Transmedia Storytelling – Medienorientierter Literaturunterricht

Im Rahmen meiner Masterarbeit setzte ich mich mit dem aufkommenden Phänomen des transmedialen Erzählens auseinander und gestaltete dazu eine Projektwoche auf der Sekundarstufe I/II. Das Konzept bietet zahlreiche Möglichkeiten in den Bereichen Medienbildung, Spracherwerb und überfachlicher Kompetenzerwerb.

Was ist Transmedia Storytelling?

Bei Transmedia Storytelling entfaltet sich eine Geschichte über mehrere Medienkanäle, wobei jedes Medium eine in sich abgeschlossene Welt darstellt. Bezogen auf den Unterricht bedeutet das, dass Schülerinnen und Schüler vom passiven Konsum einer Erzählung zur aktiven Partizipation und Mitgestaltung angeregt werden. Durch Social Media können Lernende beispielsweise Hintergrundinformationen über einzelne Protagonisten in Erfahrung bringen oder sogar aktiv und interaktiv mit den Hauptfiguren einer Erzählung in Verbindung treten.

Wie kann ich mir eine solche Geschichte vorstellen?

Die Möglichkeiten sind vielfältig. In meiner Geschichte lernten die Jugendlichen die Protagonistin Jenny Smith über ihre Blog-Beiträge und über ihr Twitter-Profil kennen. Ausserdem liess sie der Klasse im Voraus Briefe zukommen und kündigte ihren Besuch im Rahmen eines Austauschprojekts per Video-Botschaft an. Anschliessend nahmen sie mit der fiktiven Person Kontakt auf, indem sie eine Skype-Unterhaltung mit ihr führten. Eine Studienkollegin von mir übernahm Jennys Rolle. Am nächsten Tag verschwand Jenny, ohne eine Nachricht zu hinterlassen. Ihre Mutter nahm per E-Mail Kontakt mit der Schule auf, mit der Bitte, Jenny so schnell wie möglich zu finden. Die Schülerinnen und Schüler begaben sich anschliessend auf eine literarische Schnitzeljagd, auf welcher sie über Social-Media, durch Skype-Unterhaltungen, Briefe, E-Mails und reale Gegenstände weitere Hinweise über Jennys Aufenthaltsort herausfanden (Temporal Dimension). Durch den synchronen und asynchronen Informationsaustausch mit weiteren Protagonisten verschwammen die Grenzen zwischen Fiktion und Realität um besonders tiefe und eindrückliche literarische Erfahrungen zu sammeln (Storyworld).

Was sind die Vorteile von Transmedia Storytelling?

Transmedia Storytelling basiert auf den Grundsätzen des sozial-konstruktivistischen und konnektivistischen Lernens. Sprachenlernen wird zum kommunikativen Prozess.

  • Die Lernenden werden als Digital Natives in ihrer unmittelbaren Lebenswelt angesprochen.
  • Die Sprache ist das notwendige Mittel zur Kontaktaufnahme mit Protagonisten. Produktive und rezeptive Sprachkompetenzen werden simultan gefördert.
  • Kompetenzorientierter Spracherwerb
  • Metakognitive Prozesse spielen eine entscheidende Rolle und werden vielseitig gefördert.
  • Soziales und kollaboratives Lernen sind notwendig (Überfachliche Kompetenzen). Die durch die unterschiedlichen medialen Zugänge erschaffenen Teilwelten sind zu gross, um von einer einzigen Person verstanden zu werden. Kollektive Intelligenz ist zentral.
  • Digitale Partizipation und ein reflektierter und anwendungsorientierter Umgang mit unterschiedlichen digitalen und analogen Medienkanälen (Briefe, Twitter, Facebook, Videos, Skype, E-Mails, reale Gegenstände, Karten, Zeitungsberichte, Flyer, etc.) sind von entscheidender Bedeutung.

Der TED-Talk von Elaine Raybourn gewährt weitere spannende Eindrücke in die Arbeit mit transmedialen Geschichten im Unterricht.

Gibt es Nachteile?

Das Erschaffen einer transmedialen Geschichte ist enorm zeitaufwändig. Die digitalen Spuren beziehungsweise die digitalen Identitäten der fiktiven Protagonisten müssen allesamt erstellt und generiert werden. Im Rahmen einer Masterarbeit ist dieser Aufwand möglich, im Schulalltag nicht. Anwendbare und zur Anpassung freigegebene Formate müssten den Lehrpersonen zum unkomplizierten und ressourcenorientierten Einsatz zur Verfügung gestellt werden. Dennoch eignet es sich, Elemente des Transmedialen Erzählens auch in den täglichen Sprach- und Literaturunterricht zu integrieren.

Rückmeldungen zur Projektwoche und zu Transmedia Storytelling

Summarize your experiences of the project week in 1-2 sentences.

  • „I’ve learned a lot about social media and I also liked that we had to speak English the whole time.“
  • „The project week was very interesting and funny. I liked to skype with other persons from different countries (A/N: protagonists).“
  • „It was one of the best things I’ve ever done!“
  • „It was a very interesting week. I’ve learned a lot more!“
  • „It was very interesting. It was funny, but also a little bit strict.“
  • „I had a great time, I’m very glad that I took this because this was a chance you don’t get often. My compliment to this great idea!!!“
  • „It was very interesting. It was a fantastic idea. I would do it again.“
  • „I liked this week very much and I would do this again, if I could. It was a nice experience and I have another opinion about literature now.“
  • „There were nice experiences. In general, it was very nice.“
  • „Very interesting week with modern media, new opinion of the project week.“
  • „The project week was awesome!

Konkretes Beispiel aus der Praxis

Weitverbreitetes Beispiel (v.a. USA, Austalien) für Transmedia Storytelling im Unterricht, Virtual-Reality-Elemente, erstelltes und zur Verfügung stehendes Unterrichtsmaterial, im Jahr 2012 von der American Association of School Librarians (AASL) als eine der besten Webseiten zum Unterrichten und Lernen ausgezeichnet

 

Videoprojekte im Fremdsprachenunterricht

Ich bin der festen Überzeugung, dass das Ziel eines jeden Fremdsprachenunterrichts die Förderung von grundlegenden kommunikativen Sprachfertigkeiten sein sollte. Die mündliche Kommunikation (produktiv wie auch rezeptiv) liegt mir dabei besonders am Herzen. Ein handlungs- und produktionsorientierter Ansatz eröffnet den Schülerinnen und Schülern Möglichkeiten, sich individualisiert nach ihrem derzeitigen Sprachstand weiterzuentwickeln.

Das Projekt

Ausgehend von den Lehrmitteln «New Inspiration 2» und «Envol 7» gestalten die Lernenden ihr eigenes Videoprojekt, welches zentrale Inhalte der behandelten Unterrichtseinheit aufgreift. Nachdem die dazu notwendigen grammatikalischen Strukturen und das grundlegende Vokabular erarbeitet wurden, erhielten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, diese Sprachstrukturen in einer (halb-)authentischen Kommunikationssituation zu festigen und zu vertiefen. Die Lernenden wurden durch einen Mündlich Prüfung Videos U7 unterstützt, wobei die Handlungsanweisungen stets Platz für Kreativität und individuelle Umsetzungsmöglichkeiten liessen.

Zeitlicher Rahmen

Den Lernenden wurde zur Planung und Realisierung der Videoprojekte zwischen drei und fünf Lektionen zur Verfügung gestellt. Dieser zeitliche Rahmen erwies sich bereits bei mehreren Videoprojekten als optimale Grundlage für eine sauber strukturierte und sprachlich fundierte Auseinandersetzung mit dem Projekt. Vielfach wurden die Videos selbst dann in der Freizeit an speziellen Orten und Schauplätzen gedreht.

Hilfestellungen

  • Der Leitfaden

Der Leitfaden verweist explizit nochmals auf behandelte Theorieseiten im Lehrmittel, die bei der Planung hilfreich sein könnten. Des Weiteren schafft er Transparenz bezüglich den Leistungserwartungen und verleiht den Videos eine einheitliche Struktur mit Möglichkeiten zur Individualisierung.

  • Die Lehrperson

Da die Schülerinnen und Schüler während des Projektes sehr selbstständig arbeiten, hat die Lehrperson die Möglichkeit, die einzelnen Gruppen binnendifferenziert zu unterstützen.

  • Das Tablet

Die meisten Lernenden schreiben die schriftliche Version des gesprochenen Textes auf dem Tablet nieder. Auch hier zeigt sich der individuelle Zugang zu bereits bekannten Softwareprogrammen oder technischen Unterstützungsmöglichkeiten: Während einige Gruppen gemeinsam auf Microsoft OneNote am Text schreiben, verwenden andere Microsoft Word mit der integrierten Sprachkorrekturfunktion. Wiederum andere Gruppen verwenden Apps/Internetseiten wie leo.org oder linguee.de zur sprachlichen Unterstützung. Auch die Aussprachefunktion von leo.org wird von den Lernenden häufig verwendet.

Da es bei den ersten Versuchen noch vermehrt vorkam, dass einzelne Gruppen Google-Translate als neuen besten Freund entdeckten, stellte ich den Lernenden nach einer gewissen Zeit den DeepL-Translator vor. Dabei thematisierten wir die Tücken und sprachlichen Grenzen eines solchen Übersetzungsprogrammes, allerdings auch das Lernpotenzial hinsichtlich Wortschatzarbeit, Verwendung von Synonymen und Erwerb von sprachlichen Grundstrukturen. Dabei gefällt mir persönlich besonders, dass der DeepL-Translator auch alternative Sprachvarianten aufzeigt und dass jedes übersetzte Wort angeklickt werden kann, damit einem zahlreiche, meist kontextrelevante, Synonyme empfohlen werden. Grundsätzlich teile ich den Lernenden jedoch stets mit, dass sie in erster Linie mit ihren vorhanden sprachlichen Kompetenzen arbeiten sollen und dass ich nichts erwarte oder voraussetze, was wir nicht auch bereits im Unterricht behandelt haben.

  • Das Smartphone

Die Schülerinnen und Schüler benutzten das Smartphone in erster Linie für die Videoaufnahmen. Mit Apps wie VivaVideo, VideoCutter oder VideoShow haben einige Gruppen ihre Videos mit zusätzlichen Effekten aufgemotzt. Da wir die Apps während des Unterrichts nie thematisiert haben, habe ich den Gruppen freigestellt, ihre Videos zusätzlich zu bearbeiten. Obwohl die zusätzliche Bearbeitung mit einem zeitlichen Zusatzaufwand verbunden war und keineswegs bewertungsrelevant war, entschieden sich viele Lernende dazu, diese Zusatzarbeit freiwillig zu leisten.

Positive Aspekte der Videoprojekte

  • Freude und Individualisierung beim Fremdsprachenerwerb
  • Förderung von überfachlichen Kompetenzen wie Selbstständigkeit, Eigenständigkeit, Kooperations- und Problemlösefähigkeit
  • Möglichkeiten eines interdisziplinären Ansatzes mit weiteren Fachbereichen (z.B. Medien- und Informatik, Geschichte, Lebenskunde, etc.)
  • Die Videoprojekte mindern Hemmungen bei der mündlichen Kommunikation im Fremdsprachenunterricht; besonders im Fach Französisch, da die Lernenden die Möglichkeit haben, sich selbst anhand der gedrehten Videos zu analysieren, zu reflektieren und zu verbessern, falls sie mit dem Endprodukt nicht zufrieden sind.
  • Eine hohe Motivation und Kreativität seitens der Lernenden im Umgang mit Fremdsprachen
  • Ein persönlicher Zugang zur Sprache (emotionale, motivationale und volitive Faktoren)
  • Hohe Schüleraktivität: Fremdsprache als Verständigungssprache auch während der Planung und Realisierung der Videos
  • Erwerb, Festigung und Vertiefung von sprachlichen Strukturen
  • Kennenlernen von kulturellen Eigenheiten der Zielsprache je nach Videoprojekt und Schwerpunkt

Mögliche Stolpersteine

  • Blindes Vertrauen in Sprachassistenten und Übersetzungsprogramme wie Google Translate oder DeepL
  • Grösse der Videodatei beim Verschicken – USB-Stick, Komprimierung evtl. thematisieren oder Arbeit mit einer Cloud
  • Aufwendige Nachbearbeitung der Videos – auch wenn sie freiwillig ist, viele Gruppen haben hier sehr viel Zeit investiert

Eindrücke gefällig?

Hier ein kleiner Auszug aus einem längeren Video meiner 2. Realklasse 🙂

 

QR-Codes im Unterricht

Inspiriert durch eine TED-Präsentation der amerikanischen Pädagogin Karen Mensing wurde ich auf das edukative Potential von QR-Codes aufmerksam. Die folgenden Notizen stellen Überlegungen dar, wie man QR-Codes im Unterricht effizient einsetzen kann.

Was sind QR-Codes?

QR-Codes sind zweidimensionale Codes, die in verschiedensten Alltags- und Arbeitsdimensionen zur Anwendung kommen. Ob in der Navigation, als mobile Visitenkarte auf dem Swisspass oder als digitaler Einkaufszettel, QR-Codes ermöglichen eine schnelle Speicherung und Verbreitung von Informationen. «QR» steht für «Quick Response», eine «schnelle Antwort», die wir auch im Unterrichtsalltag nutzen können.

Wie entziffere ich die Informationen auf QR-Codes?

Ganz einfach: App herunterladen und QR-Code scannen. Ich persönlich arbeite mit «Blitz QR Scanner» auf Android. Mittlerweile gibt es unzählige Apps, die diese Dienste anbieten. Die meisten Apps sind kostenlos und funktionieren einwandfrei.

Wie erstelle ich einen QR-Code?

Hier offenbart sich grosses Potenzial für uns Lehrpersonen. QR-Codes können wir nicht nur passiv konsumieren, sondern selbst aktiv erstellen und mit Informationen und Inhalten füllen. Mittlerweile gibt es zahlreiche kostenlose Anbieter, die einen äusserst intuitiven und selbsterklärenden Zugang ermöglichen. Eine Auswahl:

Vorteile von QR-Codes im Unterricht

Insbesondere für das selbstgesteuerte und binnendifferenzierte Arbeiten eignen sich QR-Codes optimal. Der Heterogenität der Klasse kann man durch Arbeitsaufträge und zusätzlichen Informationen in diversen Bereichen wie dem Arbeitstempo, dem Schwierigkeitsgrad, den Interessen und Neigungen, den Zugängen oder dem bevorzugten Lernstil Rechnung tragen. Auch der motivationale Faktor darf nicht ausser Acht gelassen werden: Inhalte hinter QR-Codes müssen nicht direkt offenbart werden, sondern können auch als kleine «Überraschung» versteckt bleiben.

Was muss ich beachten?

Eine Voraussetzung für den Einsatz von QR-Codes ist natürlich ein funktionierender Internetzugang und das Vorhandensein von digitalen Verarbeitungsgeräten wie Tablets oder Smartphones. Dabei bilden eine funktionierende Kamera und die Möglichkeit, Apps selber herunterzuladen, die Gelingensbedingungen. Besonders datenintensive QR-Codes wie YouTube-Videos erfordern eine gute Internetverbindung. Textlastige Dokumente hingegen können einfacher abgerufen und von den Geräten schneller verarbeitet und gelesen werden.

Einsatzmöglichkeiten von QR-Codes im Unterricht?

Die Einsatzmöglichkeiten sind zahlreich und der Kreativität sind (beinahe) keine Grenzen gesetzt. Zurzeit setzte ich die QR-Codes als Vertiefungsmöglichkeit für besonders schnelle Lernende ein. Sobald ein Auftrag erledigt wurde, können sich die Lernenden mit Hilfe der QR-Codes themenrelevantes Zusatzwissen erarbeiten. In Geschichte (Imperialismus) habe ich beispielsweise die QR-Codes mit Lernvideos von «TheSimpleClub» gefüllt, welche die Grundzüge der Epoche nochmals aufgreifen, erläutern und vertiefen. Weiter Möglichkeiten zur Nutzung im Unterricht wären beispielsweise:

  • Weiterführende und vertiefende Materialien für schnelle Schüler/innen
  • Lösungsvorschläge oder Tipps/Lernhilfen über QR-Codes zur Verfügung stellen
  • Zusatzinformationen auf Webseiten oder Videos verlinken
  • Auf Arbeitsblättern mit Hilfe von QR-Codes die Lösungen zur Verfügung stellen
  • Eine digitale Werkstatt oder Planarbeit nur mit Hilfe von QR-Codes
  • Die Lernenden selbst Plakate oder Präsentationen mit QR-Codes erstellen lassen.
  • Schnitzeljagden oder weitere spannende und spielerische Ideen der Informationsbeschaffung

Interesse geweckt?

Ich selbst befinde mich noch ziemlich am Anfang im Umgang mit und in der Nutzung von QR-Codes. Vielleicht habt ihr bereits spannende Erfahrungen gemacht oder gar selbst Projekte durchgeführt? Ich würde mich über weitere Ideen und Inspirationen freuen!

Parkour / Freerunning: Filmen im Sportunterricht

Der Lehrplan 21 fordert im Bereich Bewegung und Sport, dass die Schülerinnen und Schüler eine Folge von Hindernissen ökonomisch überwinden und das Überwinden von Hindernissen variabel gestalten können. Umgesetzt wurden dies mit der Trendsportart Parkour / Freerunning. In einer vier bis fünf wöchigen Unterrichtseinheit wurde das Thema mit den Schülerinnen und Schülern intensiv behandelt.

Die Überlegung war nun, dass die Prüfung nicht ein einzelnes Vorzeigen vor der Klasse ist, sondern dass eine digitale Alternative gewählt wird. Die Schülerinnen und Schüler sollten sich somit gegenseitig selber Filmen, damit ihr ‚perfekter‘ Run am Schluss abgegeben und bewertet werden konnte. Die Vorgaben betreffend der Anzahl Sprünge und Geräte sowie der Zeit von maximal einer Minute kamen von mir. Die SuS waren jedoch frei in der Wahl, ob sie den Run in einem einzigen Take filmen wollten, oder ob sie die einzelnen Hindernisse am Schluss zu einem Lauf zusammenschneiden.

Vorab informieren und Erlaubnisse einholen
Filmen im Sportunterricht kann ein heikles Thema sein – muss es aber nicht. Mein Vorhaben wurde deswegen von Anfang an offen kommuniziert. Die Eltern wurden mit einem Info-Brief informiert und mussten ihre Zustimmung zum Filmen geben. Bei lediglich zwei Eltern waren anfangs noch Bedenken vorhanden, welche aber mit einem aufklärenden Telefongespräch beseitigt werden konnten. Für das Filmen gab es natürlich auch verbindliche Regeln. So durfte man nur mit dem eigenen Gerät gefilmt werden.

Obwohl alle Schülerinnen und Schüler über ein Tablet verfügen, wurde als Kamera ausschliesslich das eigene Smartphone gewählt. Die Überlegung der Kinder war, dass sie die Videoclips gleich mit einer App (von welchen es etliche gibt) auf dem Smartphone zusammenschneiden können. Vom MovieMaker oder iMovie auf dem Computer machten nur wenige gebrauch.

Regeln zum Filmen
Bevor jedoch gefilmt werden konnte, ging ich mit den Schülerinnen und Schülern die Regeln durch. So wurden folgende Bedingungen aufgestellt:

  • Niemand darf ohne sein Einverständnis gefilmt werden.
  • Nur mit eigenem Gerät darf man gefilmt werden.
  • Fürs Veröffentlichen (YouTube, Instagram, etc.) braucht’s eine weitere Einverständniserklärung.

Bewertung des Videos
Ich wollte vermeiden, dass ich mit meinen Vorgaben die Kinder zu sehr einschränke. Aus diesem Grund habe ich das Kriterien-Raster relativ offen gelassen. Folgende Anforderungen habe ich jedoch gestellt:

  • Mind. 4 unterschiedliche Geräte
  • Mind. 5 unterschiedliche «Sprünge»
  • Max. 1 Minute Film
  • Film darf geschnitten sein
  • Abgabe: 1 einzige Video-Datei

Extra Punkte gab es für:

  • Viel Variation
  • Hohe Schwierigkeitsgrade
  • Flüssiger Ablauf auf Video

Auswertung Feedback-Fragebogen
Um die Meinung der Schülerinnen und Schüler zu dieser alternativen Prüfung und zur Unterrichtseinheit einzuholen, wurde ein Feedback-Fragebogen verteilt. Die Ergebnisse sind die Folgenden:

  • Die Anzahl Lektionen mit 8-10 Stunden wurde als gerade genug gewertet.
  • Das Filmen als Prüfungsmodus wurde als gut bezeichnet.
  • Die Unterrichtseinheit bekam als Note eine 5,2.
  • Positiv empfunden wurde:
    + das freie Üben
    + selbstständiges Auswählen
    + Arbeiten in Gruppen
    + für jeden was dabei
    + Wandsalto lernen
  • Negativ empfunden wurde:
    – zum Teil langes Anstehen
    – es hatte ein paar langweilige Posten
    – lange das Gleiche

Impressionen
Eine kleine Auswahl von den Parkour-Läufen gibt es hier:

 

Lernkontrollen (Umfragen) mit Microsoft „Forms“ (Office 365)

 


Mit «Forms» – einem App aus dem Office 365-Paket – lassen sich sehr einfach Umfragen, Quiz oder Lernzielkontrollen erstellen, welche online verschickt, durchgeführt und ausgewertet werden können. Zwar bietet «Forms» nicht sehr viele Möglichkeiten, dafür ist sehr einfach damit zu arbeiten.

Lernzielkontrollen (Quiz)
Im Fach Informatik habe ich mit Hilfe der Unterlagen, welche Urs Frischherz auf Zebis zur Verfügung stellt (https://www.zebis.ch/unterrichtsmaterial/computer-grundlagen-56-klasse), Computergrundlagen erarbeitet. Zur Lernzielüberprüfung der ersten vier Arbeitsblätter habe ich einen kleinen Online-Test mit Forms hergestellt.
Dabei lässt «Forms – Quiz» nur eingeschränkte Fragemöglichkeiten zu. So kann man zwischen «Auswahl-», «Text-» und «Reihenfolge-» Fragen auswählen. So lassen sich kaum Lernkontrollen erstellen, welche detaillierte, komplexe Antworten erfordern. Der Vorteil liegt aber darin, dass ein Link zur papierlosen, farbigen Lernkontrolle einfach verschickt oder der Link auf einer Plattform abgelegt werden kann. Mittels Einstellungen lässt sich steuern, ob die Lernkontrolle nur während eines bestimmten Zeitfensters, unter Angabe der Namen, mehrmals oder einmalig gemacht werden kann. Die Auswertung erhält der Schüler oder die Schülerin sofort nach dem «Abschicken» des Formulars. Als Lehrpersonen kann man sich die Ergebnisse gesamthaft ausgewertet anzeigen lassen. Genauso zeigt die Auswertung auch die Antworten der einzelnen Schülerinnen und Schüler namentlich an. Die namentliche Auswertung funktioniert aber nur, wenn die Schule als Organisation mit Office 365 arbeitet.

Die Lernkontrolle lässt sich einfach mit anderen Personen teilen. Sofern diese Personen auch über ein Microsoftkonto verfügen, kann der Quiz importiert werden und steht unter der eigenen «Form-Kachel» zur Verfügung und kann angepasst werden.

Link zur Lernkontrolle «Computergrundlagen»
https://forms.office.com/Pages/ResponsePage.aspx?id=KUtHR_X9o0mqHDOY4Xtyi-ntayBnWIdKgPzkvEo8h2RUOU5YSTdaU1ZWVEhJSzNFWDJNRlRZR0NSTy4u

Link zum Duplizieren der Lernkontrolle «Computergrundlagen»
https://forms.office.com/Pages/ShareFormPage.aspx?id=KUtHR_X9o0mqHDOY4Xtyi-ntayBnWIdKgPzkvEo8h2RUOU5YSTdaU1ZWVEhJSzNFWDJNRlRZR0NSTy4u&sharetoken=E0Qv3BpvKcZd6jQ0sWsv

Umfragen
Mit Forms lassen sich genauso leicht Umfragen erstellen, verschicken und auswerten.

Fazit
Sofern man sich als Schule Microsoft verschrieben hat, kann «Forms» für schnelle Lernzielkontrollen oder Umfragen recht einfach und motivierend eingesetzt werden. In einer Fachschaftsgruppe liessen sich solche Lernzielkontrollen sehr einfach teilen und adaptieren.

Bruno Stürmlin, Januar 2018

Schulevents mit einem Weblog begleiten (WordPress)

Thementage «Keep Calm & SMILE» der Schule Leutschen

Vom 18. – 20. Dez. 2018 führten wir an unserer Schule zu unserem Jahresmotto «Keep Calm & SMILE» Thementage durch. Dabei konnten die Schülerinnen und Schüler ihr persönliches SMILE in Form von fünf Workshops zusammenstellen.
Mit einer kleinen heterogenen Mediengruppe von 6 Schülerinnen aus verschiedenen Stufen und Niveaus wurden die Thementage resp. die einzelnen Workshops medial begleitet. Sämtliche Berichte, Bilder und Videos sind auf einer eigens aufgebauten WordPress Blog-Website täglich fast im Live-Stream publiziert worden und sind nach wie vor unter

https://leutschenprojekte.wordpress.com/

einzusehen. So konnten unsere Schülerinnen und Schüler, deren Eltern und natürlich alle anderen interessierten Personen unsere Thementage täglich mitverfolgen oder auch heute noch die Berichte und Videos zu den Workshops nachlesen oder betrachten. Der Weblog hat guten Anklang gefunden, informiert und Freude gemacht.

 

Ausführungen zum Prozess

Vorbereitung – WordPress kennenlernen und einrichten
Persönlich ist mir der Umgang mit Webseiten und einem Content-Management-System recht geläufig. Aber auch ohne solche Vorkenntnisse kann man sich mit einer gewissen Affinität mittels Video-Tutorials recht gut in WordPress einarbeiten. Für unseren Weblog habe ich ein WordPresskonto eröffnet, ein geeignetes Design ausgewählt und den Weblog mit einer entsprechenden Struktur (Design, Seiten, Beiträge, Schlagwörter, Autorenrechte zuteilen…) eingerichtet. Ich denke, dass an den meisten Schulen sich Lehrpersonen finden, die interessiert sind und WordPress entsprechend einrichten und eine Gruppe anleiten könnten. WordPress ist gratis. Möchte man im Weblog aber auch Videos zur Verfügung stellen braucht es ein Premium-Account für CHF 96.-/Jahr.

Beiträge erstellen
Unsere Mediengruppe verfügte über keine besonderen Vorkenntnisse. Als einzige Schülerinnen und Schüler wechselten sie den Workshop nicht und haben die zweieinhalb Tage in der Mediengruppe gearbeitet, was auch die notwendige Konstanz gab. Nach einer kurzen Einführung zu unserer Medienarbeit besuchten die Jugendlichen in Zweiergruppen die Workshops, machten Bilder, Interviews, Notizen und auch Videoaufnahmen mit dem eigenen Handy. Anschliessend wurden die Berichte im Redaktionszimmer erstellt und hochgeladen. Dabei musste der Mediengruppe keine langen technischen Erklärungen abgegeben werden. Mit etwas Unterstützung im Rücken lernten sie sehr schnell, wie sie Medien auf WordPress hochladen und Beiträge erstellen konnten. Die technische Arbeit mit der Gruppe verlief sehr unproblematisch. Videos wurden gerade auf ihren Handys geschnitten und vertont. Diese Fertigkeiten brachten zwei Schülerinnen schon mit. Via Handy und WhatsApp oder OneDrive wurden die Bilder auf die Computer verschoben. Auf Notebooks der Schule haben die Schülerinnen und Schüler die Berichte erstellt. Die Mitglieder der Mediengruppe besassen Autorenrechte auf unserer WordPressseite und so konnten alle die Beiträge selber erstellen und veröffentlichen. Mit meinem Administratorenrechte hatte ich überall Zugriff und konnte so z.T. noch kleinere Korrekturen vornehmen oder Schlagwörter definieren.

Fazit
Einen Schulevent so zu dokumentieren oder ein laufendes Schuljournal mit einer Schülergruppe als Weblog mit WordPress zu führen, ist eine spannende, gut funktionierende Sache. Die Jugendlichen lernen einiges in Sachen Medienarbeit und verbessern Ihre Informatikkenntnisse. Für die Schule ist es eine spannende Gelegenheit nach aussen zu treten und Informationen über die Schulgemeinschaft hinaus zu verbreiten. WordPress bietet auch gute Statistikinformationen so, dass sich Aufrufe und Anzahl Besucher gut nachvollziehen lassen. Was nicht speziell anvisiert und auch fast nicht genutzt wurde, ist die Eigenheit eines Weblogs, dass man Beiträge kommentieren könnte und so der Weblog noch interaktiver wäre. Vielleicht wäre es lohnend, dies bei einem weiteren Vorhaben stärker in den Fokus zu nehmen. Das ganze Projekt hat wie die anderen Workshop aber viel Spass gemacht!

Bruno Stürmlin, Januar 2018

Gruselnacht bei Kerzenschein – Mein eigenes Hörspiel

Beispiel Hörspiel: Das geheimnisumwobene Kloster (Samuel & Lukas)

Gruselgeschichten fesseln uns, sorgen für Gänsehaut, lassen die Haare zu Berge stehen und faszinieren uns seit jeher. Ausserdem sind sie auf textueller und struktureller Ebene anspruchsvoll. Eine gute Gruselgeschichte erzeugt Spannung, schafft eine Atmosphäre, die zum Eintauchen einlädt, zeichnet sich aus durch passenden Wortschatz, einen unwiderstehlichen roten Faden und eine gekonnte Leserführung.

Motiviert durch die Kooperation mit der PHSZ entschied ich mich dazu, das Projekt «Gruselgeschichte» noch einen Schritt weiterzutreiben. Nachdem die Gruselgeschichten erarbeitet und geschrieben wurden, wurden die Geschichten als Hörspiel aufbereitet und vertont. Dabei arbeiteten wir mit dem Gratis-Tonstudio «Audacity», bei dem mehrere Tonspuren übereinandergelegt und bearbeitet werden können. So hatten die Schüler/innen die Möglichkeit, den selbstgeschriebenen Text packend, angeleitet durch Kriterien, vorzulesen und anschliessend mit Hintergrundgeräuschen wie knarrenden Dielen, raschelnden Zweigen oder seltsamen Fusstritten in der Ferne aufzupeppen. Die Arbeit am Text war intensiv, kreativ, die Lernenden motiviert.

Lediglich die Arbeit mit Audacity war zu Beginn eine Herausforderung. Nachdem alle Schüler/innen das Programm auf ihrem Tablet heruntergeladen und installiert hatten, machte ich eine Einführung ins Programm. Auch stellte ich ein persönliches Nachschlagewerk in der Form einer Broschüre zusammen, welches den Lernenden die Grundfunktionen von Audacity näherbrachte. Das Kennenlernen des Programms und die Auseinandersetzung damit waren für viele Lernende eine wirkliche Herausforderung, einige waren überfordert. Auch war das Projekt zeitintensiv, insbesondere die Arbeit mit dem Tonstudio. Dadurch dass die Lernenden mit Hilfe der Broschüre selbstständig arbeiten konnten, hatte ich allerdings die Möglichkeit, auf vorhandene Fragen und Schwierigkeiten individuell einzugehen. Hier war das Vorwissen der Lernenden unterschiedlicher wie es nicht sein könnte. Einzelne Schüler/innen benutzten auch privat mit Audacity verwandte Programme und hatten keine Schwierigkeiten mit der Bearbeitung mehrerer Tonspuren. Andere begannen bei Null und mussten schrittweise an Audacity herangeführt werden. Dennoch: Das digitale Tonstudio ist äusserst benutzerfreundlich und die Grundfunktionen können relativ schnell erlernt und ausgeschöpft werden. Integrativ thematisierten wir dabei auch, ob, in welchem Rahmen und weshalb man Audiodateien von YouTube extrahieren und für eigene Projekte benutzen kann.

Schliesslich reüssierten alle Lernenden mit der Vertonung ihrer eigenen Gruselgeschichte. An einer kalten und nebligen Novembernacht versammelten sich die Klassen bei Kerzenschein und diabolischen Klängen um die erstellten Hörspiele einzuweihen. Edgar Allen Poes Klassiker «The Tell-Tale Heart» bildete den Auftakt, bevor die Schülerkreationen ihre Wirkung entfalteten. Gemeinsam lauschte man den nervenaufreibenden Produktionen, kicherte über kleinere Versprecher und genoss den gemeinsamen Abend beim gemütlichen Beisammensein. Der Höhepunkt bildete schliesslich eine CD mit den Hörspielen aller Lernenden. Ein Abend, der in bester Erinnerung bleiben und durch die CD hoffentlich noch lange weiterleben und nachhallen wird.

Marc Helbling, November 2017

Streiten im Deutschunterricht – Pädagogisch begründet :-)

Als wir neulich die direkte Rede im Unterricht thematisierten und mir wieder einmal auffiel, wie sehr das Wort «sagen» geliebt wird und wie wenig sprachliche Varietät vorhanden ist, entschied ich mich dazu, die redeeinleitenden Verben verstärkt zu thematisieren.

Das Leben ist spannend, abwechslungsreich und voller Emotionen. Dies soll auch durch unsere Sprache widergegeben werden. Nachdem wir uns vertieft mit verschiedenen redeeinleitenden Verben und deren Synonymen auseinandergesetzt haben, stiess ich die Schüler/innen ins kalte Wasser. «Handy hervor – wir streiten jetzt», hiess es meinerseits. Unsichere Blicke, freudiges Grinsen.

Ich bat die Lernenden, sich im Schulhaus zu verteilen und gab eine Streitsituation mit offenem Ende vor. Die Schüler/innen sollten das spontane Streitgespräch gleichzeitig mit dem Voice-Recorder ihres Smartphones während genau einer Minute aufzeichnen. Anschliessend versammelten wir uns wieder im Klassenzimmer und die Lernenden hörten sich mit ihren Kopfhörern nochmals beim Streiten zu. Anschliessend schrieben sie das Gespräch nieder, individuell, und übten so die Zeichensetzung bei der direkten Rede und den abwechslungsreichen Gebrauch von passenden redeeinleitenden Verben. Grammatikunterricht war plötzlich interessant, der Anteil echter Lernzeit hoch.

Besonders interessant war anschliessend der Vergleich der geschriebenen Texte. Welche redeeinleitenden Verben wurden von welchen Lernenden benutzt und wie wurden Emotionen wahrgenommen und anschliessend sprachlich wiedergegeben. So kam es vor, dass eine Schülerin die direkte Rede mit dem Verb «quasseln» und eine andere Schülerin dieselbe Situation mit dem Verb «zurechtweisen» einleitete.

 

Marc Helbling, November 2017

Etherpad – Freies Schreiben im Fremdsprachenunterricht

Etherpad im Französischunterricht

Während einer Lektion pro Woche steht bei uns auf der Sekundarstufe im Französischunterricht „Begabungs- und Begabtenförderung“ auf dem Programm. Dabei handelt es sich um ein Zeitgefäss, welches den Lernenden in Kleingruppen individuelle und interessengeleitete Zugänge zur Sprache bieten soll.

Perspektivenwechsel war also gefragt! Die einzig richtige Schlussfolgerung hinsichtlich der Lektionsplanung war meines Erachtens, dass ich die Schüler/innen selbst entscheiden oder zumindest mitbestimmen lasse, an welchen Themenbereichen sie arbeiten möchten. Die Zugrichtung war klar: freies Sprechen, freies Schreiben und Wortschatzübungen. Inspiriert durch die Weiterbildungswoche „Medien und Informatik“ an der PHSZ, entschied ich mich dazu, im Bereich „freies Schreiben“ Etherpad auszuprobieren.

In einem ersten Schritt erarbeiteten sich die Schüler/innen in einem Repetitionsauftrag den grundlegenden Wortschatz zur Unité 2 mit Hilfe von Quizlet. Anschliessend thematisierten wir gemeinsam gängige Satzstrukturen und Ausdrucksmöglichkeiten im Französischunterricht. Danach stiess ich die Schüler/innen ins kalte Wasser.

Auf Etherpad sollten sie nun in Kleingruppen eine Geschichte schreiben und sich dabei am Vokabular der Unité 2 und an den besprochenen Satzstrukturen orientieren. Schön zu beobachten war, dass ausnahmslos alle Schüler/innen an der Geschichte teilnahmen, ihren Beitrag leisteten, sich gegenseitig kontrollierten und korrigierten. Die synchrone Kommunikation erlaubte es den Lernenden, gegenseitig von einander zu profitieren und gleich Stellung zu beziehen. Nicht selten kam es vor, dass einzelne Schüler/innen intrinsisch motiviert im Internet nach weiteren Worten, Satzstellungen oder Ausdrücken suchten.

Von der Lektion konnten alle Lernenden profitieren, Französisch (und dann erst freies Schreiben AUF FRANZÖSISCH!) machte Spass!

Auszug Etherpad 1

Auszug Etherpad 2

Marc Helbling, September 2017

PenPals-Project

 Kulturelles Lernen im Fremdsprachenunterricht oder «von der Liebe zu Donuts»

Fremdsprachenerwerb ist für mich im besten Fall gleichzusetzen mit kulturellem Lernen. Weshalb lernen die Schüler/innen denn eine Fremdsprache? Um Lehrpersonen innerhalb des Klassenzimmers zu beeindrucken? Um zukünftige Arbeitgeber mit offiziell anerkannten Diplomen zu beeindrucken? Naja, vielleicht ja auch…aber das Erlernen einer Fremdsprache soll in erster Linie den Lernenden die Möglichkeit bieten, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und den eigenen Erfahrungshorizont zu erweitern.

Letzte Woche habe ich mit meiner Klasse am Projekt «World Explorers» von PenPalSchools gestartet. Über einen Zeitraum von sechs Wochen kommunizieren und interagieren meine Schüler/innen nun mit anderen Jugendlichen aus allen Kontinenten. Eine wöchentliche Einstiegslektion bietet nebst einer inhaltlichen Gesprächsgrundlage weitere sprachliche Hilfestellungen wie neues Vokabular oder sprachstrukturelle Hilfen (z.B. Wie formuliere ich eine Frage?).

Penpal Schools wird bereits von über 15’000 Lehrpersonen in 144 Ländern verwendet. Für die ersten 5 Lehrpersonen pro Schulhaus ist das Programm derzeit noch kostenlos. Die Seite eignet sich um authentisches Fremdsprachenlernen in der direkten Interaktion mit anderen Lernenden zu fördern. Die Partnerschulen werden geprüft und sind vertrauenswürdig. Aus kulturellen Gründen werden allen Lernenden vier weitere Penpals des gleichen Alters und Geschlechts zugeordnet. Auch haben die Penpals eine vergleichbare Sprachkompetenz. Als Lehrperson steht mir ein Dashboard zur Verfügung, auf welchem ich die asynchronen Chatverläufe meiner Klasse lesen, überprüfen, kommentieren und bewerten kann.

Die Schüler/innen freuten sich enorm darauf, das Lehrmittel einmal beiseite zu legen und über die digitale Welt in andere Kulturen einzutauchen. Nun arbeiten wir jeweils montags mit PenPalSchools und trainieren damit unsere Lesekompetenzen, verfeinern unsere sprachliche Ausdrucksfähigkeit, erwerben neues Vokabular, lernen, was es heisst, sich im Internet darzustellen und was das Leben auf anderen Erdteilen zu bieten hat.

Dabei werden sowohl kulturelle Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten erkannt. So stellte einer meiner Schüler mit Freude fest, dass auch in Amerika (wer hätte es gedacht?) Donuts auf dem Tagesprogramm stehen…

Ob vor oder nach dem Zähneputzen – wie bei meinem Schüler – ist dabei offengeblieben :-)…

 

Marc Helbling, Oktober 2017