(Einführungs-) Erfahrungen mit Lernpass plus an der Sek eins Höfe


Für das Schuljahr 2019/20 suchte der Kanton Schwyz für ein Pilotjahr zwei Schulen des 3. Zyklus (7. – 9. Klasse), welche Lernpass plus testen. Geplant ist die Einführung von Lernpass plus und Stellwerk 2.0 für alle Oberstufen des Kantons Schwyz auf das Schuljahr 2020/21. Gerne nimmt die Sek eins Höfe die Gelegenheit wahr, schon in diesem Schuljahr mit Lernpass plus zu arbeiten und Pilotschule für die Einführung von Lernpass plus zu sein. Für weitere Informationen zu Lernpass plus siehe auch https://lernpassplus.ch/

 

Das bisherige Fazit gleich zu Beginn
Lernpass plus kann …

+ liefert Hinweise auf das individuelle Kompetenzniveau
+ stellt individuelle Förderaufgaben zusammen
+ Lehrperson kann eigene Übungsserien zusammenstellen
+ unterstützt kompetenzorientierte, stofforientierte Übungsphasen und das eigenständige Lernen
+ ermöglicht/unterstützt Lehrpersonen bei der Individualisierung und in der Rolle als Lernbegleiter
+ Planungstool bieten interessante Möglichkeiten
+ ermöglicht ortsunabhängiges Lernen
+ lässt sich relativ einfach administrieren
+ Standortbestimmung (Stellwerk) ist Bestandteil

+/- fokussiert auf Stufenkompetenzen (Jahreskompetenzen), d.h. die SuS bekommen auch Aufgaben aus noch nicht besprochenen Themengebieten
+/- blosses Testen und Aufgabenserien garantieren nicht automatisch nachhaltige Kompetenzerreichung und gute Lernprozesse. Kontinuierliche Unterstützung durch ein adaptives Lernsystem kann gute Unterstützung für das eigenständige, individuelle Lernen bieten. Die Lernprozesse und die Kompetenzerreichung müssen kritisch beobachtet werden.
+/- Solche Lernsysteme generieren heikle, individualisierte Daten, welche äusserst sorgfältig gespeichert werden müssen (Big Data …)

– Orientierungstests sind wertvoll, beanspruchen aber (zu) viel Unterrichtszeit und bedingen einer guten Planung und entsprechender Absprachen
– für die Erstellung eigener Aufgabenserien sollten die Filtermöglichkeiten besser sein
– direkte Hilfemöglichkeiten, Tutorials zu den Lerninhalten stehen nicht zur Verfügung
– Lernpass plus ist noch im Aufbau und muss weiterentwickelt werden. Die bis jetzt vorgesehen Entwicklungsbereiche sind zwar im Aufbau, angekündet, aber eben z. T. noch nicht verfügbar. In der Weiterentwicklung liegen auch Chancen. Ob «kantonale» Lernsysteme nicht von Lernsystem von grossen Verlagen oder Konzernen überholt und abgelöst werden, ist vielleicht auch noch eine offene Frage.

! Eine gute Einführung für die Lehrpersonen und die Schulleitung ist sehr zu empfehlen. Nebst den technischen Möglichkeiten geht es auch darum, die Lernphilosophie zu verstehen, welche hinter Lernpass plus steht. Konkrete Hinweise zum pädagogischen Einsatz sind erforderlich. Diese müssen mehr als die Planung der Orientierungstest umfassen. Es ist zu hoffen, dass der Kanton entsprechende Massnahmen unterstützt.

 

Bisherige Erfahrungen an der Sek eins Höfe

Vorbereitende Admin-Arbeiten
geben Arbeit, klappen aber gut: Schule anmelden (Schulleitung), erfassen der Klassen (Schulleitung), erfassen der Lehrpersonen (Schulleitung), erstellen der Importlisten für die Klassen (Schulleitung oder Lehrpersonen), importieren der SuS in die Klassen (Schulleitung oder Lehrpersonen), Lizenzen zuteilen und die Lehrpersonen-Logins verschicken (Schulleitung), Teamtecher hinzufügen (Lehrpersonen) – siehe auch gut gemachte Anleitungen auf Lernpass plus.

Um das Lernfördersystem gewinnbringend einzusetzen, ist es notwendig, das Lern-Verständnis, welches hinter Lernpass plus steckt zu verstehen. Um einen guten Start zu haben, organisierten wir eine Einführung mit einer Referentin des Verlags, welche an einer Schulkonferenz allen Lehrpersonen eine Einführung zum Lernverständnis und zu den Möglichkeiten von Lernpass plus gab. Obwohl man auf der Website von Lernpass plus auch Informationen findet ist, ist eine solche Einführung sehr zu empfehlen. Ich erachte es als ungünstig, dass die Lehrpersonen die Logins bekommen und dann einfach einmal ausprobieren resp. sich alle selber dazu informieren. Frustrierende Erlebnisse und nicht ideale Einsätze von Lernpass plus wären so fast vorprogrammiert. Aus meiner Sicht wurde die informative und motivierende Einführungsveranstaltung geschätzt.

Lernpass plus im Einsatz in den einzelnen Fachbereichen

Allgemein / Erste Schritte
Für das technische Handling stellt Lernpass plus auf der Website unter der Rubrik «Schulung und Dokumente» Unterlagen und einen E-Learning-Kurs mit anschaulichen Videos zur Verfügung. https://lernpassplus.ch/schulung-und-dokumente/
Gut eingearbeitete Lehrpersonen könnten den SuS zum Kennenlernen selber generierte Aufgabensets zur Verfügung stellen. Ein pragmatischer Weg kann auch sein, gerade mit einem Orientierungstest zu starten und das System anschliessend für alle SuS individuelle Aufgabensets generieren zu lassen.

Orientierungstests – Planung ist wichtig
In der Mathematik stehen drei Bereiche («Zahl und Variable», «Form und Raum», Grössen, Funktionen, Daten und Zufall»), im Deutsch, Englisch und Französisch ebenfalls je drei Bereiche («Hören, «Lesen», «Sprache im Fokus») als Stufenorientierungstest zur Verfügung. Die Orientierungstest sind zum Start, als Zwischenkontrollen vorgesehen. Die Orientierungstests müssen in der Schule durchgeführt und können unterbrochen werden. Sie dauern häufig mehr als eine Lektion. Würde man so betrachtet in jedem Fach alle Bereiche zur Orientierung und Adaptierung dreimal im Jahr testen, so würde dies mindestens 36 Lektionen Orientierungstest machen bedeuten, was vermutlich klar zu viel ist. Daher sind eine Planung und eine zeitliche Absprache auch zwischen den Fachbereichen angezeigt.

Stellwerk (Standortbestimmung)
Die bekannten und obligatorischen Stellwerk-Tests für das 8. und 9. Schuljahr sind in Lernpass plus integriert und müssen zusätzlich durchgeführt werden.

Erfahrung aus den Fachbereichen Deutsch und Mathematik

Englisch, Französisch und Natur und Technik
Lernpass plus ist eine dynamische Lernplattform und wird kontinuierlich weiterentwickelt. Die Förderaufgaben in den Fremdsprachen Englisch und Französisch sowie in Natur und Technik stehen momentan noch nicht zur Verfügung. In den Fremdsprachen können die Orientierungstest aber bereits durchgeführt und so der Lernstand erhoben werden. Es ist sehr zu hoffen – und aus momentaner Sicht sieht es gut aus – dass Lernpass plus langfristig weiterentwickelt wird.

Deutsch
Für die Lehrperson ist es einfach und mit wenigen Klicks möglich, die Orientierungstests für die SuS zur Verfügung zu stellen. Wie erwähnt, ist eine gezielte Planung der Bereiche und der Frequenz sinnvoll. Die Orientierungstests werden zu Beginn und am besten mit der ganzen Klasse durchgeführt. Später sind auch individuelle oder klassenweise Orientierungsüberprüfungen denkbar. Die Tests können unterbrochen werden. Sie dauern häufig mehr als 45 Minuten und sind für die SuS anstrengend. Als Ergebnis erhalten die SuS je nach Einstellung Punkte oder eine Kompetenzstufe, welche auch in Worten ausgeführt wird. Die Ergebnisse wurden von unseren Lehrpersonen, im Rahmen gesehen, durchaus als aussagekräftig eingestuft.
Aufgrund der Testresultate stellt das System adaptiv individuelle Aufgabenserien zur Förderung zusammen. Die Übungsserien können je nach Einstellungen wiederholt werden oder das System generiert die nächste Übungsserie. Zur gezielteren Übung können Lehrpersonen für die ganze Klasse oder beliebige SuS selber mittels Schnellauswahl oder manueller Auswahl Aufgabenserien zusammen- und bereitstellen. Dies bedeutet in der Vorbereitung für die Lehrperson Mehraufwand, dafür können noch gezielter Förderaufgaben zusammengestellt werden. Bei der Zusammenstellung wären noch differenziertere Filtermöglichkeiten – siehe Ausführungen zum Fach Mathematik – mehr als praktisch. Bis jetzt haben an unserer Schule wenige Lehrpersonen Aufgaben im Bereich Deutsch selber zusammengestellt. Vermutlich können die Förderaufgaben im Sprachbereich einfacher genutzt werden, auch wenn der Inhalt zu Beginn des Schuljahres noch nicht besprochen wurde.
Insgesamt arbeiten sowohl SuS als auch recht viele Lehrpersonen soweit einmal gerne und regelmässig – z.B. wöchentlich 1-2 Lektionen mit den Orientierungstests und den individuell automatisch zusammengestellten Aufgaben und nützen diese Arbeitsweise auch für individuelles Coaching. Stichwort Lehrperson als Lernbegleiter.

Mathematik
Grundsätzlich gelten die für das Fach Deutsch gemachten Ausführungen auch für die Mathematik. Eine Schwierigkeit – insbesondere für das 7. Schuljahr ist – dass die Orientierungstests jeweils alle Kompetenzen des ganzen Schuljahres testen und auch entsprechende Förderserien zusammenstellen. So ist es für die Schülerinnen z. T. recht schwierig bis frustrierend, wenn sie häufig Aufgaben aus Themengebieten bekommen, welche sie noch nie besprochen haben und auch kaum lösen können. Für SuS ist so bei Förderaufgaben manchmal gar nicht so einfach zu erkennen, ob sie eine Aufgabe können sollten oder ob die Aufgabe ein neues Themengebiet betrifft und wie sie mit dieser Aufgabe in diesem Fall verfahren sollen.

Planungstools
Den SuS und den Lehrpersonen steht ein interessantes, interaktives, elektronisches Lernjournal zur Verfügung. Sind der Stundenplan und die Fächer der Schule hinterlegt (Administration) können die SuS zum Beispiel dies zum Planen von Selbstlernsequenzen gut einsetzen. Auch sind einfache Reflexionsmöglichkeiten vorhanden und die Lehrperson kann sich mit den einzelnen SuS elektronisch austauschen.
Förderaufgaben – Lernen mit Lernpass plus
Bei Lernpass plus steht weniger die direkte Unterstützung der aktuellen Lektionsreihe (der aktuellen Kompetenzen) im Vordergrund. Für eine solche Förderung müssen die Lehrpersonen eher selber Aufgaben aus dem Aufgabenpool zusammenstellen (Schnellauswahl oder manuelle Auswahl). Dies wurde bei uns bisher noch wenig genutzt. Vielleicht fehlt die Routine dazu, es ist (noch) zu zeitaufwändig oder gezieltere Filtermöglichkeiten, welche diese Arbeit unterstützen würden, sind zu wenig vorhanden.

Die adaptiv, automatisch und individuell zusammengestellten Aufgabenserien haben die individuellen Kompetenzen der SuS im Jahresüberblick (Inhalte des ganzen Schuljahres) im Fokus. Wie erwähnt, führt dies dazu, dass SuS immer wieder und im Verlaufe des Schuljahres mit immer weniger Aufgaben konfrontiert werden, welche noch nicht thematisiert wurden. Dies hat verschiedene Effekte. SuS können sich vielleicht schon im Voraus erfolgreich mit Aufgaben beschäftigen, bringen sich selber etwas bei, sind verunsichert bis frustriert. Regelmässig eingesetzt sollte dies auch dazu führen, dass die SuS sich vertiefter, umfassender und individueller mit den persönlichen Kompetenzen auseinandersetzen. Ob testen und Aufgabenserien lösen mit wenig Erklärungs- und Hilfemöglichkeiten auch nachhaltig die gewünschten Kompetenzen fördern, gilt es kritisch zu beobachten. Auch kann sich bei einigen SuS ein gewisser Ermüdungseffekt einstellen. So denken wir, dass der Lernprozess trotz Unterstützung des adaptiven Lernsystem gut begleitet und unterstützt werden muss. Sicher werden die einführenden und grundlegenden Lerninhalte nach wie vor in anderen Unterrichtssetting erarbeitet. Für die individuelle Repetition und Vertiefung von Kompetenzen kann Lernpass plus gute Dienste leisten. Auch ermöglicht es Lehrpersonen während diesen Unterrichtsphasen in der Rolle als Lernbegleiter und Lerncoach SuS individuell zu begleiten. Gerade in der Kombination mit anderen eigenverantwortlichen, individuellen Unterrichtssettings (SOL, Lernateliers …) kann Lernpass plus zusätzlich interessant sein.

Anwendungskompetenzen Fachbereich Deutsch – Verknüpfung mit dem Lehrmittel „Sprachstarken 8“

Fortsetzung:

Ausgehend von der Planungshilfe der Sek Eins Höfe und dem Lehrmittel „Sprachstarken 8“ habe ich ein Brainstorming mit dem Schwerpunkt „Integration der Anwendungskompetenzen im Fachbereich Deutsch“ durchgeführt und meine Erkenntnisse und Ideen auf der unten beigefügten Übersicht festgehalten. Die Übersicht zum Lehrmittel „Sprachstarken 9“ folgt.

Die Übersicht ist weder komplett noch soll sie als Imperativ verstanden werden. Einzelne Ideen wurden bereits konkret durchgeführt, andere sind lediglich angedacht. Doch vielleicht gibt sie der einen oder anderen Lehrperson einen hilfreichen Input zur Integration der Anwendungskompetenzen.

Natürlich bin ich froh über konkrete Ergänzungen, Tipps, Erfahrungsberichte oder weitere Umsetzungsideen von anderen Deutschlehrpersonen… 😉

Übersicht Anwendungskompetenzen + Sprachstarken 8

Übersicht Anwendungskompetenzen + Sprachstarken 7

Anwendungskompetenzen Fachbereich Deutsch – Verknüpfung mit dem Lehrmittel „Sprachstarken 7“

Bei der Planung und Gestaltung des Unterrichts orientiere ich mich am zur Verfügung stehenden Lehrmittel und erweitere das Angebot durch eigene Umsetzungsideen. Persönlich fehlen mir teilweise ergänzende oder weiterführende Umsetzungsideen, gerade auch wenn es darum geht, die Anwendungskompetenzen aus dem Modullehrplan „Medien und Informatik“ zu berücksichtigen.

Ausgehend von der Planungshilfe der Sek Eins Höfe und dem Lehrmittel „Sprachstarken 7“ habe ich ein Brainstorming mit dem Schwerpunkt „Integration der Anwendungskompetenzen im Fachbereich Deutsch“ durchgeführt und meine Erkenntnisse und Ideen auf der unten beigefügten Übersicht festgehalten. Die Übersicht zu den Lehrmitteln „Sprachstarken 8“ und „Sprachstarken 9“ folgt zeitnah.

Die Übersicht ist weder komplett noch soll sie als Imperativ verstanden werden. Einzelne Ideen wurden bereits konkret durchgeführt, andere sind lediglich angedacht. Doch vielleicht gibt sie der einen oder anderen Lehrperson einen hilfreichen Input zur Integration der Anwendungskompetenzen.

Natürlich bin ich froh über konkrete Ergänzungen, Tipps, Erfahrungsberichte oder weitere Umsetzungsideen von anderen Deutschlehrpersonen…

Übersicht Anwendungskompetenzen + Sprachstarken 7

Sekpro2-Klasse im angewandten Projektunterricht im HSRlab – (Auch) In der Wirtschaft sind Computer allgegenwärtig und selbstverständlich.

Die Sekpro2-Klasse der Schule Riedmatt entwickelte an einem eintägigen Workshop im HSRlab (Hochschule Rapperswil) einen Kunststoffbecher. Die Jugendlichen arbeiteten in fünf Projektgruppen als ForscherInnen, TechnikerInnen, FinanzexpertInnen oder Kommunikationsfachpersonen in Zusammenarbeit mit der Technik-Hochschule Rapperswil in einer «realen» Industrieumgebung am Design, der Herstellung und der Vermarktung eines Industrieproduktes.

Die Schülerinnen und Schüler konnten während dieses Projekttages vielfältige Erlebnisse den Bereichen Technische Hochschule, Technik, Industrie und Vermarktung machen. Dabei war auch der Genderaspekt nicht unwichtig. Als Klassenprojekt konzipiert, zeigte sich nicht überraschend, dass sowohl Knaben und Mädchen gleich interessiert und engagiert, begeistert an der Arbeit waren. Nebenbei waren Computer als Hilfsmittel in allen Projektgruppen allgegenwärtig. So wurden mit selbstverständlicher Computerunterstützung Arbeitsdokumente hergestellt, Berechnungen ausgeführt, Recherche betrieben, Präsentationen hergestellt, Filme geschnitten. Produziert wurde der Kunststoffbecher von einer computergesteuerten Spritzgussmaschine.

Bei diesem Projekt standen einiges an Aufwand, auch Kosten, sowie die Zusammenarbeit mit dem HSRlab dahinter. Ein Beispiel von MINT-Projekten, welche sich lohnen und in ähnlicher Art auch von anderen Hochschulen oder Firmen (Techniktage …) zum Teil auch gratis angeboten werden. Bei solchen Projekten erleben Schüler – und wichtig auch Schülerinnen – anregend und motivierend wie Technik, Naturwissenschaften und Computer in der Wirtschaft eingesetzt und genutzt werden.

Nachfolgend der Newseintrag aus der Website unserer Schule mit Bildern und Videos.

https://www.sekeinshoefe.ch/de/news/2019/606-hsrlab

 

Audacity – Alternativen zu Online-Konvertern?

Halloween steht bevor und erneut wagten wir uns an das Erstellen von Gruselhörspielen. Auch dieses Jahr entstanden unheilvolle und furchteinflössende Klänge, welche wir an unserer Gruselnacht bei Kerzenschein und Pizza einweihten.

Insbesondere bei der Vorbereitung für die Arbeit mit Audacity habe ich dieses Jahr Anpassungen vornehmen müssen. Die aktuelle Version 2.3.2 unterscheidet sich nur minim von den Vorgängerversionen und das Handling des Online-Tonstudios ist noch intuitiver als zuvor. Dennoch mussten die Unterrichtsmaterialien dementsprechend aktualisiert und angepasst werden.

Ebenfalls thematisierten wir, ob, in welchem Rahmen und weshalb man Audiodateien von YouTube extrahieren und für eigene Projekte benutzen kann. Bei der anschliessenden Umsetzung musste ich feststellen, dass viele Online-Konverter Downloadlimiten festgesetzt haben und dass die Anzahl an unschönen Pop-ups zugenommen hat. Infolgedessen war die Arbeit mit unterstützenden Hintergrundgeräuschen dieses Mal komplizierter als ursprünglich angenommen.

Während einzelne Gruppen die Geräusche selbst nachstellten und mit dem Smartphone akustisch festhielten, wichen andere auf die von mir vorgeschlagene Alternative von digitalen Geräuschedatenbanken aus. Auch hier stellten sich jedoch Hürden, wie beispielsweise die limitierte Downloadanzahl oder das zusätzliche Registrieren auf den entsprechenden Webseiten. Allerdings ergaben sich auch spannende Diskussionen zu den Lizenzen der einzelnen Dateien. Bei den Gesprächen offenbarte sich mir, welch grosses Novum das Vorhandensein von und der Umgang mit Lizenzen, sowohl bei Bild- als auch Audiodatein, für die Lernenden darstellt. Ein spannender Anknüpfungspunkt für den Medien- und Informatikunterricht…
Als Converter-Alternative eigneten sich die Datenbanken jedoch gut und die Suche verlief meist schnell und effizient, sofern die Suchbegriffe auf Englisch verfasst waren.

Ich blicke erneut auf ein vielfältiges und spannendes Projekt zurück, wobei ich weiterhin auf der Suche nach Optimierungsmöglichkeiten im Bereich der Vertonung und akustischen Bearbeitung bin.

Leut(s)chen im Flugmodus!

In der Woche vom 11. – 16. Juni 2019 fand auch dieses Jahr die Flimmerpause statt. Unser Schulhaus hat das erste Mal vollumfänglich am Projekt teilgenommen. Wir versuchten bewusst, auf ausgewählte Bildschirmmedien (Fernseher, Computer, Tablet, Handy) zu verzichten und schafften Raum für neue Ideen, wie wir unsere gemeinsame Zeit gestalten können. Wir setzten uns individuelle Ziele, versuchten diese zu erreichen und reflektierten dabei unser eigenes Konsumverhalten.

Wir blicken auf eine erkenntnisreiche und kreative Woche zurück! Da wir das Projekt erstmals auf der Oberstufe durchgeführt haben, waren einige Anpassungen nötig. Nachfolgend werden einige Überlegungen und Erfahrungen zusammengefasst und Umsetzungsideen skizziert.

Prinzip der Freiwilligkeit

Die Teilnahme beruhte grösstenteils auf Freiwilligkeit, sowohl seitens der Lernenden als auch seitens der Lehrpersonen. Es ging uns in erster Linie darum, dass sich die Lernenden selber herausfordern und einen kritischen und reflektierten Umgang mit den Medien entwickeln. Gewisse Lehrpersonen arbeiteten weiter auch während des Unterrichts in dosierter Form mit Bildschirmmedien, beispielsweise im Rahmen der Lehrstellensuche oder wichtiger Recherchearbeiten. Andere wiederum griffen zum verstaubten Hellraum-Projektor vergangener Tage oder verzichteten sogar ganz auf Bildschirmmedien. Die Lernenden setzten sich selbst individuelle Ziele, welche sichtbar im Eingangsbereich des Schulhauses aufgehängt wurden. So reichte die Bandbreite der Ziele von «Ich versuche nicht mehr als drei Stunden pro Tag auf YouTube zu sein» bis hin zu «Ich benutze mein Handy während der ganzen Woche kein einziges Mal».

Auch wurde das Schulhaus umgestaltet und dekoriert, um die geeignete Atmosphäre für die Flimmerpause zu schaffen. Lediglich während den Pausen galt seitens der Schule ein offizielles Handyverbot, wobei die «Smombies» auch hier Zuflucht auf den «Empfangsinseln» finden konnten.

Materialien und Vorbereitung

Glücklicherweise war unser Team ausnahmslos bei der Flimmerpause dabei. Man unterstützte sich gegenseitig bei der Umsetzung und verfolgte dasselbe Ziel.

Als verbindliche Vorbereitung führten alle Klassen während der Woche vor der Flimmerpause das Flimmerpause-Tagebuch. Bei der Erstellung des Tagebuchs orientierten wir uns stark an den Materialien von der Flimmerpause-Homepage. Einzelne Klassen vertieften sich vorbereitend weiter in der Thematik. Hierbei wurde vor allem auch mit den Materialien von Freelance gearbeitet.

Während der Flimmerpause-Woche reflektierten wir täglich den eigenen Medienkonsum und die individuell gesteckten Ziele. Der zeitliche Umfang und die Art und Weise der Umsetzung waren den Lehrpersonen selbst überlassen. Die Schülerinnen und Schüler forderten sich klassenintern mit den Challenges von Handysektor.de heraus und sammelten Punkte. Dieser kompetitive Austausch eignete sich ideal zum täglichen Morgenritual und fand grossen Anklang bei den Lernenden. Während den ersten fünf bis zehn Minuten des Tages forderten sich die Schüler/innen mit Challenges gegenseitig heraus!

Im Anschluss an die Projektwoche verfassten die Schüler/innen einen Erlebnisbericht (vgl. Flimmerpause-Tagebuch) und reflektierten die gemachten Erfahrungen. Schliesslich wurde den Lernenden ein individuelles Diplom zur Teilnahmebestätigung ausgehändigt.

Joker als Lebensretter

Während der Flimmerpause standen allen Teilnehmenden vier Joker zur Verfügung (vgl. Flimmerpause-Tagebuch). Diese konnten eingesetzt werden, wenn man sein persönliches Ziel einmal nicht erreichen konnte oder eine Challenge ablehnte. Es versteht sich von selbst, dass bei vielen Lernenden die Joker ausnahmslos aufgebraucht wurden.

Pausengestaltung deluxe – Auch wir Lehrpersonen nehmen uns an der Nase!

Häufig stellen wir im Schulalltag fest, dass die Lernenden, sobald sie draussen in der Pause sind, zum Handy greifen und sich für den Rest der Pause nur noch marginal bewegen. Und wenn ich ehrlich bin, gibt es auch bei mir solche Pausen… Doch nicht während dieser Woche!

Die Pausen wurden aktiv durch die AG «Flimmerpause» gestaltet. Einzelne Lehrpersonen leisteten ihren persönlichen Beitrag zur Pausengestaltung, indem sie selbst Spiele und Aktivitäten initiierten oder an Pausenaktivitäten der Schüler/innen teilnahmen. Es wurde gemeinsam gelacht und gesungen, «Asuuuge!» hiess es beim Rundlauf im Minutentakt, hitzige Fussballduelle wurden ausgetragen, Diabolo und UNO feierten ein Revival, der Kreativität wurde freien Lauf gelassen und die Badminton-Shuttles pfiffen durch die Lüfte.

Der Pausenplatz lebte, die Empfangsinseln wurden im Verlauf der Woche immer weniger aufgesucht. Wir konnten ganz im Sinne unseres Jahresmottos überzeugt festhalten: «Leut(s)chen lebt!»

Ich denke, ich gehe nicht zu weit, wenn ich behaupte, dass wir alle, sowohl Schüler/innen als auch Lehrpersonen, wertvolle Erfahrungen gemacht haben, die wir auch zukünftig (wieder) vermehrt im Alltag umsetzen können.

Auf zur Flimmerpause 2020!

Kooperative Lernformen: Etherpad und das schriftliche Argumentieren

Die schriftliche Argumentation ist für viele meiner Jugendlichen die Königsdisziplin des Deutschunterrichts. Es fällt ihnen schwer, ihre Gedanken strukturiert und überzeugend auf Papier zu bringen. Bei mündlichen Diskussionen hingegen sprudeln die Lernenden nur so von kreativen und (zugegebenermassen nur teilweise) sachlichen Argumenten. Besonders dann, wenn einer meiner Entscheide auf Unverständnis stösst…
Dennoch, hier ist Potential vorhanden!

Als Vorbereitung auf die summative Lernkontrolle der schriftlichen Argumentation habe ich mich dazu entschieden, den dialogischen Charakter der mündlichen Argumentation beizubehalten und in schriftlicher Form aufzugreifen. Das Resultat war interessant.

Zu Beginn der Lektion repetierten wir nochmals kurz den Aufbau eines dreigliedrigen Arguments. Wir starteten mit mündlichen Diskussionen zu aktuellen Themen aus der Erfahrungswelt der Jugendlichen. Anschliessend stellte ich den Lernenden das anonyme Rollenspiel auf Etherpad vor. Alle Jugendlichen schlüpften in die Rolle einer Person und mussten aus dieser Perspektive für ihren Standpunkt argumentieren. Während der Schreibphase herrschte dann absolutes Sprechverbot. Nur schriftlich durfte kommuniziert, diskutiert und argumentiert werden. Die Rollen wurden erst am Ende der Lektion aufgelöst und reflektiert.

Selten habe ich eine solch ruhige und konzentrierte Lektion erlebt. Vereinzeltes Kichern war das einzige, das ich während 20 Minuten zu hören kriegte. Die Lernenden tippten wie wild auf ihrer Tastatur herum und waren bestrebt, ihre Meinung zu äussern.

Insgesamt eine gelungene Lektion, aber Vorsicht:

  • Die Texte können auf Etherpad zeitlich synchron bearbeitet werden. Dies bedeutet auch, dass die Lernenden gegenseitig ihre Texte löschen und bearbeiten können.
    Gut zu wissen: Auch diesen Umstand kann man als Lehrperson thematisieren. Mit dem Timeslider können auch gelöschte Inhalte wieder sichtbar gemacht werden. Die Lehrperson hat jederzeit Zugriff auf alle Etherpads. Stichwort: Verantwortungsvoller Umgang im Netz – das Internet vergisst nie!
  • Die Gefahr besteht auch hier, dass schnell Abstand genommen wird von der strukturierten Argumentation. Es muss darauf geachtet werden, dass der Meinungsaustausch formal und sprachlich nicht zu stark in die Mündlichkeit abdriftet.
    Hier kann man die grundlegenden Unterschiede zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit zum Thema machen.
  • Bei Etherpad handelt es sich nicht um eine Textverarbeitungssoftware, sondern um einen webbasierten Texteditor zur kollaborativen Bearbeitung von Texten. Grammatik und Rechtschreibung stehen nicht im Fokus, sondern die inhaltliche Argumentation. Sprachformales rückt bei dieser Diskussionsform in den Hintergrund.

Viel Spass beim Ausprobieren mit der Klasse!

Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht: Die Fotostory

Die Idee einer Fotostory im Literaturunterricht ist keineswegs neu, sondern gehört bei den digitalen Ansätzen wohl eher bereits zum «alten Eisen». Im Sommer werde ich meine erste eigene Klasse abgeben. In einem melancholisch angehauchten Moment blättere ich in der gemeinsam erstellten Fotostory zum Jugendroman «Romeo und Jabulile»: eine Reminiszenz an kreative Literaturstunden aus der Zeit der 1. Oberstufe.

Im Anschluss an die gemeinsame Lektüre wurde damals ein handlungs- und produktionsorientierter Ansatz gewählt. Dabei sind wir folgendermassen vorgegangen:

  1. In Gruppen haben die Lernenden ausgewählte Kapitel Revue passieren lassen und Schlüsselszenen herausgearbeitet.
  2. Die Protagonisten wurden einzelnen Lernenden zugeteilt. Jede Schülerin und jeder Schüler musste zwingend auf einem Standbild ersichtlich sein.
  3. Es wurde geplant, an welchen Orten, mit welchen Requisiten und mit welchen Kameraperspektiven die Schlüsselszenen abgebildet werden sollten. Eine Skizze/ein Storyboard half bei der Visualisierung der Idee. (vgl. Arbeitsauftrag)
  4. Die Fotos wurden geknipst und per Microsoft Teams oder Microsoft OneDrive auf die Tablets geladen. Einzelne Lernende teilten die erstellten Ordner oder erstellten einen Gruppenchat.
  5. Die Fotos wurden in eine von mir erstellte Word-Vorlage hochgeladen.
  6. Erneut vertieften sich die Jugendlichen nun im Originaltext. Die Schlüsselszenen wurden mit Originalpassagen aus dem Buch ergänzt.
  7. Die Fotos selber wurden mit Sprech- und Gedankenblasen ergänzt. Kreative Dialoge und sprachliche «Neuschaffungen» waren die Folge davon.
  8. Die Schlüsselsequenzen wurden mir schliesslich zugesendet. Nach Überprüfung und weiteren Anregungen sammelte ich die einzelnen Word-Dokumente, fügte sie zur Fotostory zusammen und stellte sie anschliessend den Lernenden in ausgedruckter Version zur Verfügung.

Aus mehreren Gründen begrüsste ich die kreative Arbeit am Computer:

  • Überfachlich wurden so Anwendungskompetenzen aus dem Modullehrplan «Medien und Informatik» produktionsorientiert erworben und vertieft. (Ansätze: kooperative Lernformen, Textverarbeitungsprogramme, Medienproduktion, Medienanalyse / vgl. Jahresplanung «M&I»)
  • Persönliche Bezüge zum Text wurden initiiert und dadurch auch die Freude und Kreativität im Umgang mit Literatur geweckt.
  • Durch die intensive Arbeit an den zugeteilten Kapiteln und der Auswahl an Schlüsselszenen wurde die Texterschliessungskompetenz der Jugendlichen gefördert.
  • Die Jugendlichen mussten sich überlegen, wie sie sich selbst auf Fotos, die anderen zugänglich gemacht werden, darstellen und inszenieren.

Weitere Überlegungen und Ideen für eine nächste Umsetzung:

  • Anstatt einer Fotostory, die digital erstellt wird, jedoch in einer gedruckten Papierbroschüre mündet, wäre hier zu überlegen, ob die Fotostory nicht auch über geschützte Räume in sozialen Netzwerken erstellt werden könnte. Beispielsweise: Fotostory als Snapchat-Story oder Sammlung der Schülerproduktionen auf einem Instagram-Account.
  • Anstatt die Fotostory nach der Lektüre als Endprodukt zu initiieren, könnte die Fotostory ein lesebegleitendes Element im Unterricht sein. Literarische Gespräche über die ausgewählten Schlüsselszenen und die Darstellung durch die Lernenden könnten äusserst interessant werden.
  • Auch könnten die Lernenden das abgeschlossene Buch durch ihre eigene Fotostory weiterführen oder vertiefen. Wie geht es weiter mit den Protagonisten? Gewisse Szenen könnten abgeändert und die dadurch entstandenen Auswirkungen auf das weitere Geschehen thematisiert werden.

Zugegebenermassen haben die genannten Möglichkeiten ihre eigenen Vor- und Nachteile. Der Handlungs- und Produktionsorientierung messe ich persönlich bei literarischen Texten aber weiterhin einen hohen Stellenwert bei. In ein paar Wochen starten wir mit der nächsten Lektüre.

«Die Welle» soll es dieses Mal sein. Umsetzungsideen vorhanden – Update folgt.

Adaptive und personalisierte Lernsysteme

Der Heterogenität einer Klasse gerecht werden…
Schülerinnen und Schüler individuell fordern und fördern…
Personalisierte und niveauangepasste Aufgabenstellungen zur Verfügung stellen…
Formative Leistungserhebungen und daraus abgeleitete förderorientierte Lernpläne erstellen…
Die eigene Persönlichkeit entfalten und Kompetenzen vielseitig erweitern!

Die Versprechen adaptiver Lernsysteme lassen sich auf der Zunge zergehen. Auch die Erwartungshaltung vieler Lehrpersonen, mich eingeschlossen, sind dementsprechend hoch – vielfach vielleicht zu hoch oder (noch) unrealistisch. Versprechen dieses Kalibers lassen auch mein Pädagogen-Herz pochen und höherschlagen. Doch betrachte ich die aktuelle Situation mit der notwendigen Nüchternheit, dämpft sich meine anfängliche Euphorie und mein Herzschlag stabilisiert sich rasch wieder…

Vielleicht habe ich mir zu viel erhofft, vielleicht habe das heilbringende Lernsystem noch nicht gefunden oder vielleicht bin ich doch auch einfach zu gerne «Lehrperson, die vor der Klasse steht und mit den Jugendlichen gemeinsam etwas erschafft», aber bis jetzt haben mich adaptive Lern- und Testverfahren enttäuscht.

Meine Schülerinnen und Schüler finden zunächst Gefallen an dieser Art des selbstständigen Arbeitens. Auch ihre Augen werden bei den gemachten Versprechen grösser.
Adaptive Lernsysteme verorten Wissen und darauf abgestimmte Aufgabenstellungen meist in grösseren Kompetenzbereichen. Die Kompetenzbereiche decken dann jeweils weitere Teilkompetenzen ab.
Es ist eine Herausforderung, die Übersicht zu behalten. Meist beginnen die Lernsysteme mit einer Lernstandserhebung. Die Schüler lösen ein Aufgabenset und werden anschliessend in Niveaugruppen klassifiziert. Das System spuckt einen Zahlenwert aus, welchen man mit Hilfe einer Kompetenzskala interpretieren kann.

Anfänglich scheint es auch für die Lernenden interessant, Wissen zu klassifizieren und mit einem numerischen Wert ihre eigene Leistung im Vergleich mit Gleichaltrigen abschätzen zu können. Zwei Monate später stosse ich dann aber nicht selten auf Verwunderung, wenn mir meine Schüler berichten, dass ihre zweite Lernstandserhebung schlechter ausgefallen ist, als die erste, obwohl sie während den letzten Wochen pflichtbewusst an den generierten Lernsets gearbeitet haben. Spätestens beim dritten Resultat wird dann die Scheinobjektivität, die das System vorgaukelt, offensichtlich, wenn das Resultat ins andere Extrem ausschlägt.

Aufgabensets werden aufgrund von Momentaufnahmen zusammengestellt. Häufig sind sie wenig strukturiert. Es ist schwierig nachzuvollziehen, in welchen Kompetenzbereichen sich die Lernenden nun weiterentwickeln sollen. Die Resultate sind zu einem gewissen Grad Produkt der Tagesform. Das ist zwar auch im herkömmlichen Unterricht der Fall, doch das System ändert sich hier nicht fortlaufend, sondern ist weitgehend stabil. Besonders kritisch werde ich, wenn die vorgegaukelte Scheinobjektivität für bare Münze genommen wird. Zeugnisse beiseite, zeig mir deine Stellwerk-Resultate!

Keine Frage, auch Rückmeldungen von mir als Lehrperson gaukeln eine gewisse Scheinobjektivität vor. Detaillierte Kriterienraster mit Kompetenzbereichen sollen meine formativen und summativen Rückmeldungen «objektivieren», doch schliesslich fliesst immer noch eine ganze Menge Subjektivität in die Zusammenarbeit mit ein. Zurecht, wie ich finde.

Ich erkenne positive Aspekte bei adaptiven Lernverfahren, ich erkenne den Mehrwert! Nur bis anhin habe ich ihn noch nicht richtig fassen können. Und so frage ich mich nach einer ernüchternden Stunde im Computerraum:

  • Ist Lernen nicht doch eine hochgradig soziale Aktivität?
  • Was passiert mit den gesammelten Daten? Wie werden diese ausgewertet? Werden sie weiterverwendet?
  • Trifft der Begriff «Bildungsmonitoring» in diesem Aspekt den Nagel auf den Kopf?
  • Wo bleibt die Kreativität? Empathie? Das vernetzte Denken? Intrinsisches, entdeckendes Lernen?

Schliesslich besinne ich mich wieder und betrachte die Stunde mit einer gewissen Distanz.

Positive Aspekte bleiben: Gewisse Schülerinnen und Schüler arbeiten auch zu Hause mit den Programmen, intrinsisch motiviert! Positive Erfahrungen im Bereich des selbstständigen und selbstorganisierten Lernens werden gesammelt. Einzelne Jugendliche zeigen mir mit Stolz ihre Lernfortschritte; zwar numerisch klassifiziert und nur schwer zu interpretieren, aber es macht den Anschein, als liessen sich hier Selbstwirksamkeitserfahrungen erkennen.

Ich bleibe mit geteilten Gefühlen zurück: Enttäuscht vom Heilsversprechen, aber doch erwartungsvoll und neugierig in die Zukunft blickend. Die Lernenden tippen weiter eifrig auf den Tasten rum, meine damalige Mentorin an der Pädagogischen Hochschule würde vermutlich von einem «hohen Anteil echter Lernzeit sprechen» …
Nur allzu gerne würde ich die Einzelheiten der Lektion mit ihr bis ins kleinste Detail durchkauen, wie das damals üblich war. Käme sie nun mit ihrem Lieblingspädagogen Hilbert Meyer und dem so wichtigen «hohen Anteil echter Lernzeit», würde ich sie wohl  höflich korrigieren. Hohe Schüleraktivität vorhanden, das mit der echten Lernzeit… da bin ich vorsichtiger mit meinem Urteil.

 

App „Fliehen vor dem Holocaust. Meine Begegnung mit Geflüchteten“

Kurzzusammenfassung

  • Eine App, die einen individuellen Zugang zum Holocaust ermöglicht.
  • Fünf Zeitzeuginnen bzw. Zeitzeugen erzählen ihre Geschichte.
  • Die SuS entscheiden sich für eine Person und schauen ihre Geschichte, bearbeiten vertiefende Aufgaben und stellen sich digital ein Dossier zur gewählten Person zusammen.
  • Der zeitliche Rahmen für die Auseinandersetzung mit der Person beträgt 50-75 Minuten.
  • Am Ende erhalten die SuS sowie auch die LP das ausgefüllte Dossier der SuS als vierseitiges PDF-Dokument per E-Mail.
  • Die Auswertung kann im Plenum, individualisiert oder als Gruppenpuzzle erfolgen.

Empfehlenswert, weil…

  • Eindrückliche Zeitzeugenberichte und Interviews mit Holocaust-Überlebenden
  • Vertiefende und personalisierte Aufgabenstellungen stehen zur Verfügung
  • Die SuS erhalten das Dossier mit den wichtigsten Fakten und die Zusammenfassung direkt per E-Mail.
  • Der Bogen zur heutigen Zeit wird gespannt: Was ist «Flucht» heute? Wie gehen wir mit Flüchtlingen um?

Schülermeinungen

  • Positive Aspekte: gute Fragen, übersichtliche Struktur, man kann selbst Themen zu den Videos aussuchen, eigene Gedanken und Meinungen darf man äussern, man kann selbstständig arbeiten, interessante Geschichten, spannende Menschen, regt zum Nachdenken an, es geht auch um die heutige Flüchtlingsthematik
  • Kritikpunkte: noch mehr abwechslungsreiche Aufgaben, teilweise konnte man die Antworten nicht mehr ändern, auf dem Handy eher mühsam (Texte schreiben, Videos schauen)

Liebe Geschichtslehrpersonen

Im Rahmen des 2. Weltkrieges bin ich bei der Vorbereitung auf eine Umsetzungsidee gestossen, die ich ausserordentlich interessant und gelungen finde. Vielleicht ist die Idee ja auch etwas für euch…mir hat sie gefallen!

Angeregt durch einen Artikel in der Zeitschrift «Bildung Schweiz» habe ich die App «Fliehen vor dem Holocaust» heruntergeladen und mich dazu entschlossen, den Holocaust und damit verbundene Zeitzeugenberichte anhand der interaktiven App im Klassenzimmer zu thematisieren.

«Fliehen vor dem Holocaust. Meine Begegnung mit Geflüchteten» ermöglicht einen individualisierten, persönlichen und eindrucksvollen Zugang zum Holocaust. Die Geschichte von fünf Personen wird anhand von zugrundeliegenden Videointerviews und weiterführenden Arbeitsaufträgen thematisiert. Die Lernenden entscheiden sich für eine Person und vertiefen sich, je nach Interesse, in unterschiedlichen Themenbereichen und Geschichtsaspekten. So erstellen sie ihr eigenes Album beziehungsweise gestalten ihre persönliche Begegnung mit Zeitzeugen des Holocausts.

Der Lehrperson steht für die Umsetzung im Unterricht eine detaillierte Handreichung zur Verfügung. Meine Lernenden haben die App als Hausaufgabe auf die kommende Geschichtsstunde heruntergeladen. Dabei liess ich es offen, ob sie die App auf ihrem Smartphone oder Tablet herunterladen wollten. Die Arbeit mit dem Tablet bewährte sich, da die Videos in voller Grösse geschaut und die Antworten über die Tablet-Tastatur unkomplizierter und schneller eingegeben werden konnten. Auch zusätzliche Rechercheaufträge gestalten sich auf dem Tablet einfacher. Während gut 50-75 Minuten haben sie sich in der Thematik vertieft, eigene Schwerpunkte gesetzt und aus erster Hand über Einzelschicksale und welthistorische Ereignisse gelernt.

Ein grosser Vorteil der App sehe ich darin, dass die Lernenden am Ende der Aufgabenreihe ihr persönliches Dossier als pdf-Datei per E-Mail erhalten. Auch kann direkt eine Kopie an die Lehrperson gesendet werden. In der darauffolgenden Lektion werteten wir die Begegnungen und die mitgebrachten Dossiers in der Form eines Gruppenpuzzles aus. Die Lernenden fanden Gefallen an der App; ich ebenfalls!