertigte. Ehrlich gesagt weiss ich nicht, ob der rein fachliche Lernzuwachs insgesamt höher war, als wenn ich ausschliesslich mit dem Leitprogramm gearbeitet hätte. Doch wiederum war es meine Freundin, die mir hier die Augen öffnete. Der Lernzuwachs ging bei diesem Projekt über das fachliche Wissen hinaus. Die Schüler/innen gingen eigenen Interessen nach, planten, kooperierten und strukturierten ihr Wissen selbst. Sie wurden in ihrer Selbstständigkeit und Eigenverantwortung gefördert. Sie konnten sich die Inhalte gemäss ihrem eigenen Vorwissen und ihrem eigenen Lerntempo binnendifferenziert erarbeiten. Lernen und politische Bildung wurde individualisiert, persönlich.

Würde ich das Projekt erneut in Angriff nehmen? Auf jeden Fall!

Marc Helbling, September 2017